Sommermusik: Die Welt des Sommernachtstraums

Das 19. Jahrhundert und die Romantik waren Thema der Saarbrücker Sommermusik 2014. Zum Finale des Festivals spielte das Kammerorchester Ricercare auch eine Uraufführung.

Wenn Thomas Altpeter eine Lodenjacke anzieht, dann ist Saisonfinale der Saarbrücker Sommermusik: So am Sonntag im SR-Sendesaal, wo der Festivalchef noch einmal sein für dieses Jahr auserkorenes Themenfeld in Erinnerung rief: das 19. Jahrhundert, die Romantik und als Instrumentenschwerpunkte die Holzbläser und Streicher. Darum drehte sich auch das Abschlusskonzert mit dem Kammerorchester Ricercare unter Leitung von Götz Hartmann.

Felix Mendelssohn-Bartholdys Nocturno für Bläser, vom Komponisten anno 1824 im jugendlichen Alter von 15 Lenzen verfasst, entführte sogleich mitten in frühromantische Gefilde und, so Altpeter, "in die Welt des Sommernachtstraums". Die entspannte und schnörkellose Wiedergabe des sorgfältig vorbereiteten Ensembles erlaubte ein genussvolles Eintauchen in die berückende nächtliche Aura mit der anschließenden gelösten Jagdstimmung. Abendfüllend sorgte Hartmann für ausgelotete Klangverhältnisse: Stimmen und Details traten plastisch hervor; der Dirigent ließ die Musik ausschwingen und atmen. Ganz besonders galt dies für die frühe Serenade Nr. 2 op. 16 von Johannes Brahms , die mit ihrer ungewöhnlichen Besetzung - der Komponist verzichtet völlig auf Violinen! -, dem entsprechend gedämpften Klang und der für eine Unterhaltungsmusik ungemein kunstvollen Manufaktur die spätere Brahms-Handschrift andeutet. Ebenso wie einige leidenschaftliche Aufwallungen ließen Hartmann und Ricercare den in mancherlei rhythmischen Ostinati durchscheinenden leichten Puls fühlen und gaben dem Werk, was ihm gebührt - inklusive der heiteren "echten" Serenadenlaune im Schluss-Allegro.

Die Uraufführung des Abends kam von dem in seiner Heimat Ecuador, in Freiburg, Bremen und Köln ausgebildeten Komponisten Julián Quintero Silva (geboren 1983): In den ultraknappen "Drei Etüden für Kammerorchester" trafen helle Spannungsklänge auf rhythmische Pizzicati und scheinbar dem romantischen Repertoire entlehnte Zitat-artige melodische Gesten.

Im Gespräch mit Hartmann berichtete Silva von Binnenverbindungen zwischen den Miniaturen, die teils sogar in mehrere "Sätze" untergliedert waren. Zum besseren Einfühlen ließ das Kammerorchester den Mikrokosmos ein zweites Mal live passieren. Dennoch wünschte man, von Silva ein längeres Opus zu hören, vielleicht ja bei einer der nächsten Saarbrücker Sommermusiken . . .

Epilog am Mittwoch, 5. November, 19 Uhr, Saarlandmuseum : Kammer-Musiktheater "Wunder Knabe Horn". Eintritt frei.