Serienbrandstifter von Saarlouis zu vier Jahren Gefängnis verurteilt

Serienbrandstifter von Saarlouis zu vier Jahren Gefängnis verurteilt

Trauriges Schicksal: Als Kind wurde ein Saarländer adoptiert. Als Student suchte er seine leibliche Familie. Als er sie gefunden hatte, kam er ins Grübeln. Er stürzte ab, lief nächtelang herum, zündete Autos an. Nun wird er eingesperrt.

. Das Landgericht Saarbrücken hat einen Ex-Studenten wegen einer Serie von Brandstiftungen zu vier Jahren Gefängnis und der Unterbringung in der geschlossenen Psychiatrie verurteilt. Der 34-Jährige hatte im Februar und März dieses Jahres in Wallerfangen, Dillingen, Saarlouis, Rehlingen-Siersburg und Nalbach jeweils nachts zehn Autos angezündet. Die Wagen standen meistens in Carports oder Garagen , die an Häuser angebaut sind, in denen Menschen schliefen. Außerdem verschüttete der Angeklagte auf einer Terrasse Benzin und zündete es an. Insgesamt entstand ein Sachschaden von 350 000 Euro. Teilweise wurden die betroffenen Wohnhäuser außen durch die Brände beschädigt. Aber keines der Gebäude fing Feuer und niemand wurde verletzt.

Der Angeklagte hat die Taten eingeräumt. Der spätere Brandstifter wurde als Kind adoptiert und wuchs im Saarland in bürgerlichen Verhältnissen auf. Laut Aussage von Zeugen wirkte er als junger Erwachsener nach außen ruhig, selbstbewusst und zielorientiert. Gleichzeitig war er aber auch irgendwie unnahbar, wenn es um sein Innerstes ging. Er studierte Jura, wollte Karriere machen und eine Familie gründen. Als seine damalige Freundin und er konkret darüber nachdachten, Kinder zu bekommen, wollte der Angeklagte mehr über seine Wurzeln und seine leibliche Familie wissen. Das Ergebnis warf ihn aus der Bahn. Seine leiblichen Eltern lebten zur Zeit seiner Geburt in sehr schlechten Verhältnissen. Sie konnten oder wollten sich nicht um ihn kümmern und gaben ihn zur Adoption frei. Darüber reden konnte er mit seiner leiblichen Mutter nicht mehr, sie war bereits gestorben. Und mit dem leiblichen Vater und seinen leiblichen Geschwistern funktioniert es wohl nicht so, wie erhofft.

Daraufhin geriet das bisher so geordnete Leben des jungen Mannes aus der Bahn. Er konnte nicht mehr richtig studieren, grübelte nächtelang. Schließlich beendete er das Studium ohne Abschluss, sagte es aber niemanden. Nach außen machte er weiter wie gehabt. Das flog auf. Es gab Streit in seiner Beziehung, er versuchte sich in zahlreichen Jobs. Zuletzt lief er trotz einer Therapie nächtelang durch die Straßen. Er fuhr zu den Plätzen, die in seiner Jugend etwas bedeutet hatten, ging dort spazieren und grübelte. Dabei sei der Druck in ihm immer größer geworden, so der Angeklagte vor Gericht. Dann habe er irgendein Auto gesehen und es angezündet. In dem Moment, als die ersten Flammen kamen, sei der Druck in seinem Kopf weniger geworden und er sei weggegangen. Es sei ihm ums Anzünden der Autos gegangen. Er habe keine Häuser anstecken und keine Menschen verletzten wollen, betonte der 34-Jährige.

Die Richter billigten dem Mann eine verminderte Schuldfähigkeit wegen seiner langjährigen, schweren und aggressiven Depression zu. Gleichzeitig stellten sie fest, dass wegen dieser psychischen Erkrankung die Gefahr von Wiederholungstaten bestehe. Deshalb ordneten sie zum Schutz der Allgemeinheit die zunächst unbefristete Unterbringung des Angeklagten in der geschlossenen Psychiatrie für gefährliche Straftäter in Merzig an. Dort könne der Mann eine Therapie absolvieren, hieß es.

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