Stadt beseitigt Schiffsfriedhof

Saarbrücken. "Das letzte Mal als ich hier war, lag das Schiff noch 50 Zentimeter tiefer", sagt Roland Gorges beim Blick auf sein ehemaliges Schiff. Bis zum Oktober, als er seine schwimmende Behausung verlassen musste, hielt er seine rostige Thea noch selbst in Stand. Nun muss die Stadt Saarbrücken sich darum kümmern. Denn sie hat die Thea gekauft

Saarbrücken. "Das letzte Mal als ich hier war, lag das Schiff noch 50 Zentimeter tiefer", sagt Roland Gorges beim Blick auf sein ehemaliges Schiff. Bis zum Oktober, als er seine schwimmende Behausung verlassen musste, hielt er seine rostige Thea noch selbst in Stand. Nun muss die Stadt Saarbrücken sich darum kümmern. Denn sie hat die Thea gekauft. Grund dafür ist das Projekt "Stadtmitte am Fluss", das die Veränderung des Osthafens einschließt. Können die Schiffe die Anlegestelle nicht wechseln, droht ihnen die Verschrottung. Das steht auch der Thea bevor: "Das Schiff soll entsorgt werden", sagt Stadtsprecher Robert Mertes.

Die Aufräum-Aktion am Osthafen begann am vergangenen Donnerstag mit dem auf der Kaimauer aufgebockten Schiff. Eine Firma zerkleinerte es mit einem Bagger und einem Schweißgerät und entfernte dann die Teile. Auch die alte Erna soll raus aus dem Osthafen, sagt Stadtsprecher Mertes. Das rosa Punkerschiff liegt bereits auf Grund. Jedoch gehört die Erna noch nicht der Stadt. Mertes erklärt: "Sofern der Eigentümer die Erna nicht selbst entsorgen will oder kann, wird letztlich die Stadt die Entsorgung übernehmen und dem Eigentümer die Kosten in Rechnung stellen."

Das einzige noch bewohnte Schiff ist die Möwe. "Nach Aussage der Schiffseigentümer wird die Möwe im Mai an einem neuen Liegeplatz am Bürgerpark anlegen", sagt Mertes. Mit Gartenmöbeln auf dem Deck und Wohnstube darunter lebe dort ein älteres Ehepaar, erzählt Gorges. Er erinnert sich gern an die gute Nachbarschaft, an Grillpartys auf der idyllischen Halbinsel, an die brütenden Schwäne.

Von den 50 000 Euro, die Gorges für seine Thea verlangt hatte, bekam er schließlich 10 500 Euro von der Stadt für seinen schwimmenden Lebenstraum, in dem er elf Jahre gelebt hatte. Nun wohnt er in Herrensohr, kann sich aber nicht so recht mit seinem neuen Leben anfreunden. Zuvor Schiffseigentümer mit 300 Euro Liegegebühr pro Jahr, muss er nun 500 Euro Miete monatlich zahlen. Statt unbegrenzter Parkmöglichkeit im Osthafen heißt es nun Parkplatznot am Straßenrand. Statt im Schiffsladeraum bringt er nun Material im Keller und in der Garage unter. Denn Gorges ist selbstständiger Unternehmer.

Mit der Trennung von seiner Thea sagte er auch Lebewohl zu einem Großteil seines Werkzeugs, einem Transporter und zwei Anhängern, die er für seine Firma benötigte. "Ich habe morgens keine Motivation mehr aufzustehen", sagt Gorges, "mir wurde mein Zuhause genommen, meine Freiheit." In seinem neuen Zuhause ist noch viel zu tun: Gerade erst wurde PVC in der Küche verlegt, und das Wohnzimmer gleicht noch einer Baustelle. Trotz allem rettete Gorges etwas vom Charme seines Schiffes. In die Tür zum Schlafzimmer hat er ein Bullauge der Thea eingebaut. Energie nutzt er sparsam wie zuvor. Er erzeugt Strom mit Solarzellen, will sich, wie einst auf der Thea, seine Unabhängigkeit bewahren. "Ich will wieder möglichst autark leben."