Tanzend um Verständnis ringen

2013 ging es auf den Spicherer Höhen um die feindselige Vergangenheit zwischen Deutschen und Franzosen, 2014 in Sarajevo um den Krieg. In diesem Sommer treffen sich Jugendliche aus Saarbrücken, Lothringen und Sarajevo mit Gleichaltrigen in Rumänien.

Heiner Buchen kennt das: "Wenn die Rede auf Sinti und Roma kommt, entstehen häufig Bilder im Kopf: Vorstellungen von Armut, Kriminalität, mangelnder Fähigkeit oder Bereitschaft zur Anpassung." Das sei nicht nur in Saarbrücken so, wo es eine "relativ große Zuwanderung von Roma gegeben hat".

In Forbach gibt es ein Sinti-Wohngebiet, sagt der katholische Pastoralreferent. Daher sei das Thema des Tanzprojekts, das das katholische Dekanat Saarbrücken zusammen mit Partnern aus Forbach, Sarajevo und Forbachs rumänischer Partnerstadt Targu Jiu organisiert, "keine Kopfgeburt".

"Ohne Stimme, Sinti und Roma - die größte Minderheit Europas" lautet der Titel des Tanzworkshops, zu dem sich etwa 60 Jugendliche vom 17. bis 31. Juli in Targu Jiu, einer Stadt in der viele Roma leben, wie Buchen sagt, treffen. Die Choreografin Daniela Rodriguez aus Köln arbeitet in diesen zwei Wochen mit den jungen Leuten an einem Tanzstück. Es wird zum Ende des Workshops, für den es noch einige wenige freie Plätze gibt, in Rumänien aufgeführt. Projektleiter Buchen hofft, dass es im kommenden Jahr Aufführungen in Saarbrücken und Forbach gibt.

"Die Sinti und Roma sind in ganz Europa über Jahrhundert hinweg verfolgt und unterdrückt worden. Sie müssen trotz allem, was passiert ist, bis heute um Anerkennung und Respekt kämpfen", sagt Buchen. Zu tanzen sei eine gute Möglichkeit, sich ohne diese ganzen festen Bilder und Klischees im Kopf der Sache zu nähern - und dabei Freundschaften zu schließen.

Kontakt: Heiner Buchen, Tel. (06 81) 70 06 18, E-Mail: dekanat-saarbruecken@freenet.de