Stille Örtchen zum Schreien

Der Besuch öffentlicher Toiletten ist für viele ein Graus. Doch bei Autofahrten führt manchmal kein Weg am stillen Örtchen auf Rastplätzen vorbei. Immer wieder beschweren sich SZ-Leser über deren Zustand.

"Es ist nicht in Ordnung, wenn sich vor den Toren Saarbrückens ein Rastplatz so präsentiert. Der erste Eindruck soll bekanntlich wichtig sein, stärker als irgendwelche Werbeplakate", steht für Rüdiger Winkelmann nach einem Besuch der A-6-WC-Anlage Bischmisheim fest. Wie er beschweren sich immer wieder SZ-Leser über den Zustand der Toiletten an Autobahn-Rastplätzen. Daher testete die SZ nun einige Rastplätze.

Erste Station: der Rastplatz Kutzhof auf der A 8 in Richtung Saarlouis. Das Toiletten-Häuschen macht von außen einen modernen, sauberen Eindruck und unterteilt sich in vier Bereiche: jeweils ein WC nur für Damen und Behinderte (mit Schlüssel) sowie ein gemischtes Klo und ein Raum mit drei Urinalen. Die Wände sind weiß gekachelt und die sanitären Anlagen aus Metall. Sowohl das gemischte als auch das Damenklo ist jedoch verschmutzt, auf dem Boden liegen (das immerhin vorhandene) Toilettenpapier und eine Bierdose. Im Händewasch-Automat ist die Seife alle. Für Gäste, die sich ihre Hände nicht unter dem Föhn, sondern mit einem eigenen Taschentuch abtrocknen wollen, ist der hinter einer Klappe versteckte Abfalleimer nicht auf den ersten Blick erkennbar. Insgesamt ist die Anlage jedoch passabel.

Zweite Station: der A-8-Rastplatz Kutzhof in Richtung Neunkirchen. In dem identisch gestalteten Häuschen sind die Toiletten sauberer - aber die Frage ist, wie lange noch: Denn in einem WC reagiert der Sensor für den Abzug erst nach mehrfacher Betätigung. Hier gibt es überall Seife , doch dafür funktioniert in einem Raum der Händetrockner nicht. Zudem ist das WC-Papier feucht. Bleibt zu hoffen, dass das bei der Reinigung der Anlage passiert ist. Dennoch ist der Gesamteindruck befriedigend.

Dritte Station: der Rastplatz Bischmisheim auf der A 6 in Richtung Saarbrücken . Die Anlage wurde zum Zeitpunkt unseres Tests gerade gesäubert. Das Innere des mit braunen Kacheln ausgelegten Gebäudes erinnert jedoch an längst vergangene Zeiten. Die Wände der Zellen sind bekritzelt und mit kleinen Löchern übersät, das Klopapier wurde in eine Vertiefung des Mauerwerks gestellt, in der wohl früher eine Halterung angebracht war. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis es auf den Boden fällt. Die Spülung soll modern nach dem Öffnen der Tür ausgelöst werden, was nicht immer funktioniert. Die Metall-Urinale nebenan sind hartnäckig verschmutzt. Seife und eine Trocknungs-Möglichkeit für die Hände gibt es grundsätzlich nicht. Auch wenn sie gerade gesäubert wurde, wirkt die Anlage heruntergekommen und ist keine schöne Visitenkarte vor den Toren Saarbrückens.

Vierte Station: der Rastplatz Kahlenberg auf der A 6 in Richtung Mannheim. Die Anlage scheint aus derselben Zeit wie jene in Bischmisheim zu stammen. Die Metall-Toiletten und -Waschbecken sind zwar einigermaßen sauber, aber deutlich in die Jahre gekommen. Auf dem Männerklo, dessen Wände ebenfalls durchlöchert sind, fühlt man sich wie in einer Peep-Show. Der Papierhalter ist ebenfalls defekt. Auch hier gibt es standardmäßig keine Seife und Trocken-Möglichkeiten für die Hände, aber wenigstens ist ein Müllsack vorhanden - der auf dem Damen-WC jedoch schon voll ist.

Fazit: Der Rastplatz Kutzhof machte den modernsten und gepflegtesten Eindruck. Die anderen WCs sind veraltet, und das Reinigungspersonal hat es schwer, diese sauber zu halten. Für ein "ganz dringendes Bedürfnis" reichen alle Toiletten wohl aus. Wer es nicht ganz so eilig hat oder empfindlicher ist, sollte - gerade auf der A 6 - besser die nächste Tankstelle anfahren und etwas Kleingeld für die Notdurft investieren.

 Der Rastplatz Kutzhof machte im SZ-Test den gepflegtesten Eindruck.
Der Rastplatz Kutzhof machte im SZ-Test den gepflegtesten Eindruck. Foto: M. Völke

Zum Thema:

Auf einen BlickRastplätze mit WC-Anlagen auf den Autobahnen im Saarland: A 6: Bischmisheim West, Kahlenberg Süd/Nord; A 8: Kutzhof Süd/Nord, Niedmündung West/Ost; Weiler; A 62: Sötern Süd/Nord. mv