Superlative im Schwarzwald

Saarbrücken · Ferienzeit, Ausflugszeit. Aber wohin? Wie wär's mal mit den Partnerstädten der Regionalverbandskommunen. Beispielsweise mit Villingen-Schwenningen, der Partnerstadt von Friedrichsthal. Villingen-Schwenningen liegt im Schwarzwald, die Fahrt führt also in eine schöne Landschaft – und das Ziel hält ein paar Überraschungen bereit.

 Nicht weit von Villingen-Schwenningen liegt der Feldberg, der höchste Gipfel des Schwarzwaldes. Bei klarer Sicht reicht der Blick von dort bis zum Mont Blanc, dem höchsten Berg Europas. SZ-Archivfoto: Rolf Haid/dpa

Nicht weit von Villingen-Schwenningen liegt der Feldberg, der höchste Gipfel des Schwarzwaldes. Bei klarer Sicht reicht der Blick von dort bis zum Mont Blanc, dem höchsten Berg Europas. SZ-Archivfoto: Rolf Haid/dpa

 Schwenningen war einst ein Zentrum der Uhrenindustrie. Natürlich weiß man dort bis heute, wie man Kuckucksuhren baut. Die sind derzeit vor allem in den USA gefragt. SZ-Archivfoto: Patrick Seeger dpa

Schwenningen war einst ein Zentrum der Uhrenindustrie. Natürlich weiß man dort bis heute, wie man Kuckucksuhren baut. Die sind derzeit vor allem in den USA gefragt. SZ-Archivfoto: Patrick Seeger dpa

Fahren Sie doch mal nach Villingen-Schwennigen. Sie kennen das nur vom Namen her - und wissen nicht mal, wo das liegt? Nun, das lässt sich ändern: Villingen-Schwenningen ist die deutsche Partnerstadt von Friedrichsthal und liegt am südöstlichen Rand des Schwarzwaldes.

Früher waren sowohl Villingen als auch Schwenningen selbstständige Städte. Villingen gehörte zu Baden, Schwenningen zu Württemberg. Seit 1971 gehören sie zusammen. Und schon kommt die erste weithin unbekannte Sensation: Damals entschied das Volk. In Villingen waren rund 64 und in Schwenningen rund 77 Prozent der Bürger für die Fusion. Von da an wuchs zusammen, was nach Meinung der Bevölkerung zusammengehört. Und zwar ohne größere Probleme.

Das ist deshalb so bemerkenswert, weil es beweist: Wenn die Bürger sich zusammentun wollen, dann fallen ruck, zuck alle Grenzen - selbst wenn die Natur sie gezogen hat. Zwischen Villingen und Schwenningen verlaufen nämlich zwei solche Grenzen. Die eine trennt Baden von Württemberg - ganz im Sinne der alten Faustregel: Es gibt Badische und Unsymbadische. Und die andere Grenze ist sogar noch bedeutender. Es ist die europäische Wasserscheide. Wenn einer bei Regen in Schwenningen aus dem Fenster spuckt, dann spuckt er praktisch in den Neckar. Würde er in Villingen spucken, dann wär's in die Donau. Denn das Schwenninger Moos ist das Quellgebiet des Neckar. Und Villingen liegt an der Brigach. Das ist einer der beiden Quellflüsse der Donau - Faustregel: Brigach und Breg bringen die Donau zu weg. Allerdings treffen sich Brigach und Breg erst in Donaueschingen. Aber das ist ein Katzensprung oder Tagesausflug von Villingen-Schwenningen. Und auf dem Hinweg geht es nur bergab. Warum? Und jetzt kommt noch ein geheimer Superlativ: Villingen-Schwenningen hat rund 81 000 Einwohner, liegt 758 Meter über dem Meeresspiegel und ist damit die größte deutsche Gemeinde, sogar das größte deutsche Oberzentrum in über 700 Metern Höhe.

Das heißt aber nicht, dass dort schon dünne Luft herrscht. Nein. Aber hageln tut's dort gern. Die Gegend um Villingen-Schwenningen hat das größte Hagelrisiko in Deutschland - wieder ein Superlativ. Wissenschaftlich untersucht wurde dieses Phänomen wiederum von einer ganz besonderen Institution - nämlich von der Universität Saarbrücken .

Die ist bekanntlich auf der Höhe der Zeit. Und mit dem Stichwort Zeit sind wir auch schon wieder beim Superlativ-Fundus von Villingen-Schwenningen. Dort wurde die Zeit zwar nicht erfunden, aber doch lange Jahre im Zaum gehalten. Vor allem in Schwenningen. Das war nämlich mal ein Zentrum der Uhrenindustrie . Die Schwenninger Firma Kienzle brachte 1956 die erste batteriegetriebene Uhr auf den Markt und baute ebenfalls 1956 auch die erste Solar-Uhr.

Erst das Aufkommen der Quartzuhren brachte das Ende der Schwenninger Uhrenindustrie . Von ihrer Hochkonjunktur zeugt heute das Uhrenindustriemuseum Villingen-Schwenningen.

Aber auch wenn heute die meisten Uhren aus Fernost kommen - die Bürger der Doppelstadt erkennen nach wie vor die Zeichen der Zeit. Und die stehen bekanntlich auf Sparen. Als 2012 die Stadtpolitik für 47 Millionen Euro ein neues Rathaus zwischen Villingen und Schwenningen bauen wollte, da stimmten wieder die Bürger darüber ab. Ergbnis: 80 Prozent meinten, das können wir uns sparen. Klar in Baden-Württemberg hat Sparsamkeit bekanntlich Tradition.

Und wer die Doppelstadt besucht, kann beim Bummel durch die mittelalterlichen Stadtteile fühlen, dasss hier Geschichte lebt. Wer mehr Natur braucht, macht einen Abstecher an den Triberger Wasserfall, mit dem Auto knapp 30 Minuten.

Wer noch weiter fahren will, ist in etwas über einer Stunde am Titisee oder in Freiburg - es sei denn, er stoppt vorher in St. Wilhelm und wandert von dort auf den Feldberg. Da oben ist die Luft dann schon etwas dünner. Und auf dem Gipfel informiert eine Infotafel über weitere geheime Superlative aus dem Schwarzwald.

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