Studenten sorgen für Millionen-Umsatz

Seit Wochen läuft die Diskussion über das Gutachten zur Universität des Saarlandes. Als Universitätsstadt betrifft das Saarbrücken ganz besonders. In Saarbrücken leben zwischen 8000 und 9000 Studenten.

Der Zeitpunkt hätte schlechter kaum sein können. Noch beim Neujahrsempfang der Stadt hatte Oberbürgermeisterin Charlotte Britz als Ziel ausgegeben, mehr junge Menschen nach Saarbrücken zu locken und hier zu halten: "Die 20- bis 30-Jährigen sind es, die Familien gründen und unsere Zukunft sichern." Doch schon zwei Wochen später bekam der Plan Risse. Denn Ende Januar schlug die Gutachterkommission des Wissenschaftsrats zur Struktur der saarländischen Hochschullandschaft vor, mit Jura und Betriebswirtschaftslehre, zwei der studentenreichsten Studiengänge, zumindest umzubauen und die Struktur der Universität zu überdenken. Seitdem köchelt die Diskussion vor sich hin. Natürlich auch in Saarbrücken. Und während die eine Seite die dringend notwendigen Sparmaßnahmen anmahnt, werden die anderen nicht müde, die Bedeutung der Uni für die Stadt zu betonen. Studenten zahlen schließlich Miete, kaufen ein und verbringen ihre Freizeit hier. Das sorgt für Umsatz in der Stadt.

Vergangenes Jahr gab es eine Studie zur wirtschaftlichen Bedeutung der Uni für das Saarland. Der Titel: "Die Universität des Saarlandes in sozio-ökonomischer Perspektive", herausgegeben von Eike Emrich, Wolfgang Meyer und Luitpold Rumpeltshammer. Sie kamen zu dem Schluss, dass für jeden Euro, der für die Uni eingesetzt wird, 1,63 Euro im Land verbleiben. Und damit auch in Saarbrücken. Mehr als 800 Euro hat jeder Student im Monat zur Verfügung. Geld, das sie größtenteils vor Ort ausgeben, und für das 60 Prozent regelmäßig arbeiteten gehen. Im gesamten Saarland werden die Konsumausgaben der 18 339 Studenten auf 140 Millionen Euro jährlich geschätzt. Davon bleibt ein beträchtlicher Teil in Saarbrücken. Nur wie viel genau, weiß niemand.

Denn trotz all der Diskussionen gibt es keine offizielle Zahl, wie viele Studenten in Saarbrücken leben. "Die Zahlen, die wir liefern könnten, hätten keine wirkliche Aussagekraft", sagt Uni-Pressesprecher Thorsten Mohr. "Wir könnten das zwar nach Erstwohnsitz aufschlüsseln, aber wenn jemand hier wohnt und noch woanders gemeldet ist, bringt das ja nichts." Auch die Stadtverwaltung hat keine Zahlen. Immerhin die Macher der letztjährigen Studie können weiterhelfen. Anhand der Angaben der 2138 befragten Studenten lasse sich errechnen, dass etwa 9955 Studierende im Regionalverband leben. Die Zahl der Studenten in Saarbrücken selbst schätzen sie auf 8000 bis 9000. Das würde bedeuten, dass die Studenten 70 Millionen Euro pro Jahr in Saarbrücken ausgeben.

Auch in Bezug auf die von Britz angepeilte Zielgruppe der 20- bis 30-Jährigen kommt den Studenten wohl eine entscheidende Bedeutung zu. Ungefähr die Hälfte der jährlich rund 3000 Studienanfänger an der Saar-Uni kommt aus anderen Bundesländern oder dem Ausland. Schätzungen gehen davon aus, dass etwa ein Viertel aller unter 25-Jährigen, die ins Saarland ziehen, Studenten sind. Nach dem Studium verlässt aber auch die Hälfte wieder das Saarland. Diese Zahl zu verringern, dürfte Saarbrücken dem Ziel näher bringen, junge Menschen in der Stadt zu halten.

Wenn es denn nur genaue Zahlen gäbe. Da wird seit Wochen über Saarbrücken und die Universität diskutiert. Nur niemand kann genau sagen, wie viele Studenten überhaupt hier leben. Immerhin: Wer keine genauen Zahlen präsentiert, muss sich später auch nicht an ihnen messen lassen.