Spaghetti, Bier - fertig ist der Song

"Befehl von ganz unten"- sehen Sie sich ganz unten, mitten im Proletariat? Oder ist das zu viel hineininterpretiert?Sebastian Dürre: Das mit dem Hineininterpretieren ist gut gesagt. Die Leute wollen immer eine astreine Antwort von uns hören. Dabei stellen wir ihnen Aussagen als leeres Haus hin und jeder kann sich das Innere selbst gestalten

"Befehl von ganz unten"- sehen Sie sich ganz unten, mitten im Proletariat? Oder ist das zu viel hineininterpretiert?Sebastian Dürre: Das mit dem Hineininterpretieren ist gut gesagt. Die Leute wollen immer eine astreine Antwort von uns hören. Dabei stellen wir ihnen Aussagen als leeres Haus hin und jeder kann sich das Innere selbst gestalten. Manchmal kommen die Titel einfach zu uns, und wir stellen dann fest, dass sie wie die Faust aufs Auge passen. Schau in die Tagespresse, schau nach Ägypten oder denk ans Sexleben, Stichwort: schwanzgesteuert - der Titel passt zu vielem.

Sehr gelungen ist auch der Songtitel "Bück dich hoch". Kommt man Ihrer Meinung nach nur voran respektive nach oben, wenn man vor den Chefs buckelt?

Dürre: Es geht darum, dass sich viele Menschen für ihre Karriere verheizen und ruinieren. Aber wofür eigentlich? Etwa weil Mama stolz auf ihren Sohn ist, der aus Oldenburg nach Berlin ging und es trotz all der Drogen geschafft hat. Nee, im Ernst: Ich habe viele Freunde, die in irgendwelchen Agenturen viel Geld verdienen, aber abbrennen und nichts von ihrem Leben haben. Ich bin mehr oder minder mein eigener Herr und weiß, warum ich das alles mache.

Das Bück-dich-hoch-Prinzip gilt sicherlich nicht für Deichkind. Die Musik ist schon sehr speziell und die Songs stets voller Überraschungen. Fällt den Verantwortlichen bei Ihrer Plattenfirma nicht regelmäßig die Kinnlade runter, wenn sie neue Songs zu hören bekommen?

Dürre: Unser Mann bei Universal Music ist eigentlich ein sehr reflektierter Typ. Der weiß, dass er es mit Subkulturen zu tun hat. Unsere Plattenfirma ist ja wie ein Schwamm, der über alle Subkulturen drüberwischt und alles aufsaugt, was gut ist. Wir haben jedenfalls Narrenfreiheit. Und uns würde es nicht einmal stören, rausgeschmissen zu werden.

Den Song "Die rote Kiste" haben Sie mit der legendären Deutschpunk-Band Slime eingespielt. Wie kam es dazu?

Dürre: Wir kannten die vorher gar nicht und haben sie einfach gefragt. Die meinten dann nur: Äh, ja, machen wir. Sie besuchten uns im Studio, wir fraßen Spaghetti Bolognese und machten eine Kiste Bier leer. Den Song spielten wir zum Teil live ein, den Text schrieb ich. Zack fertig, so schnell ging das.

Deichkind spielen am 8. März um 18.30 Uhr im E-Werk in Saarbrücken.

garage-sb.de

www.deichkind.de

Mehr von Saarbrücker Zeitung