1. Saarland
  2. Saarbrücken
  3. Landeshauptstadt
  4. Nachrichten aus Saarbrücken

"Sommermusik" lockte mit vielen GlanzlichternMeisterlicher Solist

"Sommermusik" lockte mit vielen GlanzlichternMeisterlicher Solist

Saarbrücken. Durchweg gut bis sehr gut besucht war die Saison 2011 der Saarbrücker Sommermusik. Die Akzeptanz des mit 40 Terminen konzertreichsten Musikfestivals weit und breit nimmt über die Jahre stetig zu. Diese erfreuliche Bilanz zieht der künstlerische Leiter Thomas Altpeter vom Saarbrücker Kulturamt

Saarbrücken. Durchweg gut bis sehr gut besucht war die Saison 2011 der Saarbrücker Sommermusik. Die Akzeptanz des mit 40 Terminen konzertreichsten Musikfestivals weit und breit nimmt über die Jahre stetig zu. Diese erfreuliche Bilanz zieht der künstlerische Leiter Thomas Altpeter vom Saarbrücker Kulturamt. Neben Quantität mangelte es dem originell zwischen Jazz, Kammermusik, Neuer Musik und Musiktheater verorteten Festival keineswegs an Qualität: Zu den Glanzlichtern zählten Beiträge wie Wollie Kaisers "Les fleurs du mal", der Szenische Liederabend "Traum verfolgt" und die Auftritte der Pianistin Kim Jung-Eun, des Cellisten Michael Dehnhoff, des Ensembles Unterwegs und der Großformationen InZeit und Kammerorchester Ricercare.Altpeter bereitet schon die Sommermusik 2012 vor und plant wieder viele Konzerte in der Bischmisheimer Schinkelkirche. Das Sommermusik-Prinzip des "historisch-literarischen Themas" behält er bei. Wegen der Überraschung möchte Altpeter das Motto 2012 freilich noch nicht verraten. Nur soviel: Das Thema soll "zeitlich weiter zurückliegen" als der Fokus 2011, der auf der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert lag. Wieder muss Altpeter, der die Saarbrücker Sommermusik im Alleingang neben seiner Arbeit im Kulturamt organisiert und leitet, ohne finanzielle Zusagen planen. Die Zitterpartie wegen der Zuschüsse - 15 000 Euro im Jahrgang 2011 - scheint vorprogrammiert. Oft genug nehmen seine Künstler für einen einzigen Sommermusik-Auftritt einen Riesenaufwand an Recherche und Probenarbeit auf sich. Daran, dass er sie eines Tages angemessen entlohnen kann, glaubt Altpeter, "wie es im Moment ausschaut, nicht". Saarbrücken. Großer Andrang beim Finale der Saarbrücker Sommermusik im Rathausfestsaal mit dem Kammerorchester Ricercare. Kein Leichtes war der Start mit Wagners "Siegfried Idyll" (1870), blieben beim filigran orchestrierten Einstieg selbst minimale Differenzen etwa beim Vibrato der Streicher nicht verborgen. Freilich ließ es Dirigent Götz Hartmann nicht an langem Atem und weiten Gestaltungsbögen fehlen, um das dynamische Relief penibel nachzuzeichnen. Ambivalente Züge trug das "Idyll" des saarländischen Komponisten Daniel N. Seel. Im Zentrum von Seels Auseinandersetzung mit Vergangenheit, Tradition, Rezeption stand selbstredend Wagner. Pfiffig die Idee der wie bei einer defekten Schallplatte in einer Endlosschleife wiederholten Zitatbausteine. Der verstörenden Magie der zunehmend albtraumhaften Atmosphäre von Seels sphärischem Klanggespinst konnte man sich schwerlich entziehen.

Unbeschwerter Wohlklang regierte schließlich bei Richard Strauss' spätem Oboenkonzert (1945): Veit Stolzenbergers facettenreiches Spiel mit geschmeidigem Oboenton war meisterlich. uhr