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Sportler sollen nicht die Leidtragenden sein

Kreis Saarlouis. Heute Abend werden die Olympischen Winterspiele in Sotschi eröffnet. Wie Bürger im Kreis Saarlouis sich für dieses sportliche Großereignis in der russischen Stadt interessieren, erzählen sie in einer SZ-Umfrage. Von SZ-MitarbeiterCarolin Merkel

In der russischen Stadt Sotschi, 3250 Kilometer von uns entfernt, werden heute die 22. Olympischen Winterspiele eröffnet. Die 330 000 Einwohner zählende Stadt liegt am Schwarzen Meer, somit werden erstmals in einer subtropischen Stadt Winterspiele ausgetragen.

Die Sommerspiele 1980, die ebenfalls in Russland ausgetragen wurden, boykottierten damals aufgrund der politischen Lage unter anderem die deutschen Athleten. Auch über die aktuellen Winterspiele wurde im Vorfeld heftig diskutiert, vor allem die politische Situation in Russland, aber auch, dass es sich um die teuersten Spiele überhaupt handelt, standen und stehen in der Kritik. Wir wollten in einer Umfrage von Passanten in Saarlouis wissen, wie sie es mit den Olympischen Winterspielen halten.

"Es ist schon viel, 40 Milliarden geben die aus, doch wenn sie es haben, warum nicht", sagt Iseni Jacer aus Saarlouis. Er schaut gerne Olympia, überhaupt Sport, "wenn ich nur mehr Zeit dazu hätte", sagt er.

Für die Wintersportbegeisterte Ulla Langlois aus Quierschied gibt es keine Frage: "Ich werde mir die Wettkämpfe sicherlich ansehen." Sie hat die Diskussionen im Vorfeld sehr intensiv verfolgt, sieht den Austragungsort sehr kritisch. "Es hätte da sicher sinnvollere Investitionen gegeben, und man hätte auch mehr Rücksicht auf die Bewohner nehmen können. Doch das ist nun eben ein totalitäres System, und ein Boykott hätte nichts gebracht, wäre auf dem Rücken unserer Sportler ausgetragen worden", sagt Ulla Langlois.

"Ich schaue vor allem Ski-Abfahrt, Bobfahren und Eishockey; für die politische Diskussion habe ich mich weniger interessiert", erklärt Malte Fidelak aus Hülzweiler. Er wird den deutschen Teilnehmern die Daumen drücken, rechnet ihnen aber eher weniger Chancen aus.

"Sportler und Fans dürfen nicht die Leidtragenden sein, wenn Menschenrechte missachtet werden", findet Heinz Rath aus Saarlouis. Auch er wird sich die Wettkämpfe anschauen. "Man kann diese Diskussion mittlerweile auf jedes Land übertragen, das ist ja auch beim Fußball so", sagt er. "Oh, ja, ich bin ganz fanatisch, werde mir so viel, wie es geht, davon anschauen", erklärt Robert Suss aus Creutzwald. Seine Frau Janine gerät ins Schwärmen, sie freut sich ganz besonders auf Eiskunstlauf. Beide können zwar nicht verstehen, wie man so viel Geld für den Bau der Sportstätten ausgeben kann, "aber ich habe gehört, die Menschen können nachher dort wohnen, dann hätte es einen Sinn", sagt Robert Suss.

Keinen Grund sieht Bruno Geber aus Gisingen in der politischen Diskussion, die Spiele nicht anzuschauen. "Ich bin aber mehr fußballinteressiert, deshalb werde ich nicht viel angucken", sagt er.

Biathlon und Skispringen will Louisa Ernst aus Beckingen auf keinen Fall verpassen. "Wenn ich nicht schaue, werden die Spiele ja auch nicht verlegt. Doch in Zukunft sollten die Verantwortlichen nachdenken, an wen die Spiele vergeben werden, schließlich steht ja gerade Olympia für den Gedanken der Freundschaft", sagt Louisa Ernst.