Spielerische Annäherung

International ging es zu an der Gemeinschaftsschule in Dudweiler. Jugendliche aus fünf Ländern lernten und verbrachten ihre Freizeit miteinander – auch beim gemeinsamen Spiel.

Mit einem einfachen Stückchen Wollschnur konnten sich vor Jahrzehnten Kinder stundenlang beschäftigen. Vor allem waren es Mädchen, die beim Hexenspiel den geknüpften Wollfaden immer wieder in neuen Figuren zwischen den Spielerinnen hin und her reichten. Wer sich mit Spielen befasst, zum Beispiel, weil er Gemeinsamkeiten bei den Spielen zwischen Menschen aus verschiedenen Nationen sucht, stößt auch auf jenes Hexenspiel. So wie die Teilnehmer des Comenius-Projektes aus Frankreich, Italien, Rumänien, Spanien und Deutschland, die sich zuletzt in der Gemeinschaftsschule in Dudweiler trafen. Die Gastschüler begrüßte Schulleiter Wolfgang Dietrich persönlich, und die von Anika Rosenkranz geleitete Bläserklasse 8 spielte die Musik zum Empfang. Dann ging es ans Spielen. "Das erleichtert den Kontakt unter den Schülern, auch unter den Lehrern", so Lehrerin Andrea Wille, die in der Sulzbachtalschule für das Comenius-Projekt verantwortlich ist.

Sie hat beobachtet: "Es gibt viele Gemeinsamkeiten bei den Spielen, zum Beispiel hat die Kollegin Karin Klein das süditalienische Lippa, das mit einem rundlichen Wurfholz und einem Schlagholz gespielt wird, wiedererkannt als Nippes, das sie in ihrer Kindheit auf den Lebacher Seitenstraßen gespielt hat." Es gibt aber auch bei uns gänzlich unbekannte Spiele, etwa Caliche, ein spanisches Geschicklichkeitsspiel, bei dem mit einem schweren Eisenstück eine Münze von einem Kegel geschlagen werden muss. Gespielt wurden mit viel Verve auch die Klassiker, wie das französische Petanque und der globale Gummitwist - mit Springliedern in fünf Sprachen.

Es gab auch viele andere Aktivitäten: Eine Stadtführung der Englisch-Lehrerin Kollegin Ulla Euschen, bei der auch ihre Saarbrücker Kollegen noch einiges Interessantes hören konnten: eine Trierfahrt, saarländisches Essen im Traditionsgasthaus Stiefel und beim spontanen abendlichen Schwenken.

Wille: "An einem Abend ermöglichte uns die Bouldering Arena ein Kletterevent mit Picknick im Bistro, zu dem die Schüler und Lehrer Essen mitbringen konnten."

Dem italienischer Gastschüler aus Bari, Robert Isfan, hat es offenbar in der saarländischen Landeshauptstadt gut gefallen. Nach einer Uni-Besichtigung hat er den Plan ins Auge gefasst, sein Ingenieursstudium in Saarbrücken, zumindest aber in Deutschland aufzunehmen - und fing auch schon energisch an, Deutsch zu lernen.

Andrea Wille ist den Gasteltern, die ihr Haus für fünf Tage einem der ausländischen Schüler öffneten, sehr dankbar: "Unsere deutschen Schüler hatten ja auch ihrerseits die Gastfreundschaft der anderen Regionen erfahren." Ein solches Treffen ist mit viel Emotionen verbunden - einander fremde Menschen teilen plötzlich das Bad, sehen Schulen, deren System ihnen völlig fremd ist, unterhalten sich in verschiedenen Fremdsprachen und mit Händen und Füßen, und plötzlich, nach ein, zwei Tagen, brechen die nationalen Gruppen auf, gemischte Gruppen verabreden sich auf den Saarwiesen, zum Shoppen oder zum Grillen; Facebook-Freundschaften belegen die gegenseitige Sympathie - dann weiß man, dass es sich gelohnt hat". Bei der Recherche zum Hexenleiterspiel fanden die Schüler übrigens heraus, dass das Spiel schon bei den nordamerikanischen Navajos gespielt wurde.

ec.europa.eu/education/lifelong-learning-programme/comenius_en. htm

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auf einen blickDas Comenius-Projekt ist Teil des EU-Programms für Lebenslanges Lernen und zielt darauf, junge Menschen und Lehrkräfte europaweit zu vernetzen und so das Verständnis für die europäischen Kulturen, ihre Sprachen, ihre Werte zu vertiefen. Bisher gereist sind die Dudweiler nach: Frankreich, Rumänien, Spanien und Italien immer in Gruppen von 3 bis 4 Lehrern und 4 bis 8 Schülern. al