Stadt pflastert St. Johanner Markt neu

Saarbrücken. Was die Stadt vorhat, sagt Saarbrückens Baudezernentin Rena Wandel-Hoefer, sei so, als wolle man den kunstvoll gemusterten Parkettfußboden im Wohnzimmer erneuern und trotzdem weiter jeden Tag auf dem Sofa sitzen und am Wochenende Party machen. Nichts anderes versuche die Stadt in Saarbrückens "gudd Stubb", also auf dem St

Saarbrücken. Was die Stadt vorhat, sagt Saarbrückens Baudezernentin Rena Wandel-Hoefer, sei so, als wolle man den kunstvoll gemusterten Parkettfußboden im Wohnzimmer erneuern und trotzdem weiter jeden Tag auf dem Sofa sitzen und am Wochenende Party machen. Nichts anderes versuche die Stadt in Saarbrückens "gudd Stubb", also auf dem St. Johanner Markt: das Pflaster erneuern, ohne dass Handel und Gastronomie übermäßig gestört werden.Einen Teil des Marktes hat die Stadt bereits saniert, als sie 2010 die unterirdischen Toiletten beseitigt hat. Damals wurde auch das Pflaster auf dem Stück Bahnhofstraße zwischen McDonald's und der Keltermann-Apotheke erneuert. Im April soll nun das Pflaster in der Kaltenbachstraße erneuert werden. Auf dem Kaltenbachplatz soll "aufgeräumt werden", sagt die Baudezernentin. Das heißt unter anderem: Die Bänke werden erneuert, die Poller neu aufgestellt. Rund 100 000 Euro wird die Stadtverwaltung für diesen Teil des Marktes in diesem Jahr ausgeben.

Arbeiten mit Wanderbaustelle

Begonnen wird mit einer 100 Quadratmeter großen Fläche an der Einmündung der Straße zum Markt - also vor Eiscafé und Baguetterie. Mit einer "Wanderbaustelle" werden die Arbeiter sich dann durch die Straße bewegen. Bis zum Jahresende sollen dann alle Arbeiten in der Kaltenbachstraße erledigt sein. Dass die Stadt sich dafür entschieden hat, die Straße Stück für Stück zu sanieren, liege daran, dass sie "die Behinderungen durch die Arbeiten zeitlich und lokal auf das Nötigste beschränken" wolle.

Wobei eine Frage sicher gestellt wird in dieser Zeit, da ist sich Wandel-Hoefer ganz sicher: "Wieso ist da ein Bauzaun, und keiner schafft was?" Die Frage kann Thorsten Diefenbach, der als Bauleiter bei der Stadt für komplizierte Sanierungen zuständig ist, einfach beantworten: Die Unterlage für die Pflastersteine muss zwischen sieben und 28 Tagen "ruhen". Gebe man dem Untergrund diese Zeit nicht, könne man bald wieder mit Sanieren beginnen. Überhaupt: Die Erneuerung des Pflasters sei nicht einfach. Die Steine werden ausgegraben und in den städtischen Bauhof gebracht. Dort werden die defekten Steine ausgetauscht, die anderen gereinigt. Sobald der Untergrund dazu bereit ist, werden die Steine wieder eingesetzt - "alles in Handarbeit", sagt Diefenbach.

An der Struktur des Pflasters werde nichts verändert. Die Steine werden so eingesetzt, wie sie entnommen wurden, nur eben neu verfugt, betont Wandel-Hoefer. Es werde also auch keine asphaltierten Stellen geben, wie Rollstuhlfahrer und Stöckelschuhträgerinnen gelegentlich fordern.

Ein Kopfsteinpflaster bleibe ein Kopfsteinpflaster - und auf dem Markt sei das "ein Gesamtkunstwerk", erklärt die Baudezernentin. Ein Kunstwerk, das Professor Paul Schneider in den 70er Jahren geschaffen hat. Dazu gehören Steine, die auf dem Markt stehen, ebenso wie Muster im Pflaster. Muster, die man beim Drübergehen nicht wahrnimmt, wie Eva Steffens vom Stadtplanungsamt erklärt. Diese Muster, teilweise farblich markiert, werden erhalten.

Aufs Schuhwerk achten

Dass sich damit die Probleme, die Menschen mit Rollstuhl, Kinderwagen oder Stöckelschuhen gelegentlich auf dem Marktpflaster haben, in Luft auflösen, glaubt die Stadtverwaltung nicht. Kopfsteinpflaster sei nun mal immer unebener als Asphalt. Darauf müsse man sich einstellen, sagt Stadtpressesprecher Thomas Blug. Man mache ja auch nicht den Forst verantwortlich, wenn man mit falschem Schuhwerk im Wald Probleme habe.

 Die Skulpturen gehören zum von Paul Schneider entworfenen "Gesamtkunstwerk St. Johanner Markt". Vor einiger Zeit wurden sie mit Zustimmung Schneiders umgestellt. Foto: Landeshauptstadt Saarbrücken
Die Skulpturen gehören zum von Paul Schneider entworfenen "Gesamtkunstwerk St. Johanner Markt". Vor einiger Zeit wurden sie mit Zustimmung Schneiders umgestellt. Foto: Landeshauptstadt Saarbrücken
Stadt pflastert St. Johanner Markt neu
 Man braucht etwas Abstand, um die Muster im Pflaster zu erkennen (Bild links). Kopfsteinpflaster sieht gut aus, kann aber holprig sein (Bild rechts). Fotos: Landeshauptstadt Saarbrücken/ Oliver Dietze
Man braucht etwas Abstand, um die Muster im Pflaster zu erkennen (Bild links). Kopfsteinpflaster sieht gut aus, kann aber holprig sein (Bild rechts). Fotos: Landeshauptstadt Saarbrücken/ Oliver Dietze

Wie es im kommenden Jahr mit der Pflastersanierung auf dem St. Johanner Markt weitergeht, kann Rena Wandel-Hoefer noch nicht sagen. Sicher sei, dass es weitergeht und etwa fünf Jahre dauern wird. Natürlich könne man das Marktpflaster auch in einer Kraftanstrengung in einem Stück komplett erneuern, aber dann müsse der Markt für etwa ein Jahr komplett gesperrt werden, sagt die Baudezernentin. Das wolle man nicht, weil dann im Saarbrücker Wohnzimmer die Gastronomie stark unter Druck gerate und keine Feste mehr gefeiert werden können - also eben im übertragenen Sinn das Sofa ein Jahr lang nicht mehr zugänglich und die Partys abgesagt wären.