Strack gefroren

SZ-Redakteurin Michèle Hartmann lässt sich von Enteisungstipps aus dem Radio inspirieren.

Meinung:
Strackgefroren

Eine Gefriertruhe mit vier Winterreifen - die steht vorm Haus. Die Tür ging am Montagmorgen noch auf und der Kofferraum auch. Doch drinnen sah es wenig freudvoll aus: Die Frontscheibe war mit einer dicken Eisschicht überzogen. Das Enteisungsspray ist der Gesundheit nicht zuträglich, für Innenräume ungeeignet. Also dann, den Motor starten und warten, bis das Eis auftaut. In unserem Heimatsender kann man just in diesen Minuten ein paar Tipps einholen - für den Fall, dass die Autoscheibe innen strack gefroren ist. Ein Hörer rät: am Abend eine mit Kaffeepulver gefüllte Socke vor der Scheibe platzieren, und schon ist am Morgen kein Eis vorhanden. Ein anderer Hörer schwört darauf, die Türen ein paar Minuten aufzureißen, wenn's im Innern schon kuschelig ist, sodass die Feuchtigkeit mit der warmen Luft entweichen kann.

Als ich da so sitze, fällt mir mein erstes Auto ein. Ein Citroën GS, luftgekühlt. Im Winter verpasste man dem Kühler eine Plastikschürze, die die polare Kälte etwas abhalten sollte. Was nicht heißt, dass es im Innenraum auch nach 30 Kilometern schon warm war. Die Fahrertür ging bei Frost nicht auf, sodass man über den Beifahrersitz reinkrabbeln musste. Und wenn man dann die Fahrertür von innen aufdrückte, ging sie nicht mehr zu. Das Metallscharnier war eingefroren. 20 Minuten sind nun um, drinnen wird es immer wärmer, die Frontscheibe taut allmählich auf. Morgen teste ich die Kaffeepulver-Socke und mache mich selber froh mit dem Gedanken: Stell dir vor, du hättest bloß ein Skateboard.

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