Sie sind der Rettungsanker für alle Schüler

Egal ob Liebeskummer, Streit mit Kameraden, Depressionen, Essstörungen oder Verzweiflung über die Eltern – die Kinder an der Gemeinschaftsschule Bruchwiese wissen, wo sie Gehör und Hilfe finden; bei ihrer Schoolworkerin und ihrem Schulsozialarbeiter.

Es klingelt zur großen Pause. Die Kinder stürmen auf den Schulhof. Tina Busche und Patrick Schneider horchen auf. Jetzt klopft es häufig an ihrer Tür. Busche ist Schoolworkerin und Schneider Schulsozialarbeiter an der Gemeinschaftsschule Bruchwiese.

Wer bei ihnen vor der Tür steht, hat meistens etwas auf dem Herzen. Das können Lappalien sein, Liebeskummer und kleinere Streitereien, aber auch Dinge, die den Kindern schwer auf der Seele liegen: Sie leiden an Depressionen, haben Essstörungen, ihre Eltern vernachlässigen oder misshandeln sie.

Egal, um welches Problem es geht, Tina Busche und Patrick Schneider sind für die Kinder und Jugendlichen da. Sie kennen die meisten der rund 340 Schüler bereits seit der fünften Klasse und wissen um ihre Geschichte. "Es dauert lange, bis Kinder sich öffnen", sagt Busche, "aber da wir sie schon so lange kennen, haben wir auch ein besonderes Vertrauensverhältnis." Die Schüler kommen gerne zu der Schoolworkerin und dem Schulsozialarbeiter; denn hier bekommen sie immer Hilfe. "Was die Kinder uns erzählen, behandeln wir vertraulich. Das wissen sie auch", erklärt Busche, "je nach Problemlage können wir dann die Eltern oder Lehrer miteinbeziehen." Bei besonders schwerwiegenden Problemen nimmt die Schoolworkerin auch Kontakt zu Therapeuten, dem Jugendamt oder der Polizei auf. Doch Busche und Schneider helfen nicht nur dann, wenn bereits ein Problem besteht, sondern treffen auch viele Präventionsmaßnahmen. So ist Schneider beispielsweise Antiaggressionstrainer und zeigt den Schülern mit Hilfe von Übungen und beim Nachspielen verschiedener Gewaltsituationen, wie sie Konflikte lösen können, ohne dabei Gewalt anzuwenden.

Ein weiteres großes Thema, von dem immer mehr Kinder und Jugendliche betroffen sind, ist Cybermobbing. Psychische Gewalt oder Mobbing - so erläutert Busche - haben sich in den letzten Jahren immer mehr in die sozialen Netzwerke verlagert. Deshalb hat Busche extra eine Fortbildung im Bereich Medienkompetenz gemacht, um ihren Schülern auch bei diesen Problemen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

So klärt sie die Kinder und Jugendlichen über ihre Persönlichkeitsrechte auf, zeigt ihnen wie sie ihre Daten im Internet schützen und wie sie es vermeiden, Opfer von Straftaten zu werden. Die verschiedenen Projekte tragen Früchte. "Oftmals machen die Kinder sich schon gegenseitig auf Fehler aufmerksam", erzählt Busche, "viele Konflikte können sie jetzt auch selber lösen." Manchmal müssten die Schoolworker nur noch dabei sein, um einen geschützten Rahmen zu schaffen, erklärt Schneider, das trage dazu bei, dass die Kinder sich verantwortungsbewusster verhalten.

Das alles stehe und falle aber mit der täglichen Präsenz der Schoolworker an der Schule. "Die sind heut nicht mehr wegzudenken", sagt die Leiterin der Gemeinschaftsschule Bruchwiese, Pia Götten, "für die Lehrer alleine ist das heute nicht mehr leistbar."