Theater als Spiegel der Gesellschaft

Saarbrücken. Was tun, wenn Oma plötzlich vergisst, ob sie heute schon was gegessen hat? Oder wenn Opa von einem Spaziergang nicht mehr nach Hause findet? Altersdemenz ist in vielen Familien ein Thema. Aber gesellschaftlich immer noch ein Tabu

Saarbrücken. Was tun, wenn Oma plötzlich vergisst, ob sie heute schon was gegessen hat? Oder wenn Opa von einem Spaziergang nicht mehr nach Hause findet? Altersdemenz ist in vielen Familien ein Thema. Aber gesellschaftlich immer noch ein Tabu.

"Eine Demenzerkrankung stellt Werte wie persönliche Freiheit und Autonomie, die Fähigkeit zum Genießen und zum lebenslangen Lernen, schließlich sogar die eigene Identität in Frage. Ängste davor mögen zur gesellschaftlichen Tabuisierung dieser Krankheit beigetragen haben. Was tabuisiert ist, macht aber noch mehr Angst", heißt es dazu bei der Alzheimer-Gesellschaft in München.

Dieses Tabu bricht das Saarbrücker Kinder- und Jugendtheater Überzwerg schon seit geraumer Zeit. Getreu dem Motto, dass Theater gesellschaftliche Wirklichkeit spiegeln sollte, haben die Überzwerge nach und nach gleich zwei Stücke zum Thema erarbeitet: "Oma Ur" für Kinder ab sechs Jahren und "Am Horizont" für die etwas Älteren ab zehn Jahren. Die Inszenierungen fragen nach dem Alltag von betroffenen Kindern und beschäftigen sich angesichts der Krankheit mit diesem speziellen Verhältnis von Jung und Alt. Dies allerdings jenseits von aufgeschreckter Theaterpädagogik.

"Kein Problemstück, sondern ein anrührender Einblick in den Alltag einer Demenzkranken, in deren Wunderlichkeiten sich die Enkelin mit viel Zuneigung einfühlt", schrieb die SZ-Kritikerin etwa zur Premiere von "Oma Ur".

Jetzt hat das Theater Überzwerg gleich eine ganze Themenwoche zur Altersdemenz gestrickt. Vom 22. bis 26. Januar sind die beiden Stücke gemeinsam im frisch umgebauten Theater in der Scharnhorststraße zu sehen. Und am 23. Januar, 19 Uhr, gibt es eine Podiumsdiskussion zum Thema "Heim oder daheim? Möglichkeiten und Perspektiven bei der Betreuung Demenzkranker". Diskussionsteilnehmer sind Marie-Luise Konrad (Demenz-Verein Saarlouis e.V.), Dr. Rosa A. Fehrenbach (Vorsitzende der Deutschen Alzheimer Gesellschaft, Landesverband Saarland e.V.), Professor Dr. Wolfgang Werner (Psychiater und Honorarprofessor für Psychologie an der Universität Trier), Dr. Martin Kaiser (Chefarzt der Abteilung Psychiatrie des SHG-Klinikums Merzig), Petra Wüllenweber Autorin des Stückes "Am Horizont"). Der Eintritt zur Podiumsdiskussion ist frei. red/bre

Auf einen Blick

Vorstellungstermine:

Freitag, 22. Januar, 9.30 Uhr: Oma Ur, 11 Uhr "Am Horizont".

Samstag, 23. Januar, und Sonntag, 24. Januar, jeweils 15 Uhr "Oma Ur" und 17 Uhr, "Am Horizont".

Montag, 25. Januar, und Dienstag, 26. Januar, jeweils 9.30 Uhr "Oma Ur" und 11 Uhr "Am Horizont".

Am Samstag, 23. Januar, 19 Uhr, ist im Theater Überzwerg, Scharnhorststraße, eine Podiumsdiskussion zum Thema Altersdemenz (Eintritt frei). red

Weitere Infos und Karten, Tel. (06 81) 85 40 21.

www.ueberzwerg.de

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