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Detektiv-Spiel „Escape Room“
Ermittler unterwegs in heikler Mission

SZ-Redaktionsmitglied Jana Freiberger (links) und Praktikantin Akiko Okuda durchsuchen die Wohnung eines vermeintlichen Verbrechers nach geheimen Botschaften und Schlüsseln. Foto: Rich Serra
SZ-Redaktionsmitglied Jana Freiberger (links) und Praktikantin Akiko Okuda durchsuchen die Wohnung eines vermeintlichen Verbrechers nach geheimen Botschaften und Schlüsseln. Foto: Rich Serra
Saarbrücken. Nur eine Stunde Zeit, um die Welt zu retten. Was sich nach einem Hollywood-Film anhört, ist ein Detektiv-Spiel und nennt sich „Escape Room“ – Fluchtraum. Ein Test in Saarbrücken. Von Jana Freiberger

Die Zeitbombe tickt. Uns bleiben nur noch sechs Minuten, um die Explosion zu verhindern. Panik breitet sich aus. "Hier liegt ein Schlüssel, mach' die Schatztruhe auf", ruft meine Kollegin Akiko. Im Zimmer ist es dunkel. Im Schein meiner Taschenlampe sehe ich die kleine Kiste auf dem Bett am Rande des Zimmers stehen. Gerade fühlte ich mich noch entspannt, plötzlich bin ich voller Adrenalin. Ein vierstelliger Zifferncode trennt uns davon, den Anschlag zu verhindern.


In der Schatztruhe liegt eine Anleitung, die uns helfen soll, die Zahlenfolge herauszufinden. Tick, Tick, Tick. Im Sekundentakt taucht die Zeitbombe den Raum in rotes Licht. "Vier, sieben, fünf, zwei", rufe ich. Die letzten zwanzig Sekunden laufen. "Gib schnell ein!", treibe ich Akiko an. Konzentriert tippt sie die Kombination auf dem Tastenfeld ein. Die Lampe bleibt rot. Es knallt. Weißer Nebel breitet sich im Raum aus. Wir haben es nicht geschafft.

"Live Escape Games" heißt die Freizeitbeschäftigung, die Michael Flatau mit seiner Firma Exit Adventures seit April in der Dudweiler Landstraße anbietet. Eine Stunde lang haben wir in der Wohnung eines Verbrechers ermittelt. Mit kleinen Taschenlampen ausgestattet, haben wir den Raum erkundet, mussten ein gutes Dutzend Rätsel lösen, Schlüssel finden, geheime Botschaften lösen und mechanische Herausforderungen bewältigen. Je mehr Rätsel wir als Team lösten, je näher wir uns dem Ziel der Mission fühlten, desto größer wurde unser Ehrgeiz. Dementsprechend groß war am Ende auch die Enttäuschung.



Das Abenteuer-Spiel ist eine Abwandlung von Computerspielen, in denen man einen Charakter durch eine fiktive Welt führen muss, um aus einem Raum zu entkommen. Bei Exit Adventures haben die Spieler die Wahl zwischen drei verschiedenen Räumen: dem Spukhaus, der Gefängniszelle und der Wohnung eines Verbrechers. Zwei bis sechs Spieler begeben sich in einem der Räume auf eine Mission und müssen ein bestimmtes Ziel erreichen.

In Deutschland wird das Abenteuer-Spiel seit 2012 angeboten. "Die Branche boomt zurzeit enorm", sagt Geschäftsinhaber Flatau. Seine Firma ist eine von insgesamt dreien in Saarbrücken. "Was die Spannung dieses Spiels ausmacht", sagt Flatau, "ist das Kombinieren verschiedener Elemente, die die Teilnehmer im Raum finden können. Die Logik des Spiels zu entschlüsseln."

Der Maschinenbauingenieur hat seine Räume selbst gebaut, selbst eingerichtet. "Jeder meiner Räume hat jeweils etwas unter 10 000 Euro gekostet", berichtet der 36-jährige Homburger. Die Möbel und die Deko habe er bei Ebay-Kleinanzeigen und auf verschiedenen Flohmärkten gekauft. Die Kosten seien also überschaubar, sagt Flatau. Unbezahlbar hingegen ist Flataus technisches Wissen. "Hinter den Kulissen steckt unheimlich viel Technik wie Sensoren und Elektronik. Da ist eine regelmäßige Wartung nötig", sagt der Geschäftsführer. Außerdem seien die Spieler manchmal so in dem Spiel gefangen, dass sie unabsichtlich etwas kaputt machen. Gegenstände aufbiegen, die eigentlich nur Deko sind. Oder Kabel abreißen. Auch dann sei sein technisches Geschick gefragt.

Zu Flataus Kunden zählen hauptsächlich Jugendliche und Erwachsene. "Es kommt aber auch vor, dass Großeltern mit ihren Enkelkindern kommen", berichtet er. Beliebt sind die "Escape-Rooms" außerdem bei Firmen, um das Gemeinschaftsgefühl zu stärken. Denn bei dem Lösen der verschiedenen Rätsel ist vor allem eines gefragt: Teamgeist.

Zum Thema:

Die ersten "Live Escape Games" entstanden 2007 in Japan. Gruppen von zwei bis sechs Personen werden in einen Raum gesperrt und müssen ihr Gefängnis mit Hilfe darin versteckter Hinweise und Gegenstände wieder verlassen. Dazu haben sie meistens eine Stunde Zeit. Es gibt auch Anbieter, bei denen die Gruppen nicht eingesperrt werden, sondern die Spieler eine Mission lösen müssen. Dabei werden sie über Kameras von einem Spielleiter von einem Kontrollraum aus beobachtet, der über ein Funkgerät eingreift, wenn die Gruppe nicht weiterkommt oder etwas Falsches macht. Die Spieler können meist auch selbst aktiv werden und Hinweise anfordern. Das Freizeitangebot wird häufig von Firmen zur Stärkung des Gemeinschaftsgefühls genutzt.

Seit April empfängt Geschäftsinhaber Michael Flatau abenteuerlustige Spieler in seinen „Escape-Rooms“ in der Dudweiler Landstraße.
Seit April empfängt Geschäftsinhaber Michael Flatau abenteuerlustige Spieler in seinen „Escape-Rooms“ in der Dudweiler Landstraße.