Streit um Äpfel und Birnen

Dass in diesem Schuljahr weniger Kinder mit Schulobst versorgt werden sollen als bisher, hat bei den Grünen heftige Kritik provoziert. Das Schulobst-Programm sei wichtig für die Ernährungsbildung, argumentieren sie.

. Kaum sind die Sommerferien beendet, kocht der Streit zwischen Koalitions- und Grünen-Fraktion im Landtag um das Schulobstprogramm wieder hoch. Die Ankündigung von Umweltminister Reinhold Jost (SPD ), in diesem Schuljahr nur noch 28 725 Kinder an 271 Einrichtungen, also etwa 4000 Kinder weniger gegenüber dem Vorjahr, zu versorgen (die SZ berichtete), löste Kritik beim grünen Franktionschef Hubert Ulrich aus. Die Landesregierung nehme damit zahlreichen Einrichtungen die Möglichkeit, an dem Programm teilzunehmen, sagte Ulrich. "Wir halten dies für den völlig falschen Weg. Das Schulobstprogramm stellt einen großen Beitrag zur Ernährungsbildung junger Menschen dar, besonders vor dem Hintergrund, dass die Zahl übergewichtiger und adipöser Kinder seit Jahren steigt", betonte der Fraktionschef, der auch Grünen-Landeschef ist. Im vergangenen Schuljahr hatten nach Ministeriumsangaben zwar mehr Schüler und Kindergartenkinder kostenloses Obst und Gemüse bekommen, jedoch nur einmal wöchentlich 100 Gramm pro Kind. Jetzt werden wie in den Jahren seit 2009 wieder drei Mal wöchentlich je 100 Gramm pro Schüler von einem St. Ingberter Fruchthändler verteilt, um "Habitualisierungen im Kindesalter" zu erreichen, wie Jost betonte. Wer schon als Kind gesund esse, übernehme diese Gewohnheit auch als Erwachsener. Ulrich forderte von Jost, die EU-Mittel für das Schulobstprogramm mit Landesmitteln zu unterstützen, damit alle interessierten Einrichtungen auch daran teilnehmen könnten und eine durchgängige Belieferung drei Mal pro Woche sichergestellt werde. Bisher werden laut Ministerium jährlich 920 000 Euro aus Steuermitteln für das kostenlose Obst und Gemüse aufgewandt. 75 Prozent kommt aus Brüssel von der EU, 25 Prozent zahle das Land selbst. Mehr Mittel stehen laut Jost nicht zur Verfügung. 20 Prozent des Obstes und Gemüses stammt aus ökologischem Anbau, wenn möglich sollen regionale Erzeugnisse verwendet werden, so das Ministerium.

Magnus Jung , Ernährungsexperte der SPD-Landtagsfraktion , nannte das Schulobstprogramm ein "Erfolgsprojekt". "Es ist daher auch äußerst begrüßenswert, dass ab dem 12. September wieder drei Portionen Obst und Gemüse pro Woche an die saarländischen Schulkinder ausgeliefert werden", betonte Jung, ohne auf den Rückgang der Kinderzahl einzugehen, die im Vergleich zum Vorjahr in den Genuss der Äpfel und Möhren kommt.

Jung fügte an, dass das Programm der Absatzförderung von Obst und Gemüse, das nach Möglichkeit regional und ökologisch erzeugt wurde, diene. Der Sozialdemokrat erhielt Unterstützung von CDU-Ernährungsfachmann Günter Heinrich : "Das Obst kommt saisonal aus saarländischen Obstbauanlagen. Davon profitieren die saarländischen Landwirte."