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Seine Rettung hilft auch Menschen

Retriever-Rüde Butch hat die große Operation wegen des Trümmerbruchs gut überstanden. Die Hilfsaktion der Tierversuchsgegner und der Sozialarbeiterin Christel Kohl machte den 1000 Euro teuren, weil komplizierten Eingriff überhaupt möglich. Foto: Astrid Frauendorf
Retriever-Rüde Butch hat die große Operation wegen des Trümmerbruchs gut überstanden. Die Hilfsaktion der Tierversuchsgegner und der Sozialarbeiterin Christel Kohl machte den 1000 Euro teuren, weil komplizierten Eingriff überhaupt möglich. Foto: Astrid Frauendorf FOTO: Astrid Frauendorf
Saarbrücken. Viele Obdachlose wissen weder ein noch aus, wenn ihr Hund schwer krank oder verletzt ist. Dabei ist er meist ihr bester Freund. Sozialarbeiter und Tierschützer sorgen dafür, dass diese Hunde zum Arzt können. Doch die Zahl der Fälle steigt ständig. Die der Spender – noch – nicht. Das bringt das gesamte Projekt in Gefahr. Frank Kohler

Es war ein ungleicher Kampf zwischen zwei Rüden. Der zierliche Retriever Butch hatte gegen den großen, starken Kontrahenten keine Chance. Der richtete mit seinen kräftigen Zähnen eine Hinterhand Butchs übel zu. Aus Blut und zerfetztem Fleisch ragte ein zertrümmerter Knochen. 1000 Euro kostete die Operation, die Butch rettete. Sein verzweifeltes Herrchen hatte das Geld nicht. Butch und sein bester Freund profitierten von einer Tierhilfe, die letztlich jungen Menschen guttut. Dahinter stehen der Verein "Menschen für Tierrechte - Tierversuchsgegner Saar". Und Sozialarbeiterin Christel Kohls.

"Die Tiere gehen mit ihren Menschen durch dick und dünn. Sie geben ihnen Stabilität über viele Stationen ihres Lebens - das Wichtigste für die meist sehr jungen Leute", sagt die Mitarbeiterin des SOS-Jugenddienstes.

Also wollen Kohls und Rolf Borkenhagen von den Tierversuchsgegnern, dass die Hunde gesund bleiben oder wieder werden. Auch dann, wenn ihre Besitzer zu arm sind, einen Tierarzt aufzusuchen. Dafür erhalten sie in der Karcherstraße Berechtigungsscheine. Die geben die Hundehalter dem Tierarzt. Der bekommt das Geld von den Tierversuchsgegnern. Geld , das Spender zur Aktion beisteuern. Aber der Kampf um jeden Cent wird immer härter.

Gleichzeitig wächst die Zahl der schweren Fälle. 19 waren es 2013. In diesem Jahr wandten sich bereits 24 Hilfesuchende an Kohls. "Das waren immer ausgesprochene Notfälle wegen schwerer Verletzungen oder Krankheiten", sagt Kohls. Ihre Klientel verstehe durchaus, dass sie für alltägliche Ausgaben - etwa Impfungen - selbst geradestehen muss.

Die Tierliebe dieser Menschen, meist Männer zwischen 20 und 40, beeindruckt die Sozialarbeiterin immer wieder. "Von Vernachlässigung der Hunde kann keine Rede sein. Wenn die Besitzer irgendwie können, zahlen uns diese Menschen, die nicht auf Rosen gebettet sind, sogar etwas von dem Geld zurück."

Das wird, wie die paar hundert Euro pro Jahr von der Tierschutzstiftung Saar , nicht reichen. Also werben Rolf Borkenhagen und Christel Kohls für ihre Hilfsaktion, die Tiernot lindert - und deswegen den Menschen guttut.

"Unser System mit Berechtigungsscheinen verhindert Missbrauch von vornherein", sagt Borkenhagen.

Informationen über Fördermöglichkeiten bei Christel Kohls, Telefon (06 81) 3 04 69.