Tagesmutter: Wir brauchen mehr Sicherheit

Wenn Tagesmütter nicht voll ausgelastet sind, rechnet sich die Arbeit oft nicht, sagt die Kinderbetreuungsbörse. Vor allem in den regulären Betreuungszeiten. Tagesmütter, die eine Betreuung früh morgens und abends in den so genannten Randzeiten anbieten, haben nach Angaben des Jugendamts dagegen bessere Chancen.

"In den nächsten fünf Jahren wird es in Saarbrücken keine Tagesmütter mehr geben", sagt jedenfalls Anne Zimmer. Sie arbeitet seit 29 Jahren in dem Beruf und bietet eine Betreuung von 7 bis 14.30 Uhr an. "Wir kriegen die Plätze nicht mehr voll, die Nachfrage ist nicht mehr da", sagt Zimmer. Vor einem Jahr hätte diese Entwicklung begonnen. Seit dem Ausbau der Krippenplätze sei die Tagespflege oft nur eine Zwischenlösung. Viele Eltern, die ihre Kinder zu einer Tagesmutter geben, würden sich parallel auf die Warteliste für einen Krippenplatz setzen. Wenn sie diesen bekommen, stehe die Tagesmutter ohne Kind da.

Ein Trend, den auch Birgit Dotschkail vom Jugendamt und Lisa Weber von der Kinderbetreuungsbörse sehen. "Die Kindertagespflege fällt oft hinter der Kita zurück, obwohl sie eine echte Alternative und für viele Eltern die bessere Wahl ist", sagt Weber von der Kinderbetreuungsbörse. "Aber wenn die Tagesmütter nicht voll ausgelastet sind, rechnet sich die Arbeit häufig nicht", meint Weber. Etwa 90 Prozent der Tagesmütter seien selbstständig, sagt Birgit Dotschkail. Das heißt: Sie müssen selbst die Kranken- und Rentenversicherung bezahlen. Wegen dieser Rahmenbedingungen falle die Existenzsicherung vielen Tagesmüttern schwer. Bis zu fünf Kinder darf eine Tagesmutter alleine betreuen. "Sie werden pro Kind vergütet", erklärt Dotschkail: "Wenn sie nur zwei Kinder haben, bekommen sie auch nur für diese Geld. Die Arbeitszeit ist aber dieselbe."

Tagesmutter Anne Zimmer meint: "Wir brauchen mehr Sicherheit, einen monatlichen Betrag, den wir immer kriegen." Eine solche finanzielle Unterstützung gebe die Verordnung für die Tagespflege laut Birgit Dotschkail aber nicht her.

Größere Chancen auf dem Arbeitsmarkt hätten Tagesmütter mit Randzeiten, sagt Dotschkail. Das heißt, wenn sie Kinder vor 7 Uhr oder nach 17 Uhr betreuen. Corinna Metzger vom Eschberg bietet diese Randzeiten seit zwei Jahren an. Von 5.30 Uhr bis 22.30 Uhr arbeite sie, zum Teil sogar am Wochenende. "Viele Krippen machen uns große Konkurrenz, so dass uns nur Randzeiten übrigbleiben", sagt Metzger. Davon allein könne sie aber nicht leben. Fünf Kinder hat sie derzeit, vier davon außerhalb der gängigen Betreuungszeiten von 7 bis 17 Uhr. "Finanziell könnte es besser sein, vor allem bei den Randzeiten und am Wochenende. Da gibt es nur zehn Prozent Aufschlag vom Jugendamt."

Um die hohe Nachfrage in den Randzeiten abdecken zu können, bildet das Jugendamt derzeit mehr Tagesmütter aus. Birgit Dotschkail rät aber nicht jeder Tagesmutter, in den Randzeiten Kinderbetreuung anzubieten. Das müsse immer mit den eigenen familiären Verhältnissen vereinbar sein. Längere Betreuungszeiten gingen oft zulasten der Tagesmütter. "Man müsste sich überlegen, wie man diese Zeiten für Tagesmütter attraktiver macht, auch finanziell", sagt Dotschkail.

Wirklich in die Zukunft planen könne wohl keine Tagesmutter. Auch die Tageseltern Dirk und Medine Dahms von der Großtagespflegestelle Vogelnest in Malstatt nicht. Dank Betreuung von 6 bis 20 Uhr, Fahrdienst, Wochenendarbeit und Übernachtungsangeboten haben sie alle Plätze voll, "aber wir können nicht sagen, wie es in einem Monat aussieht", sagt Dirk Dahms: "Das kann sich nächste Woche alles ändern. Da muss man sich durchbeißen."

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