Sozialpass für Zoo und Museen bisher Flop

Regionalverband. Rolf Linsler war am Ziel. Das wohl wichtigste Projekt seiner Linken-Fraktion hatte im Saarbrücker Stadtrat soeben die entscheidende Hürde genommen. In seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause gab der Stadtrat mit den Stimmen von SPD, Linken und Grünen den Weg zur Einführung eines Sozialpasses frei. Wenige Tage später, am 1

Regionalverband. Rolf Linsler war am Ziel. Das wohl wichtigste Projekt seiner Linken-Fraktion hatte im Saarbrücker Stadtrat soeben die entscheidende Hürde genommen. In seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause gab der Stadtrat mit den Stimmen von SPD, Linken und Grünen den Weg zur Einführung eines Sozialpasses frei.Wenige Tage später, am 1. Juli, wurde der Pass unter der Bezeichnung Sozial-Card eingeführt. "Das ist ein wichtiger Schritt gegen die Ausgrenzung", hatte Linsler, Vorsitzender der Linken-Stadtratsfraktion und Chef der saarländischen Linken, im Stadtrat verkündet.

Die bisher vermeintlich Ausgegrenzten wollen diesen Schritt aber offenbar nicht mitgehen - jedenfalls nicht scharenweise. Rund 45 000 Menschen im Regionalverband Saarbrücken haben Anspruch auf die Sozial-Card, teilte Regionalverbands-Pressesprecher Stefan Kiefer auf SZ-Anfrage mit. Bis gestern hatten aber nur rund 800 eine Karte beantragt. Es sei "noch zu früh", das zu bewerten. Dass es den Pass gibt, habe "sich noch nicht rumgesprochen". Dabei hatte die Saarbrücker Linke mit Flugblättern und in den Medien heftig für den Pass geworben. "Sozial-Card-Inhaber müssen künftig in allen städtischen Schwimmbädern nur noch die Hälfte des Eintrittspreises zahlen und können die Stadtbibliothek kostenlos nutzen. Sie bekommen ermäßigte Eintritte etwa im Zoo, im Filmhaus und in den Saarbrücker Museen der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz. Auch bei der Musikschule gibt es 50-Prozent-Ermäßigung. Und für Bus und Saarbahn wird es deutliche Rabatte für Jahres- und Monatskarten geben. Ich denke, unsere Anstrengungen haben sich gelohnt, dieser Sozialpass kann sich sehen lassen", schwärmte Linsler.

Klar, sagt Armin Kuphal, "es dauert eine Weile, bis sich so etwas rumgesprochen hat." Der Pionier der Gemeinwesenarbeit in Saarbrücken sieht aber vor allem "einen gesunden Widerwillen gegen solche Ausgrenzungskarten". Kuphal, der lange als Sozialarbeiter auf dem Wackenberg gearbeitet hat und im Vorstand des Paritätischen Wohlfahrtsverbands sitzt, sieht in der Sozial-Card vor allem eins: "viel Symbolpolitik".

Der Pass sei "nicht wirklich nützlich". Das wäre er als Freifahrtschein für Bus und Bahn. Ins Museum oder in den Zoo gehe man aber nicht so oft, als dass man sich dafür "selbst beschädigt", "sich abdrängen und entwerten lässt" durch den Gang zum Amt, um diesen Pass zu bekommen. "Kinder legen im Schwimmbad lieber einen Euro auf den Tisch als so eine Karte", sagt Kuphal. "Geschenke sind immer eine delikate Angelegenheit", weiß er. Die Politik solle sich daher das Desinteresse an der Karte nicht schönreden. "Wenn Menschen es nicht wollen, dann deshalb, weil dieses Ding doof ist."

rvsbr.de

Hintergrund

Den Sozialpass gibt es seit Anfang Juli im gesamten Regionalverband. Zu haben ist er nach Auskunft von Regionalverbands-Pressesprecher Stefan Kiefer über die Regionalverbandsverwaltung. Der Regionalverband selbst gewährt Inhabern des Passes Nachlässe auf die Gebühr für Volkshochschulkurse und auf den Eintritt ins Historische Museum. Über weitere Vergünstigungen entscheiden die Kommunen im Regionalverband in eigener Verantwortung.

Schon seit 1995 existiert die saarlandweite Aktion "Kunst umsunst", die Menschen mit kleinem Einkommen Gratis-Eintrittskarten für Kulturveranstaltungen vermittelt. dd

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