Skurriles aus 150 Jahren Bahnhofstraße

Saarbrücken · Sie ist die bedeutendste Einkaufsstraße im Saarland. Im Jahr 1864 wurde die Bahnhofstraße erstmals genannt und hatte in den 30er Jahren Tanzcafés, die sich hinter denen an der Côte d'Azur nicht zu verstecken brauchten. Eine Ausstellung und ein Bildband zeigen jetzt, wie sich die Straße in 150 Jahren entwickelt hat.

 Im Hauberrisser Saal im Rathaus feiert die Stadt das „Schaufenster des Lebens – 150 Jahre Bahnhofstraße" mit einer Ausstellung. Foto: Buss

Im Hauberrisser Saal im Rathaus feiert die Stadt das „Schaufenster des Lebens – 150 Jahre Bahnhofstraße" mit einer Ausstellung. Foto: Buss

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In den 50er Jahren konnte man im PK-Kaufhaus, heute Kaufhof, Affen bestaunen, die hier Obdach erhielten, wenn es im Zoo zur Winterzeit zu kalt wurde. Noch in den 70er Jahren , weiß Stadtarchiv-Leiter Hans-Christian Hermann, stellte ein Ledergeschäft in der Bahnhofsstraße in seinem Schaufenster neben Kroko-Taschen einen lebendigen Alligator aus. Von solchen Kuriositäten, aber auch von Innovationen, Wandel im Handel und in der Arbeitswelt berichtet jetzt ein dicker Bildband und eine kleine Ausstellung, die heute Abend im Hauberrisser Saal des Saarbrücker Rathauses eröffnet.

Unter dem Titel "Schaufenster des Lebens - 150 Jahre Bahnhofstraße" feiert die Stadt damit das runde Jubiläum der bedeutendsten Einkaufstraße des Saarlands. Die Bahnhofstraße, deren Namen sich 1864 erstmals nachweisen lässt, war schon immer die modernste: Hier gab es Anfang des 20. Jahrhunderts neben zahlreichen handwerklichen Fachgeschäften die ersten Warenhäuser, später die erste Rolltreppe, 1924 die erste Zahnärztin Deutschlands und Tanzcafés, so schick wie die an der Côte d'Azur. Daneben gibt sich die Ausstellung im Hauberrisser Saal eher bescheiden. Im Puppenstubenformat lässt sie unter anderem die Baugeschichte, Kriegszerstörung, die Wiederaufbaupläne des französischen Kumi-Architekten Pingusson, die ersten Experimente mit der Fußgängerzone mit historischen Ansichtskarten, Fotos oder auch Zeitungsannoncen Revue passieren. Aus Kinosesseln kann man Filmaufnahmen der Bahnhofstraße von 1905 bis heute verfolgen.

Das Buch wiederum erweist sich als üppige Fundgrube. Neben zahlreichen Fotos aus dem Stadtarchiv, von Geschäften und Privatleuten erfahren Leser etwa von der großen Bedeutung der jüdischen Kaufmannschaft, man erhält Einblick in die Branchenvielfalt von damals bis heute und spannende Geschichten, die ehemalige Verkäuferinnen und Dekorateure erzählen.

Expo: bis 17. Februar, Hauberrisser Saal, geöffnet montags bis freitags 9 bis 18 Uhr, samstags 10 bis 16 Uhr.

Das Buch: Hans-Christian Hermann/Ruth Bauer/Kathrin Schmidt (Hrsg.), "Schaufenster des Lebens - 150 Jahre Bahnhofstraße", Edition Schaumberg, 400 Seiten, 29,95 Euro.

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