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Stadt weist Kritik der Linken am Stromsperrenmodell zurück

Stadt weist Kritik der Linken am Stromsperrenmodell zurück

Die Linke kritisiert, die Zusammenarbeit von Stadt, Jobcenter und Energie SaarLorLux löse das Problem der Stromsperren nicht. Die Stadtverwaltung kontert, daran seien vor allem die ständig steigenden Energiekosten schuld.

Die Linke-Fraktion in der Regionalversammlung kritisiert das Saarbrücker Modell, um Stromsperren zu verhindern. Die Zahl dieser Sperren sei 2013 von 1635 auf 2034 gestiegen, erklärt die Fraktion in einer Pressemitteilung. "Die Tatsache, dass die Zahl der Sperren der Energie SaarLorLux um fast 25 Prozent gestiegen ist, zeigt die teilweise Wirkungslosigkeit des Saarbrücker Modells", meint Fraktionschef Jürgen Trenz. Das Modell könne das Stromsperren-Problem allein nicht lösen. Ursache für die höhere Zahl sind nach Ansicht des Fraktionskollegen Mike Botzet die gestiegenen Strompreise und die zu niedrigen Regelsätze für die Arbeitslosen. "Eine wirkungsvolle Maßnahme zur Vermeidung von Stromsperren ist die Herausnahme der Stromkosten aus dem Regelsatz." Botzet fordert einen Sozialtarif für alle Menschen mit niedrigem Einkommen. Außerdem müsse überprüft werden, ob eine Sperre angemessen sei. Dies gelte vor allem für Familien mit kleinen Kindern, Behinderte und Senioren. "Tragödien wie in Burbach mit vier toten Kindern dürfen sich nicht wiederholen", betont Botzet. 2012 starben bei einem Brand in Burbach vier Kinder. Die Familie hatte Kerzen aufgestellt, weil ihr der Strom gesperrt worden war. Die Verwaltung hatte erst vor wenigen Tagen gelobt, wie erfolgreich das Modell sei, bei dem sie mit dem Jobcenter, dem Regionalverband, den Stadtwerken, die das Stromnetz betreiben, und dem Stromanbieter Energie SaarLorLux (ESLL) zusammenarbeite. "780 Sozialleistungsempfänger nehmen freiwillig am Saarbrücker Modell teil. 756 ihrer Haushalte drohte seit Start des Modells die Sperrung. Alle Sperrungen konnten durch die Zusammenarbeit der Kooperationspartner vermieden werden." Die Verwaltung habe wegen der steigenden Energiekosten schon beim Start der Vereinbarung erwartet, dass sich das Problem der Stromsperren verschärfe. 2012 hatte demnach 3019 Haushalten, die Verträge bei verschiedenen Stromanbietern haben, die Stromsperre gedroht, weil Beträge ausstanden. In 1653 Fällen sei der Strom abgedreht worden. Im vergangenen Jahr seien dies 2034 Haushalte gewesen und nur noch knapp über 30 Prozent der angedrohten Sperrungen. Stadt-Pressesprecher Thomas Blug: "Diese Zahl wäre ohne das Saarbrücker Modell deutlich höher." Um das Problem komplett in den Griff zu bekommen, müsse eine bundesweite Regelung gefunden werden, sagt Blug. Nur Hartz-IV-Empfänger, die ihr Einverständnis geben, dass ESLL und Jobcenter ihre Daten austauschen, könnten von dem Modell profitieren. Dagegen gelte die Regel, dass am Wochenende kein Strom mehr abgestellt werden darf, für alle Stromkunden, also auch Menschen, die keine Sozialleistungen erhalten und einen anderen Anbieter als ESLL haben.