„Staat muss schwierige Kunst fördern“

Im Rahmenprogramm zur Landeskunstausstellung trafen sich am Mittwoch die Stadtgalerie-Chefin Andrea Jahn, Theaterintendantin Dagmar Schlingmann und die Künstlerin Prof. Ulrike Rosenbach zum Meinungsaustausch.

. Zur 10. Landeskunstausstellung "Saar Art 2013" gibt es ein umfangreiches Rahmenprogramm. Eine dieser Veranstaltungen nennt sich "Kunstbegegnung - im Gespräch" und bringt Menschen unterschiedlicher Profession mit den ausstellenden Künstlerinnen und Künstlern an einen Tisch.

Am Mittwochabend waren in der Stadtgalerie Saarbrücken die Künstlerin Prof. Ulrike Rosenbach und die Intendantin des Staatstheaters, Dagmar Schlingmann, bei der Moderatorin und "Hausherrin" der Stadtgalerie, Dr. Andrea Jahn, zu Gast. Ausgangspunkt des Gesprächs war die Videoinstallation "ticinium - Trauerschal" von Prof. Ulrike Rosenbach, die in der Stadtgalerie gezeigt wird. Diese Installation ist eine Collage aus Teilen eines historischen Films, Fotos und Sequenzen aus dem Internet sowie Überblendungen und Überlagerungen von neuen Bildern und bunten Farben.

Zusammen ergibt dies eine eindringliche Darstellung trauernder Frauen, basierend auf der antiken Tragödie "Die Troerinnen" von Euripides. Die Moderatorin Andrea Jahn fragte, ob diese antiken und archaischen Themen heute noch einen Bezug zur Gegenwart hätten. Rosenbach brachte daraufhin die Nähe des Gebärdenspiels antiker Themen mit Performance-Darbietungen und aktuellen Theaterstücken ins Gespräch. Sie, die in den 1970er Jahren bereits als Video- und Performance-Künstlerin international bekannt wurde, erklärte, dass viele Gesten der Performances im Laufe der Jahre vom Theater übernommen wurden. Dagmar Schlingmann fügte hinzu, dass das Theaterspiel heute oft so reduziert sei, dass man manchmal keine klare Abgrenzung zur Performance hätte und viele Produktionen zusätzlich mit Filmen und Fotos im Hintergrund bebildert seien. Die Abgrenzung von Performance zum Theater ist für Rosenbach trotzdem eindeutig: "Theater findet auf einer Bühne statt, eine Performance im Raum." Jedoch würde heute auch diese Abgrenzung zunehmend aufweichen. Ein weiterer Unterschied sei die Zeit, die die Vorstellungen dauern. Denn Performances sind oft sehr kurz. Vereinzelt streute Rosenbach Anekdoten ins Gespräch ein, von ihren Performances und den überraschenden Reaktionen des Kulturbetriebes. Gegen Ende des Gesprächs sagten beide, wie schwierig es sei, dass die staatliche Förderung immer mehr den Massengeschmack des Publikums bediene und zusätzlich abnehme. Dafür sehen beide ein zunehmendes Interesse der jungen Generation an Kunstdarbietungen, abseits von diesem Mainstream. "Daher muss der Staat auch motiviert werden, wieder mehr anspruchsvolle und schwierige Kunst zu fördern", war die abschließende, gemeinsame Forderung der Kunstfrauen.