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Spitzenkandidatin verlässt Fraktion

Saarbrücken. Über zehn Jahre saß Gertrud Schmidt für die Grünen in der Regionalversammlung. Doch jetzt hat sie der Fraktion nach internen Querelen den Rücken gekehrt. „Wir haben nicht mehr diskutiert“, sagt Schmidt. Markus Saeftel

Sie war die Spitzenkandidatin der Grünen für die Regionalversammlung bei der Kommunalwahl 2014. Doch jetzt hat Gertrud Schmidt die Fraktion verlassen. Sie begründet das mit einem "gestörten Vertrauensverhältnis". Schmidt: "Ich war die Spitzenkandidatin, aber das hat nur bis nach der Wahl gehalten." Anschließend sei sie isoliert gewesen. Schmidt erklärt frustriert: "Wir haben nicht mehr diskutiert, davor hatten wir einen intensiven Austausch." So habe sie schließlich entschieden, die Fraktionsarbeit in der Regionalversammlung zu beenden. Leicht sei ihr das nach über zehn Jahren nicht gefallen: "Ich habe mit mir gerungen und gelitten." Schließlich habe sie viel Zeit in die politische Arbeit investiert, erklärt Schmidt, die stellvertretende Vorsitzende der Fraktion und früher auch ehrenamtliche Beigeordnete des Regionalverbandes war. An einen Parteiaustritt denke sie aber nicht.

Streit um Geschäftsführer



Die Grünen-Fraktion hat sich nach der Kommunalwahl stark verändert. Der frühere Fraktionschef Stephan Körner war schon beim internen Kampf um einen Spitzenplatz zur Kommunalwahl durchgefallen. Auch der Fraktionsgeschäftsführer Horst-Henning Jank musste gehen. Geblieben ist Manfred Jost, der die Fraktion führt. Dazu kommen die neuen Mitglieder Patrick Ginsbach, Stefan Frantz und Anne-Carolin Lambert. Jost erklärt, nach der Entscheidung gegen Jank und für die neue Geschäftsführerin Anna Dorfner sei es zum Bruch mit Schmidt gekommen. Nachdem die Fraktionszuschüsse aber quasi halbiert worden seien, hätte Jank sowieso nicht im bisherigen Umfang weiterbeschäftigt werden können. Die Entscheidung für Dorfner, die nur halbtags arbeite, sei richtig gewesen, betont Manfred Jost.

Dass Schmidt nun die Fraktion verlassen habe, tue ihm leid. Daran trage er eine Mitschuld. Doch wegen eines Trauerfalls sei er vier Wochen lang eingespannt gewesen und habe nur wenig Zeit für die politische Arbeit gehabt. Hat die Entscheidung Schmidts eventuell damit zu tun, dass Jost nun angeblich ein Anhänger von Parteichef Hubert Ulrich ist? Jost: "Ich gehöre zu keinem Lager. Das hat mit Ulrich nichts zu tun."

Ob nun mehr Ruhe bei den Grünen einkehrt, ist aber keineswegs sicher. Aus beruflichen Gründen sei unklar, ob Anne-Carolin Lambert der Fraktion erhalten bleibt. Wegen ihrer Listenplatzes zur Kommunalwahl sei sie für Schmidt nachgerückt, sagt Jost. Stefan Frantz ist ebenfalls ein Nachrücker - für Tina Schöpfer, die wegen eines Umzugs in einen anderen Landkreis die Fraktion verließ. Ab Juli hofft Jost auf mehr Ruhe bei den Grünen im Schloss. Dann gehe er in Rente und könne sich stärker um die Fraktionsarbeit kümmern und auch die Geschäftsführerin unterstützen.