Stadtplaner studieren Saarbrückens Wandel

Stadtplaner aus ganz Deutschland schauen sich an, was Saarbrücken aus sich gemacht hat und noch mit sich vorhat. Wir begleiteten die Gäste auf ihren Touren durch die City, Malstatt und Burbach.

Saarbrücken. Die Stadt ist im Umbruch. Nicht erst seit die Planer das Großprojekt Stadtmitte am Fluss angingen. Sondern seit Jahrzehnten. Waren Anfang der Siebziger der St. Johanner Markt oder später das Nauwieser Viertel im Fokus, tritt die Planung mit der Stadtmitte am Fluss in eine neue Phase. Das sagte Michael Argast vom Baudezernat.Er leitete eine von drei Führungen von Experten für Stadtentwicklung, die das Berliner Deutsche Institut für Urbanistik (difu) nach Saarbrücken eingeladen hatte. In St. Johann und Alt-Saarbrücken ging es um die neue Mitte sowie den Umbau der Futterstraße und die Eisenbahnstraße.

Der Rundgang war geprägt von vielen Fachfragen zu Satzungen und Konzepten. Die Teilnehmer kamen aus Verwaltungen aus ganz Deutschland. Ihre Eindrücke? Daniela Michalski vom difu-Institut beeindruckt, mit wie viel Engagement man Stadterneuerung vorantreibt und nicht nur versucht, Altes zu konservieren. Zudem mache sich die Stadt Gedanken, welchen Einfluss Stadtmitte am Fluss auf andere Flächen haben könnte.

Molschd macht mehr aus sich

Molschd, Stadtteil der Mitmacher: Frank Schmitz vom Amt für Soziales sagte, was es damit auf sich hat. Er machte mit seiner Gruppe vom HTW-Campus bis zum Malstatter Markt Station, wo Menschen aus Malstatt angepackt, mitgedacht, mitgemacht haben. Zum Beispiel am 1996 mit viel Bürger-Einsatz umgestalteten "Grünen U", wo preiswertes, ruhiges Wohnen verblüffend nahe an den Hauptverkehrsadern möglich ist. Oder an der eleganten neuen Wilhelm-Meyer-Brücke. Wo nach dem Abriss des maroden Vorgängerbaus gar keine Verbindung mehr über die Bahnstrecke führen sollte, pendeln täglich um die 1300 Menschen zwischen dem oberen und dem unteren Malstatt. Geballter Bürgerunmut hat den Neubau erst möglich gemacht. Malstatt stand gestern beispielhaft für das neue Konzept "Bottom up", mit dem die Stadt einen Teil Saarbrückens von der Basis her, also immer mit den Bürgern, ihren Ideen und ihrer Tatkraft entwickelt.

Was sich damit erreichen lässt, zeigt die "Grüne Insel Kirchberg", auf der sich viele Bürgerideen wiederfinden. Noch wirkungsvoller soll das Engagement werden, wenn das Büro für Selbstorganisation Beteiligung, Tatkraft und Einfallsreichtum von Initiativen, aber auch von Einzelnen aus dem Stadtteil bündelt. Das Büro ist am heutigen Freitag von 14 Uhr bis 18 Uhr auf dem Pariser Platz präsent, um von den Molschdern zu erfahren, wo sie der Schuh drückt.

Von Burbach beeindruckt

Michael Argast vom Planungsamt zeigte den Gästen beim City-Rundgang, wie die neue Stadtmitte am Fluss einmal aussehen soll.
Frank Schmitz vom städtischen Amt für soziale Angelegenheiten (Mitte) erläuterte der Malstatt-Gruppe, wie Bürger-Ideen die Grüne Insel Kirchberg mitgeformt haben. Fotos: Becker&Bredel.

Am alten Gasometer startete der Rundgang durch Burbach. Die Gruppe interessierte sich zunächst dafür, wie es der städtischen Gesellschaft für Innovation und Unternehmensförderung (GIU) gelang, auf dem ehemaligen Hüttengelände Tausende Arbeitsplätze anzusiedeln. Projektleiter Thomas Zöllner von der GIU stand Rede und Antwort. Besonders beeindruckte auf den Saarterrassen der Mix aus den wenigen alten Gebäuden und den Neubauten. Das zeigt am besten die in ein modernes Bürogebäude integrierte alte Direktorenvilla. Dann ging's zu einer Baustelle, und zwar zur Hochstraße, direkt am Burbacher Stern, wo die mustergültige Sanierung eines Hauses viel verspricht. Auch das immer noch saarlandweit einzige und mehrfach ausgezeichnete Bündnis für Investition und Dienstleistungen (BiD) präsentierte sich den Gästen. Die meisten Burbacher kommen heute aus dem Ausland oder stammen von Einwanderern ab, wie Stadtteilmanager Axel Biehl im Stadtteilbüro mitteilte. Dagegen werde die Gruppe der alt eingesessenen Burbacher, die noch die Blütezeit des Saarstahls erlebt hätten, immer kleiner. Kultur und die Arbeit am Stadtteilbild seien eine Möglichkeit, diese Gruppe wieder zu stärken.