Stadt hat Notfallplan für den Kita-Streik

Am morgigen Freitag legen Mitarbeiter in städtischen Kindertagesstätten unbefristet ihre Arbeit nieder. Damit für Eltern ohne Betreuungsalternativen nicht alles zusammenbricht, hat die Stadt eine Notfallbetreuung in vier Saarbrücker Stadtteilen organisiert. Auch die Nachmittagsbetreuung an Grundschulen ist von dem Streik betroffen.

Ab morgen wird es eng für Eltern , die ihre Kinder in einer städtischen Krippe oder einem Kindergarten haben. Nach derzeitigem Stand ist davon auszugehen, dass die Mitarbeiter fast aller städtischen Kindertagesstätten ihre Arbeit niederlegen.

Grund ist der Streik im Rahmen der Tarifverhandlungen für die Angestellten im Sozial- und Erziehungsdienst. In Vorbereitung auf den Streik hat die Stadtverwaltung einen Notbetrieb von vier Kindertagesstätten und einer Ganztagsgrundschule in städtischer Trägerschaft organisiert.

In jedem Stadtbezirk - Dudweiler, Halberg, Mitte und West - bleibt eine städtische Kindertagesstätte geöffnet. Dort können Kinder, deren Kitas aufgrund des Streikes geschlossen sind, von 7 bis 17 Uhr betreut werden.

Folgende Kindertagesstätten werden trotz Streik geöffnet:

Kita Herrensohr, Paulusstraße 24-26, 66125 Saarbrücken , Telefon: (0 68 97) 76 20 42

Kita Brebach, Brückwiesstraße 3, 66130 Saarbrücken , Telefon: (06 81) 87 14 45

Kita Malstatt, Stromstraße 20, 66115 Saarbrücken , Telefon: (06 81) 4 53 77

Kita Lindenhof, Pfaffenkopfstraße 54, 66115 Saarbrücken , Telefon: (06 81) 9 76 71 07

Mit diesem Angebot sollen Kinder ohne Betreuungsalternative versorgt werden. Zur Sicherstellung des Notdienstes wird der Personaleinsatz in weiten Teilen mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus anderen städtischen Kindertagesstätten erfolgen müssen. Durch den Streik bedingt kann es hierbei tageweise zu unterschiedlichen Teamzusammensetzungen kommen, kündigt die Stadt weiter an. Daher sind die pädagogischen Rahmenbedingen in dieser Zeit für alle Beteiligten erschwert.

Die Stadtverwaltung weist darauf hin, dass für die Dauer des Streiks die inhaltlichen Angebote der geöffneten Einrichtungen in Form eines Notbetriebes zwangsläufig deutlich verändert und eingeschränkt sind. Für ganztägig zu betreuende Kinder gibt es mittags zu essen. Aus Gründen der besseren Planbarkeit werden Eltern gebeten, den Betreuungsbedarf für ihre Kinder und die erforderlichen Betreuungszeiten der jeweiligen Kita mitzuteilen.

Streik in Grundschulen

In Grundschulen mit einem Ganztagsangebot in städtischer Trägerschaft rechnet die Stadt ebenfalls mit Streik. Hiervon können die Gebundenen Ganztagsgrundschulen Brebach-Fechingen, Dellengarten, Füllengarten, Kirchberg, die Freiwilligen Ganztagsgrundschulen Eschberg, Folsterhöhe, Füllengarten, Herrensohr-Jägersfreude, Max-Ophüls und die Offene Ganztagsgrundschule Weyersberg betroffen sein.

Dort findet der Unterricht am Vormittag regulär statt. Ab dem Mittagsessen ist durch den Streik mit spürbaren Einschränkungen zu rechnen.

An der Gebundenen Ganztaggrundschule Rastpfuhl soll der reguläre Betrieb auch während des Streikes fortgeführt werden, so dass hier auch ab 15.45 Uhr (freitags ab 12.30 Uhr) der Hortbetrieb für Kinder aus streikenden Einrichtungen an Schultagen bis 18 Uhr geöffnet wird. Auch hier sind die Eltern gebeten, die Kinder am Vortag anzumelden.

Städtische Ganztaggrundschule Rastpfuhl, Sozialpädagogischer Bereich, Im Knappenroth 4 66113 Saarbrücken ,

Telefon: (06 81) 7 45 35.

Träger dieser Einrichtungen ist das Amt für Kinder und Bildung der Landeshauptstadt Saarbrücken , Passagestraße 2-4, Telefon (06 81) 9 05 49 51.

Ab Freitag, 8. Mai, ist das Amt in der Dudweilerstraße 41 zu erreichen.

Oberbürgermeisterin Charlotte Britz hat die Forderung nach einer besseren Bezahlung der 240 000 kommunalen Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst als nachvollziehbar und richtig bezeichnet.

Sie schlägt vor, dazu künftig die 900 Millionen Euro für das Betreuungsgeld aus dem Bundeshaushalt zu verwenden, sollte das Bundesverfassungsgericht die "Herdprämie" kippen.

"Die pädagogischen Anforderungen im Sozial- und Erziehungsdienst sind gestiegen, ebenso die berechtigen Ansprüche der Eltern an die Kindertagesstätten . Saarbrücken stehe wie viele andere notleidende Kommunen deshalb vor einem Dilemma. "Wir gönnen unseren Mitarbeitern von ganzem Herzen eine gute Bezahlung, gleichzeitig müssen wir größte Kraftanstrengungen zur Haushaltskonsolidierung aufbringen", sagte Britz. Die rot-rot-grüne Koalition im Stadtrat unterstützt die Forderung der Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst, erklärten die Fraktionsvorsitzenden Peter Bauer (SPD ), Claudia Kohde-Kilsch (Die Linke ) und Timo Lehberger (Bündnis 90/Die Grünen). Die Arbeit in den Kitas sei unverzichtbar für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie für gleiche Bildungschancen. Das müsse sich auch in der Entlohnung widerspiegeln. Bauer, Kohde-Kilsch und Lehberger weisen aber auch auf die schwierige Haushaltslage Saarbrückens hin.

Saarbrücken habe den gesetzlichen Auftrag des Krippenausbaus angenommen, sich massiv mit eigenen Mitteln engagiert und dabei auch zusätzliches Personal eingestellt. Das Geld für eine angemessene Eingruppierung der Beschäftigten müsse daher auf Bundesebene aufgebracht werden.

Die CDU indes wirft der Saarbrücker Oberbürgermeisterin Charlotte Britz vor, Familien und Erzieher gegeneinander auszuspielen.

Anlass ist deren Forderung, das Betreuungsgeld zu streichen und diese 900 Millionen Euro aus dem Bundeshaushalt für die Erhöhung der Gehälter der Erzieher zu verwenden.

"Wir wollen, dass insbesondere Eltern von Kindern unter drei Jahren Wahlfreiheit bei der Erziehung haben. Elterngeld, Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz und Betreuungsgeld sind Kernbestandteile einer modernen und fairen Familienpolitik", sagt der stellvertretende Vorsitzende der CDU-Stadtratsfraktion, Uwe Conradt .

Die Piratenfraktion im Stadtrat zeigt sich solidarisch mit Erziehern, Sozialpädagogen, Heilpädagogen und Heilerziehungspflegern. "Der Streik ist ein legitimes Mittel der Arbeitnehmer , um für bessere Arbeitsbedingungen zu kämpfen. Kindertagesstätten sind nicht mehr nur Betreuuungs-, sondern auch Bildungsstätten, erklärt José Ignacio Rodriguez Maicas.