Theaterspiel setzt Zeichen gegen Rassismus

Mit eindringlichen Theateraufführungen machten das Stadtgartengymnasium Saarlouis und Gastschüler des Ungarischen Nationalitätengymnasiums Budapest auf Rassismus und Verfolgung aufmerksam. Im Vereinshaus Fraulautern wiesen sie im Rahmen des Toleranzprojektes „Salziger Kaffee“ auf die menschenverachtenden Folgen hin.

Hunger und Angst jüdischer Frauen in der NS-Zeit brachten Schülerinnen und Schüler des Stadtgartengymnasiums Saarlouis auf der Bühne im Vereinshaus zum Ausdruck. Fotos: Johannes A. Bodwing

Schuhe stehen am Bühnenrand des Vereinshauses Fraulautern wie an einer Kaimauer. Jedes Paar symbolisiert Menschen, die der Judenverfolgung zum Opfer fielen. Was zu einer Theateraufführung gehörte, war 1944/45 in Budapest Realität geworden, als ungarische Juden am Donauufer erschossen wurden und nur noch die Schuhe blieben.

Für ihre Theateraufführung hatten Schüler Szenen der Judenverfolgung arrangiert. Die jungen Leute kommen vom Stadtgartengymnasium Saarlouis (SGS) und vom Deutschen Nationalitätengymnasium Budapest. Zwischen beiden Schulen besteht seit mehr als 20 Jahren reger Kontakt. Unter dem Titel "Salziger Kaffee" betrieben sie ein einjähriges Toleranzprojekt.

Die Theaterszenen basieren auf dem Buch "Salziger Kaffee", in dem Katalin Pécsi Schicksale jüdischer Frauen zusammengestellt hat. Weitere Inhalte stammen von dem polnischen Juden Aleksander Laks, der das Vernichtungslager Auschwitz überlebte.

Unbewegt wie Stillleben begannen Bühnenbilder, die sich zu eindringlichen Darstellungen eines menschenverachtenden Systems entwickelten - zur gezielten Verhaftung jüdischer Menschen, in Waggons zusammengepferchten Frauen und Kindern, zu Hunger, Misshandlung und Erschießungen.

Terror und Angst brachten etwa 100 Schülerinnen und Schüler des SGS mit geringen Mitteln zum Ausdruck. Und mit einer emotionalen Wucht, die Zuschauer betroffen machte. "Das war nicht ganz leicht", meinte eine Schülerin während der Pause. "Aber wir haben das auch gemeinsam besprochen." Schlaflose Nächte habe es dadurch nicht gegeben.

"Ich heiße Judith. Ich bin 18 Jahre alt und habe heute Geburtstag." Ihre Geschichte zog sich wie ein roter Faden durch den Auftritt der 23 ungarischen Gastschüler. "Eine traurige Geschichte. Das tut auch uns leid, was da passiert ist", sagte Gastschüler Martin Majeczki anschließend zu der bedrückenden Darstellung vom Lagerleben jüdischer Frauen, mit ihrem Verlust von Kindern und Angehörigen.

Eingebettet waren die Aufführungen in Klezmermusik einer AG des SGS sowie Lieder gegen Rassismus. Einen Abend lang informierte eine Ausstellung des Gedenkzentrums Deutscher Widerstand Berlin über Schicksale ungarischer Juden. Im Foyer des Vereinshauses zeigte das SGS Schautafeln zum Thema Rassismus. "Salziger Kaffee" wird am 4. April auch in Budapest aufgeführt.