Sozialverband wächst und wächst

Saarbrücken · Anders als bei Parteien und Gewerkschaften gehen die Mitgliederzahlen beim Sozialverband VdK im Saarland rasant nach oben. Dabei war vor 25 Jahren nicht klar, ob der Verband noch eine Zukunft hat.

Was macht ein Kriegsopfer-Verband, wenn die Kriegsopfer-Generation ausstirbt und die Mitgliederzahlen rasant sinken? Es war genau diese Sinnfrage, die den "Verband der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner Deutschlands" in den 1980er Jahren im Saarland beschäftigte. Die einen waren der Meinung, dass der Verband seinen Zweck erfüllt habe. Die anderen wollten, dass er sich nicht mehr nur um Kriegsopfer kümmert, sondern um alle, die eine Lobby brauchen: Rentner , Arbeitslose, Kranke, Behinderte.

Inzwischen ist klar, wer sich damals durchsetzte. Die Mitgliederentwicklung des Sozialverbands VdK Deutschland, wie er sich seit 2002 offiziell nennt, dürfte jeden Partei- und Gewerkschaftsfunktionär vor Neid erblassen lassen. Im Saarland hat der VdK seit 1994 von 23 000 auf 40 000 Mitglieder (in 97 Ortsvereinen) zugelegt. Damit hat er mehr Mitglieder als SPD und CDU zusammen. Bundesweit sind es über 1,7 Millionen. VdK-Landeschef Armin Lang, ein früherer SPD-Landtagsabgeordneter, sieht den VdK in der Bundespolitik als feste Größe und starke Lobby bei sozialpolitischen Entscheidungen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte sich der Vorläufer des VdK, die "Vereinigung der Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen des Saarlandes", bei der französischen Militärverwaltung für Versorgungsansprüche eingesetzt. Für Kriegswaisen gab es Weihnachtsfeiern, für alleinstehende Frauen Tanzabende und Kaffeekränzchen. Zu Spitzenzeiten zählte der Verband 50 000 Mitglieder. Als die Generation der Kriegsopfer ausstarb, ging es bergab - bis sich der Verband in den 90er Jahren für neue Zielgruppen öffnete. Zusätzlich habe die Sozialpolitik die Menschen in den VdK getrieben: Die Kluft zwischen reichen und armen Menschen sei größer geworden, sagt Lang.

Der VdK berät seine Mitglieder zu Rente, Kranken-, Pflege-, Unfallversicherung, Behinderung, Hartz IV und Grundsicherung im Alter. Seine elf hauptamtlichen Juristen haben allein im Jahr 2012 in gut 4000 Verfahren vor den Sozialgerichten mehr als 900 000 Euro erstritten. Die Nachfrage sei groß, sagt Lang. "Wir könnten locker doppelt so viele Juristen beschäftigen."

VdK-Geschäftsführer Peter Springborn räumt ein, dass viele Menschen seinen Verband immer noch mit Kriegsopfern in Verbindung bringen - oder ihn als Rentnerverband sehen. Das sei der VdK zweifelsohne auch, aber eben nicht nur. Das Durchschnittsalter der Mitglieder sei im Saarland 58 Jahre, sagt Lang. Sein größtes Potenzial sieht der VdK bei jungen Menschen, "die Rentner von morgen", die auf "Lobby-Arbeit gegen Altersarmut" angewiesen seien. Zudem will sich der VdK neue Aufgaben erschließen: die Beratung rund um das Thema Wohnen im Alter und die Vertretung der Interessen von Patienten.

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