Studentenwohnheim Cusanushaus wird 50

Wenn ein Studentenwohnheim Geburtstag feiert, ist das Anlass, um in Erinnerungen an vergangene Studentenherrlichkeit zu schwelgen. Beim Fünfzigsten des Cusanushauses kamen aber auch ernsthafte Themen zur Sprache.

"Er war ein Vorreiter. Peter Jung hat die Bibel ganz neu gedeutet, er hat Gedanken vorweggenommen, und dafür wurde er strafversetzt", sagt Irmgard Rech. Sie ist mit ihrem Mann am Samstag ins Cusanushaus in Alt-Saarbrücken gekommen, um den 50. Geburtstag des "Internationalen Studierendenwerks Cusanushaus" zu feiern. Studentin ist sie zwar nicht mehr, aber sie erinnert sich gut an den Studentenpfarrer Peter Jung , Ideengeber und Gründer des Vereins. Damals waren sie und ihr Mann Benno Rech an der Universität des Saarlandes immatrikuliert. Sie waren große Verehrer des Studentenpfarrers, bis zu seinem Tod hatten sie Kontakt zu ihm, hörten seine Messen an und besuchten Veranstaltungen wie Zeltlager oder Wanderungen, um noch mehr über die außergewöhnlichen und innovativen Ansichten des Pfarrers zu lernen. Bis heute verbreiten sie die Botschaften des Pfarrers weiter, das Thema ist aktueller denn je.

"Die Kirche verliert inzwischen die Anziehungskraft, weil sie die gescheiten, charakterfesten jungen Menschen fast gänzlich verloren hat", bedauert das Ehepaar. Jung zu Ehren wurde am Samstag zudem im Foyer eine Glaskunst-Gedenktafel aufgehängt.

Der Vorsitzende des Vereins, Bernd Quirin, fasst die Geschichte und die Bedeutung des Wohnheimes in unterhaltenden Anekdoten zusammen. Damals war das Cusanushaus das erste Wohnheim in der Innenstadt und brachte erstmals studentisches Leben in die City.

Zudem ermöglicht es bis heute zahlreichen Studenten, günstig in der Landeshauptstadt zu wohnen. Es beherbergt 131 Studenten aus 33 Nationen. Die unterschiedlichsten Kulturen kommen dort zusammen. Die Integration und das friedliche Zusammenleben sind Werte, die das Haus seinen Bewohnern vermittelt. Aus Erfahrungsberichten eines Bewohners der ersten Stunde berichtet Quirin: 80 Deutsche Mark habe man für das Zimmer gezahlt. In Zimmer 118 wohnte ein Student mit Isetta-Ersatzteillager und einer Ratte. Die klösterliche Heimordnung verbat abendlichen Frauenbesuch und gab den menschengroßen Wandschränken einen neuen Nutzen.

"Abends wurde der Bierautomat im ersten Stockwerk geplündert und mit dem Hausmeister Backes getrunken, bis Frau Backes dem ein Ende setzte", erzählt Quirin. Der heutige Geschäftsführer Markus Geiger sei "Motor und Geist des Cusanushauses", bedankt sich der Vorsitzende. Im Wohnheim seien unzählige Kontakte und Freundschaften entstanden, die bis heute andauern. So dass man an die Zeit gerne und mit einem guten Gefühl zurückdenkt.