Stadtrat Merzig erkennt Hitler Ehrenbürgerschaft ab

Merzig · Der Stadtrat von Merzig hat einen Schlussstrich unter ein dunkles Kapitel der Stadtgeschichte gezogen: Mit einer einstimmig verabschiedeten Resolution hat das Gremium dem NS-Diktator Adolf Hitler die Ehrenbürgerschaft wieder aberkannt, die ihm 1935 vom damaligen Stadtrat verliehen worden war.

Auch andere Städte wie etwa Trier haben diesen symbolischen Akt in den vergangenen Jahren vollzogen. Damit wolle die Stadt nach den Worten von Bürgermeister Marcus Hoffeld (CDU) "ein deutliches Zeichen setzen, dass auch Menschen anderer Herkunft oder anderer Religion in Merzig stets willkommen sind". Hoffeld hatte die Initiative zu der Resolution ergriffen, nachdem als Reaktion auf eine entsprechende Berichterstattung in der SZ die öffentliche Diskussion darüber wieder aufgeflammt war, dass die Stadt sich bis dato nicht von der Verleihung der Ehrenbürgerschaft distanziert hatte. Zwar sei dies formaljuristisch eigentlich nicht erforderlich, da eine Ehrenbürgerschaft mit dem Tod des Geehrten erlischt, heißt es in der Resolution (siehe separaten Text). Dennoch entspreche die Stadt mit der symbolischen Aberkennung "dem Wunsch zahlreicher Bürger" und wolle zudem auch ein Zeichen des Gedenkens an zahlreiche Opfer des nationalsozialistischen Regimes setzen - so wie mit den "Stolpersteinen", die erst kürzlich wieder in Merzig zur Erinnerung an Nazi-Opfer, die einst in Merzig gelebt hatten, gesetzt worden seien, erläuterte Hoffeld. Er habe zudem dafür Sorge getragen, dass diese "Stolpersteine" von Merziger Jugendlichen im Herbst gereinigt und somit die Erinnerung an die Nazi-Verbrechen auch weitergetragen werde.

"Ein klares Signal"Für die CDU-Fraktion erklärte deren Vorsitzender Bernd Seiwert, die schnelle Reaktion von Bürgermeister Hoffeld "hat eine unwürdige Diskussion unterbunden". Die CDU lege angesichts der aktuellen Vorfälle um den der Kinderpornografie verdächtigten SPD-Bundestagsabgeordneten Edathy Wert auf eine Klarstellung, sagte Seiwert. Die im Resolutionstext enthaltene Formulierung, wonach die Kreisstadt das Ziel verfolge, dass alle Menschen friedlich in Merzig zusammenleben, gleich welcher Nationalität, Religion, ethnischer Zugehörigkeit, Hautfarbe und sexuellen Orientierung dürfe sich mit Bezug auf den letzten Punkt nur auf solche sexuellen Orientierungen beziehen, die strafrechtlich nicht problematisch oder gar verboten seien. So solle damit nicht zum Ausdruck gebracht werden, dass etwa Pädophilie geduldet würde.

Für die Fraktion der Grünen erklärte Michael Rauch: "Es geht hier nicht um die Frage von Recht oder Unrecht, sondern darum, dass wir die Geschichtsschreibung von Merzig mit diesem Beschluss verändern." Er empfinde Stolz, dass er an diesem Beschluss teilhaben kann. Spätere Generationen würden diesen Beschluss begrüßen "und sich allenfalls vielleicht wundern, wieso es so lange damit gedauert hat", sagte der Grünen-Sprecher. "Dieser Beschluss weist in die Zukunft und setzt ein klares Signal: In Merzig wird kein Fremdenhass geduldet." Toleranz gegenüber Andersdenkenden sei die Grundvoraussetzung von Wohlstand und Freiheit. Rauch lobte Bürgermeister Hoffeld: "Sie haben mit Ihrer Initiative den Mut bewiesen, falsche Entscheidungen der Vergangenheit zu revidieren." "Am 30. Januar 1935 wurde im damals nationalsozialistisch geprägten Merziger Stadtrat der einstimmige Beschluss gefasst, dem damaligen Reichskanzler Adolf Hitler das Ehrenbürgerrecht der Stadt Merzig anzutragen. Vor dem Hintergrund der schrecklichen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die die Nationalsozialisten auch in unserer Stadt und an Menschen aus Merzig begingen, distanziert sich die Kreisstadt Merzig nachhaltig vom damaligen Beschluss.

Unabhängig von der rechtlichen Frage, ob das Ehrenbürgerrecht wirksam an Adolf Hitler verliehen wurde, und der Tatsache, dass eine Ehrenbürgerschaft formaljuristisch mit dem Tode des Geehrten erlischt, soll durch die Verabschiedung der Resolution ein wichtiger symbolischer Akt vollzogen sowie ein eindeutiges politisches und moralisches Zeichen gesetzt werden.

Durch den heutigen Beschluss soll Adolf Hitler nicht nur symbolisch die Ehrenbürgerschaft der Stadt Merzig aberkannt werden; der Stadtrat will dadurch an die Opfer des nationalsozialistischen Systems erinnern, die seit 1933 systematisch diskriminiert und verfolgt, in den Selbstmord getrieben und umgebracht wurden. Die Kreisstadt Merzig verfolgt weiterhin das Ziel, dass alle Menschen, Behinderte und Nichtbehinderte, gleich welcher Religion, Nationalität, ethnischer Zugehörigkeit, Hautfarbe und sexuellen Orientierung friedlich in Merzig zusammenleben."