Tage des Knatterns

Es entstand aus einer Bierlaune heraus. Das Ergebnis aber war – zumindest an diesem Wochenende – staubtrocken. 65 Teams kämpften beim Wahlener Mofarennen mit dem Gegner, der Strecke und der Hitze.

Der Feuerreiter (Nummer 7) stürmt davon, dahinter beharken sich die Fahrer des Mofaclub Falscheid und des Teams Korea (von links).

Moto GP? Weicheier. Supermoto? Kindergeburtstag. Isle of Man? Warmduscher. Vergessen Sie alles, was sie über Motorradsport zu wissen glauben. Denn die mit Abstand anspruchsvollste Veranstaltung in der Welt der motorisierten Zweiräder findet im Saarland statt. "Es sind die härtesten Bedingungen überhaupt. Die Strecke ist total ausgeschlagen. Dazu der Staub und die Distanz. Das ist eine Herausforderung für Mensch und Maschine", sagt Claudia Jondot lächelnd. Die blonde Rissentalerin ist eine von 65 mutigen Teilnehmerinnen und Teilnehmern am Mofarennen in Wahlen .

Zum elften Mal fand das mittlerweile legendäre Rennen statt, das seinen Ursprung in einer Bierlaune hat. "Das war damals irgendwann im Winter", erzählt Mitbegründer und Veranstalter Michael Fell. "Da sind wir dann rund um und durch eine Scheune gefahren." Der Spaß ist geblieben, doch die Ansprüche gestiegen. "Die Zeitnahme läuft über Transponder, so wie beim großen Motorsport", erklärt Technik-Chef Albert Wenz aus Karlsruhe. "Die Messung ist auf die Tausendstel Sekunde genau." Die "Mofas" sind längst nicht mehr die ursprünglichen "Fahrräder mit Hilfsmotor". Gestartet wird in zwei Klassen, bis 50 und bis 80 Kubik Hubraum. "Ansonsten ist das Reglement sehr offen" , sagt Fell. "Das Gefährt muss einen Mofa-Rahmen haben, die üblichen Tretpedale und eine Handschaltung." Den Bastlern sind also Tür und Tor geöffnet, das zeigt sich im Fahrerlager. Da findet man Luftfilter aus Plastik-Abflussrohren neben Motocross-Edelstahlfedern.

"Einer hilft dem anderen", berichtet Claudia Jondot, die mit Schwester Christine Buchheit und Tochter Magali eins von zwei Frauenteams bildet. "Wir tragen beim Rennen ein Tütü, damit man uns erkennt."

Doch auch beim Mofarennen wird in den Kurven schon mal der Ellenbogen eingesetzt. Gerade in den ersten beiden Stunden des vierstündigen Marathonrennens gibt es unzählige Kämpfe Rad an Rad. Fast alle Teams machen Boxenstops zum Tanken und Fahrerwechsel. Nur der "Feuerreiter Eckelhausen" fährt eisern durch. "Ich habe die Maschine selbst gebaut", sagt Marcel Recktenwald vom Bostalsee. "Da würde ich mich enorm ärgern, wenn ein anderer sie kaputt fährt." Recktenwald schaffte 106 Runden auf der gut 1000 Meter langen Grasbahn . Alle knapp unter zwei Minuten.

Deutlich flotter ging es an der Spitze zu, wo sich Tigerentenracing, Kolbenfresser Racing und Slowmotion Racing einen packenden Dreikampf lieferten. Auch die zahlreichen Zuschauer - insgesamt etwa 4000 an den drei Tagen - hatten ihren Spaß an dem in diesem Jahr recht staubigen Rennen . Die Kolbenfresser von Veranstalter Fell schafften zwar mit 1:12,597 Minuten die schnellste Rundenzeit, die meisten Runden - nämlich 161 - fuhren aber Simon Oswald und Marco Mühlberg aus Wadrill auf ihrer Kreidler Florett - von Slowmotion kann bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von fast 46 Stundenkilometern aber nicht mehr gesprochen werden. "Im Qualifying waren viele schnelle Mofas unterwegs. Da habe ich nicht geglaubt, dass wir unter die Top 5 kommen können", sagte Oswald, "aber die anderen hatten alle technische Probleme, unsere Maschine hat gehalten." Das tat auch "Kikis Dreamteam" um Sabine Jondot. 101 Runden bedeuteten Gesamtrang 15 und für Mechaniker "Butze" einen besonderen Auftritt: Er musste für seine Mädels in Tütü und BH zur Siegerehrung des wohl härtesten Mofarennens der Welt. Die Planungen für 2015 sind bereits in vollem Gange.