Stadt Saarbrücken stellt Lärmaktionsplan vor

Wer ständig mit einem Lärmpegel von 55 bis 60 Dezibel konfrontiert ist, der läuft Gefahr herzkrank zu werden. Jetzt stellte das Amt für Klima- und Umweltschutz den Entwurf des Lärmaktionsplans (LAP) vor.

Fast 3000 Saarbrücker sind nach einer Erhebung des Amts für Klima- und Umweltschutz einer dauerhaften Belastung von mehr als 70 db(A) durch Verkehrslärm ausgesetzt. Das entspricht in etwa dem Schallpegel eines Rasenmähers. Im großen Sitzungssaal des St. Johanner Rathauses stellte das Amt für Klima- und Umweltschutz am Donnerstag den aktuellen Entwurf des Lärmaktionsplans (LAP) vor, der die Belastung verringern soll. Er ist die Folge der EU-Umgebungslärmrichtline.

Im einführenden Vortrag der Lärmforscherin Prof. Kerstin Giering wurde deutlich, dass dauerhafte Schallpegel über 55-60 db(A) nicht nur als sehr störend empfunden werden, sondern auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen und für den Körper eine permanente Stresssituation darstellen.

Gebiete, die besonders von Lärm betroffen sind wurden deshalb zunächst kartografiert. Beispiele sind die Lebacher Straße in Malstatt und die Paul-Marien-Straße in St. Johann. Nun wurden Lösungsvorschläge erarbeitet. "Zentral sind dabei als kurzfristige Maßnahme die Senkung des Tempolimits in den betroffenen Straßenabschnitten auf 30 km/h und mittelfristig der Einsatz von lärmoptimiertem Asphalt", erklärt Thomas Bouillon von der Stadtverwaltung. Die Maßnahmen reichen vielen Bürgern nicht aus. Guido Vogel-Latz vom Malstatter Stadtteilverein fordert weniger Schwerlastverkehr in der Lebacher Straße. "Der ist nicht nur ein Lärm-, sondern auch ein Sicherheitsproblem", so Vogel-Latz. Aus Gründen des Lärmschutzes, sagt Amtsleiter Christian Bersin, sei eine solche Maßnahme nicht effektiv genug. Rudolf Schwindt kann das nicht verstehen: "Ein Durchfahrverbot für Lkw würde den Lärm um mindestens zehn Dezibel reduzieren." Der Malstatter betreibt mit Thomas Gretscher und anderen Nachbarn einen Internetblog zum Thema. Auch andere Teilnehmer zweifeln an den im LAP erhobenen Daten. Den Hintergrund erklärt Prof. Giering: "Das Problem ist, dass sich der LAP am Durchschnittswert eines gesamten Tages zu orientieren hat. Wenn es zum Beispiel durch Lkw zu Lärmspitzen kommt, empfindet man das als störend, es reicht aber nicht aus, um den Tagesdurchschnittswert maßgeblich zu beeinflussen." Schwindt kritisiert auch, dass die Daten des LAP ausschließlich auf Berechnungen und Schätzungen beruhen: "Die tatsächliche Lärmbelastung kann so nicht abgebildet werden." Andere viel diskutierte Themen waren die Ampelschaltungen, die zu zähflüssigem Verkehr führen, sowie Saarbahn und Stadtautobahn als Lärmquellen. Die Debatten, die von Volker Büch moderiert wurden, haben gezeigt, dass der LAP nur eine erste Maßnahme darstellen kann. Langfristig, darüber herrschte Einigkeit, müssen grundsätzliche Entscheidungen zum Verkehr in der Stadt getroffen werden. Noch bis Ende des Monats nimmt das Amt für Klima- und Umweltschutz schriftliche Rückmeldungen zum LAP entgegen. Im Dezember soll er vom Stadtrat verabschiedet werden.

saarbruecken.de/laerm

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