„Sehr begehrte Wertschätzung“

Die Architektenkammer des Saarlandes hat zum dritten Mal (nach 2006 und 2010) den Bauherrenpreis verliehen. Alle vier Jahre würdigt der Preis private, öffentliche und gewerbliche Bauherren, die sich in besonderer Weise um die Baukultur im Saarland verdient gemacht haben. In diesem Jahr wurden 57 Projekte eingereicht, gegenüber dem letzten Mal eine Verdoppelung. Auch die Qualität, gerade bei kleinen Projekten, stimme, freut sich Professor Heiko Lukas, Präsident der Architektenkammer des Saarlandes, im Gespräch mit SZ-Redakteur Peter Wagner.

Herr Professor Lukas, was habe ich eigentlich als Bauherr davon, den Bauherrenpreis zu bekommen?

Heiko Lukas: Der Preis ist inzwischen eine sehr begehrte Wertschätzung und große Anerkennung für das Engagement und die Vorbildfunktion der Bauherren. Die Auszeichnung mit dem Bauherrenpreis hebt die wichtige Rolle der Bauherren für die baukulturelle Entwicklung unseres Landes hervor. Er ist eine Ermutigung, für Aufgaben anspruchsvolle und mitunter auch unkonventionelle Lösungen zu finden.

Wie kriegt der Bauherr das hin?

Lukas: Ein guter Bau entsteht immer im Prozess durch ein vertrauensvolles und enges Zusammenwirken von Bauherrschaft und Architekt. Die Chemie sollte stimmen. Im kleinen Saarland kann dieses Zusammenspiel wegen der Nähe der Beteiligten sogar besser umgesetzt werden als sonstwo.

Was fiel ihnen bei den jüngsten Einreichungen auf?

Lukas: Insbesondere ist es die feinfühlige, sensible Einfügung vieler Objekte in die bestehende Bebauung. Es gab etliche sehr elegante, zurückhaltende, Beiträge, die sich nicht mit "Hier-bin-ich!"-Rufen in den Vordergrund stellen wollen. Qualität hat nichts mit Größe und Budget zu tun. Oft sind die kleinen Projekte die Juwelen. Jeder Bauherr, ich betone: Jeder kann mit seinem Architekten Qualität herstellen. Die Qualität der hiesigen Architektur braucht sich in keinster Weise hinter der in anderen Regionen zu verstecken.

In der Öffentlichkeit werden vor allem große Vorzeigeprojekte wahrgenommen.

Lukas: In der Tat gab es diesmal auch einige herausragende innovative Beiträge. Der Bauherrenpreis würdigt sie für ihren Mut zum Experiment. Ich nenne nur das Mehrfamilienwohnhaus auf der Bellevue in Saarbrücken , wo sich mehrere Bauherren und ein Architekt auf einen ganz neuen Weg begeben haben. Oder der Preis beispielsweise für den "Vertikalen Garten" in Saarlouis, der eine Antwort auf die stadträumlichen Konsequenzen des demographischen Wandels ist, unterstützt die Vorbildfunktion öffentlicher Bauherren.

Was ist dem Bauherrenpreis für die Zukunft zu wünschen?

Lukas: Da der Bauherrenpreis ein Spiegelbild des Baugeschehens im Land ist, wünsche ich mir, dass 2018 mindestens wieder so viele qualitätvolle Projekte eingereicht werden. Unser Ziel ist es, die Identität und Qualität der regionalen saarländischen Baukultur stetig weiterzuentwickeln, damit unsere Städte und Gemeinden auch in Zukunft ein Gesicht haben.

 Die Berliner Promenade. Foto: AKS/Heiko LukaS
Die Berliner Promenade. Foto: AKS/Heiko LukaS Foto: AKS/Heiko LukaS
 Der Umbau in der Gerberstraße 29. Foto: AKS/PEter STrobel
Der Umbau in der Gerberstraße 29. Foto: AKS/PEter STrobel Foto: AKS/PEter STrobel
 Die Kindertagesstätte in Völklingen. Foto: AKS/Norbert Miguletz
Die Kindertagesstätte in Völklingen. Foto: AKS/Norbert Miguletz Foto: AKS/Norbert Miguletz

Zum Thema:

HintergrundVier der sieben Preisträger sind im Regionalverband: Stadthäuser Melli-Beese-Straße in Saarbrücken : Baugemeinschaft Familien Becker, Müller/Rodriguez, Meister/Krämer, Zelinsky-Wibbelt, Diehl und Walz - FLOSUNDK architektur + urbanistik (Kategorie Wohngebäude); Umbau Gerberstraße 29 in Saarbrücken : Gebäudemanagement der Landeshauptstadt Saarbrücken (GMS) - Bayer & Strobel Architekten (Verwaltungs-, Büro-, Gewerbe-, Industriebauten); Kindertagesstätte in Völklingen: Mittelstadt Völklingen - arus GmbH / willi latz architektur + stadtplanung (Sport- und Bildungsbauten); Stadtmitte am Fluss/Berliner Promenade: Landeshauptstadt Saarbrücken /Baudezernat - Projektgemeinschaft Berliner Promenade Bierbaum.Aichele. Krüger + Krüger. Lukas und Lukas. Wandel Hoefer Lorch Architekten und Landschaftsarchitekten (Stadtplanung/Landschaftsarchitektur). red