Spurensuche im St. Wendeler Land

120 Ausgaben des Buches „Nazis aus der Nähe“ wurden an die sechs weiterführenden Schulen des Landkreises übergeben. Aus diesem Anlass lud das St. Wendeler Gymnasium Wendalinum Schüler der 10. und 11. Klasse in die Aula ein. Autoren lasen Passagen des Werks vor.

"Nazis aus der Nähe - Im Mikrokosmus der Hitler-Diktatur; Spurensuche im St. Wendeler Land" bereitet die Geschehnisse des Nationalsozialismus in unserer Region auf. In aufwendiger Archivrecherche und mit Hilfe von Zeitzeugenberichten, wurde das 480 Seiten umfassende Werk von vier Herausgebern und 25 Autoren in über dreijähriger Arbeit erstellt.

Der Fokus des Buchs liege laut Bildungs- und Kulturminister Ulrich Commerçon

in der Aufarbeitung der eigenen Geschichte vor Ort. "Damit so etwas nie wieder geschieht, dürfen wir keinen Schlussstrich ziehen", betonte er die Notwendigkeit, auch über 80 Jahre nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten, die Geschichte nicht ruhen zu lassen.

Durch die detaillierte Darstellung des Nationalsozialismus anhand konkreter Beispiele eröffne sich für die jungen Schüler, die alle nach der deutschen Wende geboren sind, ein Zugang zum Thema, sagte Heribert Ohlmann, Leiter des Wendalinums. Er dankte der Stiftung Wendelinum, die den sechs zum Abitur führenden Schulen des Landkreises insgesamt 120 Exemplare für die Nutzung im Unterricht gespendet hat.

Dieser Beitrag half die Herausgabe der ersten Auflage von "Nazis aus der Nähe" zu ermöglichen; sie umfasst 1200 Bücher und ist schon fast vergriffen.

Verwüstung der Synagoge

Der Inhalt der Studie umfasst Porträts, Aufzeichnungen, Bilder, Zeitungsartikel, Tabellen und Analysen. Ein Teil des Buches beschreibe die Haltung der Bevölkerung gegenüber den Juden, die fest in das Vereins- und politische Leben im St. Wendeler Land integriert gewesen seien, sagte Bernhard Planz Mitherausgeber und Autor. "Das Spektrum reichte von Hilfe, über anfängliche Zurückhaltung, bis hin zu offenem Hass." Die Verwüstung der St. Wendeler Synagoge durch die Hitler Jugend und die darauf folgende Brandsetzung der SA werden thematisiert.

Autor Günther Heidt rüttelte die Schüler mit seiner Darstellung des Konzentrationslager Hinzert bei Hermeskeil auf: "Bis in die 1990er Jahre ist dieses KZ oftmals verharmlosend als gewöhnliches Arbeitslager bezeichnet worden". Zwischen 1939 und 1949 wurden insgesamt 14 000 Menschen inhaftiert; ungefähr 1000 starben dort. Viele der Häftlinge seien wegen sogenannter "Arbeitsbummelei" eingesperrt worden. Das Schicksal des 18 Jahre jungen St. Wendelers Franz Oberingers illustriert die unmenschlichen Bedingungen des Lagers: Er nahm sich im Bunker genannten Gefängnis selbst das Leben.

Vor der symbolischen Übergabe der Bücher an Vertreter der Schulen zeigte Roland Geiger einen Film, der von amerikanischen Truppen beim Marsch von Noswendel nach Bliesen aufgezeichnet wurde.

Das knapp zehnminütige Dokument wurde in den National Archives des College Parks von Maryland (USA) aufgespürt. Es zeigt unter anderem die Zerstörungen in Wadern, die Räumung von Panzersperren und den Abmarsch deutscher Kriegsgefangener.