Sommertour zu den Armen in der Landeshauptstadt

Der Vorsitzende der Saarländischen Armutskonferenz, Wolfgang Edlinger, führte gestern eine Delegation der CDU-Landtagsfraktion mit Staatssekretärin Gabi Schäfer durch Saarbrücken, wo die Politiker sich über die Armut in der Stadt informieren wollten.

Mit einem Pflänzchen in Händen und einem Lächeln auf den Lippen kommt Herbert aus dem kleinen Hunde-Gärtchen der Saarbrücker Wärmestube. "Ich bin der Herbert", stellt er sich den christdemokratischen Landtagsmitgliedern um Staatssekretärin Gabi Schäfer und Fraktions-Vorstandsmitglied Hermann Scharf vor. Nachnamen interessieren in der Wärmestube nicht - auch nicht, wenn prominente Politiker einen Besuch abstatten. Auf ihrer Sommertour wollte die Delegation die Armut in der Landeshauptstadt erkunden, und der Vorsitzende der Saarländischen Armutskonferenz, Wolfgang Edlinger, hatte sie zunächst zum Bahnhof geführt - und dann in die Wärmestube, die er vor 15 Jahren mitinitiierte. "Was bedeutet die Wärmestube für dich?", beginnt er sein kurzes Interview, und Herbert antwortet: "Das hier ist wie Familie für mich, wenn sonntags und mittwochs hier zu ist, dann habe ich schon so etwas wie Entzug."

Dass die Wärmestube auch aus anderen Gründen eine gute Sache ist, erfahren die Landespolitiker von Beate. "Sie ist hier so etwas wie eine Qualitätsbeauftragte, kontrolliert zum Beispiel, ob ordentlich geputzt wurde", stellt Edlinger sie vor. "Die Wärmestube hat mir geholfen, vom Alkohol wegzukommen", berichtet Beate. Der Job in der Einrichtung war für sie damals Anreiz, eine Therapie zu starten. Edlinger vermutet: "Weil da ein Ziel war, hat sie es geschafft." Beate ist auf ihre Leistung stolz: "Ich habe 20 Jahre betäubt mit Alkohol auf der Straße gelebt, jetzt bin ich seit sechs Jahren trocken."

Während Herbert draußen seinen kleinen Blumenstrauß vervollständigt, mit dem er seinen Beitrag zum gemütlichen Familiennest leisten will, betreten drei osteuropäische Armutsflüchtlinge das Gelände. Sie werden der Gruppe später noch einmal über den Weg laufen.

Die Begegnungen in der Wärmestube sind an diesem Tag die erste geballte Konfrontation der CDU-Politiker mit armen Saarländern - aber die sind nicht zum Reden aufgelegt. Es ist Frühstückszeit. Brot, Wurst, Obst für 50 Cent. Ein symbolischer Beitrag, damit die Bedürftigen nicht das Gefühl haben, ein Almosen zu bekommen.

Am Bahnhof, wo die Sommertour-Etappe begonnen hatte, war zu früher Stunde kein Armer zu entdecken gewesen. Auch keine Straßenstricher, die laut Edlinger eher in den Abendstunden zahlreich anzutreffen sind. Von der Wärmestube in St. Johann geht die Gruppe nach Malstatt. "Hier macht der Verein Zweite Chance paritätische Sozialarbeit", informiert Edlinger, als er unvermittelt in der Klausener Straße stoppt und in einen Hinterhof zeigt. Der Verein kümmert sich um straffällig gewordene Jugendliche und unterhält dort eine Schreinerei. "Die Kirchen machen hier viel, genauso die Gemeinwesenarbeit, wie in vielen solcher Stadtteile", sagt Edlinger auf dem Weg die Pfarrer-Bungarten-Straße hinauf. Und an der Frankenstraße trifft die Delegation dann wieder die osteuropäischen Armutsflüchtlinge.