Sie brachten die Aufreger auf die Bühne

Saarbrücken

Saarbrücken. Längst ist uns ihr kabarettistisch fundierter Jahresrückblick aus nachbarschaftlich verquerer Sicht zur lieb gewonnenen Läster-Tradition geworden; im verflixten siebten Jahr hatten Brunner & Barscheck alias Peter Tiefenbrunner und Barbara Scheck nun allerdings mit der Tücke des Objekts zu kämpfen: Irgendwann streikte am Samstag im Domicil Leidinger der CD-Player, so dass B&B ihre frechen Neubetextungen bekannter Melodien ohne Playback-Gedudel a cappella singen mussten.

Der Abend startete mit einem gekrähten "Gunaaamd!" zu Ehren des just verstorbenen Mainzelmännchen-Vaters Wolf Gerlach, anschließend durften etliche Aufreger lokalen und globalen Ausmaßes Revue passieren. Von der geplatzten Jamaika-Koalition über die Eskapaden des "Schnäppchen-Wulffs" bis zur nunmehr zehn Jahre währenden "gefühlten" Euro-Inflation; von der angeblichen Griechenlandrettung der mit der Sparpeitsche bewaffneten "Euro-Domina" Merkel über Heilsbringer Joachim Gauck bis zum fröhlich dilettierenden "Wirtschaftsministranten" Rösler.

Nicht fehlen durften auch die Debatten um die Beschneidung, den Israel-Kommentar des späten Blechtrommlers Günther Grass und das als "Beruhigungsschnuller für den plärrenden Seehofer" geschmähte Betreuungsgeld. Nicht zu vergessen die "Maulwürfe" im Vatikan, die sportiven Rekorde sexueller Art im olympischen Dorf, die Energiewende, der "gerontologische Kolonialismus" der deutschen Rentenpolitik, die Wiederwahl Obamas und der Bruchstart Steinbrücks.

Komischer Höhepunkt war ein Kasperletheater über Verkehrsminister Ramsauer, und als Schlagzeile des Jahres könnte "Berlin kriegt keinen hoch" herhalten, passend zum Flughafen-Debakel. Ehrensache, dass die Feministin Barscheck an Alice Schwarzers 70. Geburtstag gemahnte und Macho Brunner mit dem 40Jährigen des Playboy dagegen hielt.

Eingangs erinnerten B&B auch an diverse andere Jubiläen, von 40 Jahren Sendung mit der Maus bis zu 50 Jahren Rolling Stones. Dass die beiden dann wie immer Monat für Monat abfeierten, weckte beim Publikum diesmal erstaunliche Erwartungshaltungen: "Der Dezember hat gefehlt", monierte ein Besucher. "Aber das kann man den beiden ja eigentlich nicht vorwerfen." Nein, das kann man zum aktuellen Zeitpunkt nun wirklich nicht.

Wieder zu sehen am Samstag, 15. und 22. Dezember, 19.30 Uhr. Infos: www.domicil-leidinger.de.