Stadt-Firma macht weiter Millionenverlust

Das städtische „Informations- und Kommunikationsinstitut“ (IKS) hat im kommenden Jahr einiges zu tun, damit Saarbrücken in Sachen Internet den Anforderungen der Gegenwart gerecht werden kann. Vor allem aber kämpft die städtische Firma mit den Fehlern der Vergangenheit. Dass der städtische Betrieb im kommenden Jahr wohl erneut rund 1,5 Millionen Euro Miese macht, hat mit aktuellen Projekten nichts zu tun.

Es kann immer noch schlimmer kommen. Diese Erfahrung machen der Saarbrücker Dezernent für Bürgerdienste, Sicherheit, Soziales und Sport, Harald Schindel, und Städtkämmerer Torsten Lang gerade. Im Sommer 2015 hatte die städtische Firma IKS, die unter anderem für Computer, Telefon und Internetverbindung zuständig ist, in einer Routinesitzung über "leichte Liquiditätsprobleme" informiert. Als kurz darauf der Jahresabschluss für 2014 vorlag, war klar: Der städtische Betrieb, der nicht nur für die Stadt arbeitet, hatte das Jahr mit einem Verlust von 1,5 Millionen Euro abgeschlossen - bei einem Umsatz von 10 Millionen Euro .

Auch das Jahr 2015 werde wohl mit einem so hohen Verlust abgeschlossen, teilten Lang und Schindel mit, um die Zahl dann im Dezember vergangenen Jahres auf 1,8 Millionen Euro zu erhöhen. Und Lang schob nach: "Es wäre nicht seriös, für 2017 und 2018 positive Jahresergebnisse anzunehmen." Morgen gehen Schindel und Lang mit noch mieseren Zahlen in den Stadtrat. In der Jahresabschlussrechnung für 2015 ist nun ein "Jahresfehlbetrag" von 1 910 761,21 Euro ausgewiesen. 1 858 925,35 Euro davon muss die Stadt übernehmen.

Die IKS-Geschäftsführung begründet den Verlust mit "erheblichen betrieblichen Mehraufwendungen und geringeren Erlösen". Aber woran liegt es, dass IKS so hohe Verluste macht? Und wäre es nicht besser diese Firma dicht zu machen und nach günstigeren Alternativen zu suchen?

"Genauigkeit vor Eile"

Das alles zu prüfen, brauche Zeit. "Genauigkeit geht vor Eile", sagte Lang vor einem Jahr.

Dass IKS nicht wirtschaftlich arbeite, weil dort Mitarbeiter "versorgt" und höher eingruppiert werden als in den Ämtern der Verwaltung, stimme jedenfalls nicht, versicherten Schindel und Lang. Und versprachen: Man wolle aus Fehlern lernen.

IKS scheint aber nicht mal flüssig genug zu sein, um zwei städtische Projekte abzuwickeln. So beabsichtigt die Stadt am St. Johanner Markt 2017 ein kostenloses Internet-W-LAN-Netz bereitzustellen. Ein "Pilotprojekt", für das eine einmalige Investition von rund 25 500 Euro sowie laufende jährliche Kosten in Höhe von voraussichtlich etwa 3700 Euro anfallen. "Um das Investitionsbudget des Betriebes nicht zusätzlich zu belasten", soll die Summe aus dem städtischen Haushalt an IKS als Zuschuss überwiesen werden.

Auch die Ausstattung von fünf Grundschulen "mit leistungsfähigen Netzzugängen" soll IKS übernehmen. Auch die hierfür veranschlagten 360 000 Euro kann IKS nicht aufbringen. Aus der Stadtkasse sollen rund 300 000 als Zuschuss fließen.

"Erfolgsplan" mit Verlust

Trotz des Geldes aus der Stadtkasse wird IKS auch im kommenden Jahr Miese machen. Wie es im gerade ablaufenden Jahr aussah, wird der wohl erst in knapp einem Jahr vorliegende Abschlussbericht 2016 zeigen. Der "Erfolgsplan" 2017, der dem Stadtrat vorliegt, geht fürs kommende Jahr von 1 498 742 Euro Verlust aus.

Zum 1. Januar 2017 soll es ein "neu implementiertes Controlling" geben. Es soll unter anderem mit Einsparungen beim Personal und weniger Ausgaben für "Fremdleistungen", also Hilfe von anderen Firmen, helfen, IKS bis 2020 zu sanieren.