Sein Traum: ein Theaterhaus

Martin Huber hat sich in Saarbrücken als Schauspieler, Regisseur, Autor und Musiker mit Solo-Produktionen einen Namen gemacht. Sehr beliebt waren seine philosophisch-musikalischen "Monologe am Klavier".

Saarbrücken. "Kunst soll reflektieren und ein Korrektiv zur Auseinandersetzung sein", sagt Martin Huber. Doch genau da setzt sein Problem an: "Dafür bräuchte es finanzielle Freiheit." Und die hat ein freischaffender Künstler in der Regel nun mal eher selten. Huber weiß: Inszeniert er einen Arthur Schnitzler, kriegt er wenig bis keine öffentliche Förderung; macht er was Eigenes, wird er zwar kulturpolitisch gefördert, riskiert aber, dass wenig Zuschauer kommen.Martin Huber, 1964 in Esslingen geboren und in Graz ausgebildet, verschlug es 2006 nach Saarbrücken, als seine Ehefrau Saskia Petzold vom Theater Konstanz ins Schauspiel-Ensemble des Saarländischen Staatstheaters wechselte. In Saarbrücken hat Huber sich als Schauspieler, Regisseur, Autor und Musiker mit seinen Solo-Produktionen einen Namen gemacht, darunter mehreren Folgen seiner philosophisch-musikalischen "Monologe am Klavier". 2009 tat er sich mit dem Schau- und Figurentheaterspieler Dietmar Blume zur "Theaterproduktion Blume & Huber" zusammen, die beim dritten Projekt "Mondscheinsonate" um die Schauspielerin Giorgia Cavini erweitert wurde. Da Blume derzeit mit seinen eigenen Soloprojekten (Théâtre Skurril) viel unterwegs ist, wird Huber mit Cavini die nächste freie Inszenierung (Arbeitstitel "Klaviatur") im Duo realisieren. "Ich könnte ein Publikum haben, an das ich aber nicht 'rankomme, weil ich dafür mehr Geld und größere Strukturen bräuchte", überlegt Huber. Er träumt von einem Theaterhaus für die freie Szene, "in dem unter professionellen Bedingungen drei bis vier Produktionen jährlich machbar sind." Davon, dass Off-Theater als gleichberechtigte kulturpolitische Säule neben dem klassischen Subventionstheater steht. Kurz: von anderen strukturellen Verhältnissen. Davon träumt Huber nicht nur, dafür kämpft er auch: Als Vorstandsmitglied des "Netzwerks Freie Szene Saar" leistet er zugleich Bundesarbeit im BuFT (Bundesverband Freier Theater). Wobei ehrenamtliches kulturpolitisches Engagement durch einen schmalen eigenen Geldbeutel nicht gerade erleichtert werde, wie er einräumt. Und da die öffentlichen Kassen ebenfalls knapp gefüllt sind, heißt es realistisch bleiben: Innovativ sein oder den Markt bedienen? "Manchmal habe ich das Gefühl, dass für meine Sachen gar kein Markt vorhanden ist", sagt Huber und lacht. Gibt es für Nischen-Produktionen überhaupt einen Markt, wenn der von Trends und Förderern diktiert wird? Konkret kann Huber pro Jahr eine freie Produktion stemmen, finanziell hält er sich mit theaterpädagogischen Projekten über Wasser. Dafür immerhin wachse der Markt, registriert er: Das Amateurtheater strebe nach Professionalisierung. Viele Jobs entstünden auch im sozial-integrativen Bereich. So kümmert sich Huber im Projekt "Sommerschule" des Kultusministeriums um die Förderung von Migrantenkindern und macht Schultheater an einem Gymnasium in Wadern. Für das LPM (Landesinstitut für Pädagogik und Medien) hält er Kurse zur Lehrerfortbildung im Fach Darstellendes Spiel. Den Verein "2. Chance Saarland" berät er bei einzelnen Projekten in Sachen Regie, und im vergangenen Jahr machte er in Kooperation mit dem Jugendamt ein Projekt mit einem Rapper. "Die Tendenz geht zu Kultur als Dienstleistung", beobachtet Huber. "Das hat sicher seine Berechtigung. Aber die eigentliche Aufgabe ist es nicht. "