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Tabu-Brecher mit bissigem Humor

Saarbrücken. Egal ob Volksmusikstars, Selbstmordattentäter oder ganz normale Pärchen im Urlaub – beim SR-Gesellschaftsabend mit Axel Pätz und Rüdiger Hoffmann bekam so ziemlich jeder seinen Fett weg. Ruth Rousselange

Herrlich böse Wanderlieder von der Suche nach waldigen Brennstabendlagern, fiese Liedchen über miesen, faulen Nachwuchs und zynische Songs vom aussterbenden Beruf des Selbstmordattentäters locker auf den Steinway gehämmert, so hingebungsvoll zynisch wie Axel Pätz bringt das kaum einer. Der Tastenvirtuose ist mitverantwortlich dafür, dass Alfons' gut besuchter SR-Gesellschaftsabend ein Highlight war. Die gewaltig frechen Reime machen Wilhelm Busch Ehre, makaber die Moral. Heilig ist hier nichts, die Prothese schlackert und der Prosecco schwappt in der Schnabeltasse auf der Ü-80-Party, ein Schlager bejubelt mordlustig à la Kreisler das spektakuläre Dahinscheiden diverser Volksmusikstars. Hut ab, wer dann noch Pätz ' Rezept zum Liedermitsingen für jedermann versteht: die Notentriegelung. Hat mit Noten-Häufchen und entsprechend aufgedröseltem Wortgut zu tun. Nie davon gehört? Pech, diesen höheren musikalischen Irrsinn für Eingeweihte muss man erlebt haben, die U-Bahn könnte erste Hinweise geben. Den höheren mathematischen Wahnsinn der Börse, Unternehmensgründung und Steuerhinterziehung präsentiert mit deutlich pädagogisch-aufklärerischem Impetus und Klassenkampf-Unterfütterung der Gelsenkirchener HG Butzko.

Scharfes politisches Kabarett über die wenig freundlichen Grundfesten des Kapitalismus mit garantiertem Wahrheitsgehalt, komplex und rasant, doch leicht moralinsauer im Abgang.

Fehlt noch Rüdiger Hoffmann , der wie gewohnt erklärt, was wir noch nicht wussten. Wie im Schützenverein die Selbsthilfegruppe der Anonymen Ausländerfeinde funktioniert etwa. Oder dass Pärchen-Urlaub Scheiße ist, zumal mit flatulierenden Hunden, kleinkriminellen Vierjährigen und kopulierenden Kumpeln. Dann doch lieber eine Radtour durch den Gazastreifen. Kult sind Hoffmanns Standardsentenzen, sein lakonischer Ton, die brachiale Wortwahl und sein Hang zum rabiaten Tabu-Rüttler seit langem. Und immer noch irre komisch.