„Spenden ist Vertrauenssache“

Saarbrücken · Anderen, denen es weniger gut geht, etwas geben: Dieser Gedanke ist gerade in der Vorweihnachtszeit in vielen Köpfen. Vor allem regionale Projekte liegen in der Spendengunst der Menschen weit vorn. Dort sehen sie, wo ihr Geld hinfließt.

Die Spendenbereitschaft der Saarländer sei auch in diesem Jahr sehr hoch, berichtet Eugen Vogt, Pastor der Pfarrei St. Johann. Aber warum ist sie in der Vorweihnachtszeit so viel größer als sonst? "Um Weihnachten geben die meisten Menschen mehr Geld für sich und ihre Angehörigen aus. Dadurch ist in dieser Zeit auch die Bereitschaft größer, etwas für andere zu geben", erklärt Vogt.

Doch es spenden nicht nur Privatpersonen. Auch Unternehmen zeigen sich besonders in der Weihnachtszeit großzügig: "Gerade erst haben wir 7800 Euro von SAP und 2500 Euro von Saarstahl bekommen", erzählt Helmut Paulus, Sprecher des Diakonischen Werks an der Saar. Die Beträge gehen an minderjährige Flüchtlinge und die Völklinger Tafel. Im Bereich der Flüchtlingshilfe sind in den letzten Wochen und Monaten viele Sachspenden, zum Beispiel Kleider, eingegangen. Auch die Radio-Salü-Aktion "Sternenregen" für saarländische Kinder in Not laufe sehr gut, sagt Paulus. Mittlerweile wurden bereits mehr als 120 000 Euro gespendet.

Es sind vor allem regionale Projekte, die in der Spendengunst der Saarländer vorne liegen. Diese Erfahrung macht auch Martin Erbelding vom Deutschen Roten Kreuz (DRK): "Die Menschen spenden immer gern für konkrete Projekte, bei denen sie sehen, wofür ihr Geld ausgegeben wird", sagt Erbelding. Grundvoraussetzung sei es, dass die Bürger über den Bedarf an Spenden ausreichend informiert werden.

Das zeigte auch die Heiligabend-Aktion im vergangenen Jahr, wie Pastor Vogt erläutert: "Nach den Presseberichten über die Schwierigkeiten sind damals so viele Spenden eingegangen, dass am Ende sogar noch Geld übrig geblieben ist." Zum Hintergrund: Im Saarland organisieren die Kirchen jedes Jahr gemeinsam die Heiligabend-Aktion. Ins Saarbrücker E-Werk laden sie an Heiligabend zwischen 14 und 19 Uhr alle ein, die sich einsam fühlen oder obdachlos sind. Im vergangenen Jahr gab es Probleme, das Projekt auf die Beine zu stellen, weil sich zunächst nicht genügend Spender und Ehrenamtliche gefunden hatten. Schließlich kamen dann doch genug zusammen.

Pastor Vogt findet: "Spenden ist Vertrauenssache". Dadurch haben große Institutionen wie die Kirchen oder das DRK einen Vorteil. Aber auch kleine Organisationen, deren Arbeit vor Ort wahrgenommen wird, können auf die Unterstützung der Bürger zählen.

Dazu gehört zum Beispiel die "Initiative Nauwieser Viertel", die um die Weihnachtszeit traditionell eine Spendensammlung der besonderen Art organisiert: Zugunsten des SOS- Kinderdorfs wird ein Baum gebastelt, an dem die Kinder, die das Mütterzentrum besuchen, ihre Wünsche befestigen können.

"Diese Aktion läuft etwas anders ab als bei anderen Organisationen", erklärt Albrecht Scherer vom SOS-Kinderdorf . Der Baum bleibt nämlich nicht an einem Ort stehen, sondern wandert in der Adventszeit durch die Geschäfte und Läden im Nauwieser Viertel. Wenige Tage vor Weihnachten werden die Kinder dann im Saarbrücker Mütterzentrum mit den Geschenken überrascht, die sie sich von den Bewohnern des Viertels gewünscht haben.

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