Spaziergang durchs einstige Sperrgebiet

Gut 30 Millionen Euro sind in die Wiederbelebung des ehemaligen Ausbesserungswerkes der Bahn in Burbach geflossen. 32 Firmen mit 300 Mitarbeitern sitzen in einem herrlich weitläufigen, ästhetisch hochwertigen und bestens gepflegten Areal, das auch Freizeitansprüchen genügt. Viele wissen wohl noch gar nichts von seiner Existenz.

 Die Originallampen von einst hängen noch.
Die Originallampen von einst hängen noch.
 Guido Limberg, Inhaber der Harley Davidson-Filiale im Gewerbegebiet, mit seiner Harley vor seinem Gebäude.
Guido Limberg, Inhaber der Harley Davidson-Filiale im Gewerbegebiet, mit seiner Harley vor seinem Gebäude.
 Hier geht's zum Architektenbüro Brünjes – einer der Mieter.
Hier geht's zum Architektenbüro Brünjes – einer der Mieter.

Das Ausbesserungswerk der Eisenbahn in Burbach war über Jahrzehnte, von der Fertigstellung 1906 zur Schließung 1997, quasi ein Sperrgebiet. Hier hatte fast niemand außer den - bis zu 1300 - Mitarbeitern etwas verloren. Heute ist das 14 Hektar große Areal im Saarbrücker Westen mit enormem Aufwand "revitalisiert", also sprichwörtlich "mit neuem Leben erfüllt" worden. Die Straßen und Wege sind breit und logisch angelegt, die Grünstreifen so vorzüglich gepflegt, wie man sie sich überall in der Stadt wünschte.

In die 44 000 Quadratmeter große ehemalige "Richthalle" sind, ohne das Dach anzutasten, sogar Straßen gezogen worden, um die neu angesiedelten gut zwei Dutzend Handwerks- und Handelsbetriebe jeweils direkt erreichen zu können. Dieses "Handwerkerzentrum" wird derzeit für über eine Million Euro um eine überdachte Lagerfläche erweitert. Bis Juli soll alles fertig sein.

Im "aw saarbrücken-burbach", wie es offiziell in Kleinschrift heißt, kann sich heute jeder nahezu frei bewegen und ohne Gebühren und Platznot parken, aber es erstaunt, wie zurückhaltend die Bevölkerung davon Gebrauch macht. Vermutlich hat sich noch nicht herumgesprochen, was sich hier in den letzten Jahren verändert hat. So wie ja auch viele Saarbrücker noch nie das neue Quartier hinter dem Hauptbahnhof aufgesucht haben. In Burbach sieht man nur ab und zu mal ein Auto oder einen Jogger. Das ist sehr wenig Betrieb für ein Gebiet von solcher Ausstrahlung und gelungener Gestaltung. "Grandios", beschreibt diesen Ort Jens Düwel von der Gesellschaft für Innovation und Unternehmensförderung (GIU). Die städtische Tochter GIU hat seit dem Erwerb der Fläche und der Bauten im Jahr 1999 für die Aufbereitung - Abbruch, Altlastensanierung, Bodenaufbereitung - und Erschließung des ehemaligen Eisenbahn-Ausbesserungswerkes 7,4 Millionen Euro aufgewendet. In die Sanierung der überwiegend denkmalgeschützten Gebäude wurden sogar 25 Millionen Euro investiert (alles von der EU und vom Land unterstützt). Selbst wenn man in Rechnung stellt, dass der GIU-Projektleiter Düwel von Berufs wegen nichts Schlechtes über Burbach sagen sollte, so ist sein Qualitätsurteil dennoch überzeugend. Es beginnt bei Kleinigkeiten wie den Straßenlampen, die den alten Bahninstallationen nachempfunden sind, geht über die beeindruckenden Architekturen der renovierten denkmalgeschützten Industriebauten und endet beim ästhetischen Gesamteindruck der großzügigen Freiflächen, die dem Ganzen Größe und Weite geben. Man darf dieses Gewerbegebiet also durchaus "superschön" finden, so wie Düwel. Die neuen Nutzer, insgesamt 32 Firmen mit 300 Mitarbeitern, kommen auch gern ins Schwärmen: Architekt Oliver Brünjes hat sich mit seinem Büro in der ehemaligen Federnschmiede niedergelassen, hat sie zur "Architekturschmiede" umfunktioniert. "Das Handwerkliche ist auf dem ganzen Gelände zu spüren, sowohl aus der ursprünglichen Funktion als auch dem jetzigen Treiben. Es ist ein Ort, der inspiriert", versichert er. Zu den bekanntesten Adressen zählt der Motorradhändler und Service-Anbieter Harley-Davidson, der seine Kunden gern auch mal zu Veranstaltungen hierher einlädt. Geschäftsführer Guido Limberg spricht von "idealen Bedingungen": viel Platz in einem industriekulturellen Ambiente, das gut zu der Marke passe. Und auf der Landstraße nach Riegelsberg könne man die Maschinen schön bewegen.

Die Firma Fertan, die sich mit Rostschutz befasst und 2004 erster Mieter hier in Burbach war, sieht "Ambiente und Unternehmenszweck bestens zusammenpassend". Man habe die Ansiedlung nie bereut, und die Mitarbeiter freuten sich über eine gute Erreichbarkeit, sagt Geschäftsführer Björn Lang. Gleichwohl räumt Jens Düwel ein gewisses "Nachfrageproblem" ein, nicht bei den instand gesetzten Altbauten, sondern bei den Freiflächen. 30 000 Quadratmeter sind noch zu haben. Während man das Areal zwar als "stadtnah" bezeichnen darf, ist das manchem Investor halt nicht nah genug, sondern "versteckt" oder "abgeschieden". Düwel spricht von "gefühlt versteckt" und "relativ abgeschieden". In Berlin, ist er sicher, wären alle Flächen längst vergeben. In Saarbrücken dauere es halt noch etwas.