Sehen, wie eine Idee wächst

St. Wendel/Saarbrücken. "So langsam, wie die Skulpturenstraße gewachsen ist - so ist auch der Film in Etappen entstanden." Das sagt Gabi Heleen Bollinger aus Homburg, die fünf Jahre lange an dem Film "Das geht nur langsam" gearbeitet hat. Dieser 115-minütige Streifen beschäftigt sich intensiv mit der Straße des Friedens und dem St. Wendeler Bildhauer Leo Kornbrust

St. Wendel/Saarbrücken. "So langsam, wie die Skulpturenstraße gewachsen ist - so ist auch der Film in Etappen entstanden." Das sagt Gabi Heleen Bollinger aus Homburg, die fünf Jahre lange an dem Film "Das geht nur langsam" gearbeitet hat. Dieser 115-minütige Streifen beschäftigt sich intensiv mit der Straße des Friedens und dem St. Wendeler Bildhauer Leo Kornbrust. "Mit den Drehzeiten haben wir uns an die Bildhauer angepasst; wir waren immer dann dabei, wenn neue Skulpturen geschaffen worden sind", fügt Bollinger hinzu. Jetzt ist der Dokumentar-Film - eine Koproduktion von Bollinger und Stefan Urlaß - fertig. Er wird im Rahmenprogramm des Max-Ophüls-Festivals gezeigt: am Mittwoch, 19. Januar, 17.30 Uhr, im Kino 8 1/2, Nauwieser Straße in Saarbrücken.

Aber nicht nur dort. Denn Cornelieke Lagerwaard, die Leiterin des Museums in St. Wendel, ist sich sicher, dass der Film auch in der Heimatstadt Kornbrusts zu sehen sein wird: "Mit Sicherheit im Kino, eventuell auch im Museum." Ein Termin stehe noch nicht fest. Sie selbst habe nur Teile der Dokumentation gesehen, sagt Lagerwaard, die zur Premiere fahren wird. Gehört habe sie nur Positives: "In dem Film werden alle Stationen der Skulpturenstraße dokumentiert, aber auch, wie die Bildhauer ihre Steine aussuchen oder wie Projekte finanziert werden." Aber es ist nicht nur ein Film über die Skulpturenstraße, wie Bollinger betont: "Wir zeigen eine Idee, nicht theoretisch, sondern erzählen die Idee in Geschichten. Wir zeigen ein europäisches Symposion, eben die Straße des Friedens. Sie ist ein Nein zu Dogmen und Ideologien."

Idee hat überlebt

Den Inhalt des Films beschreibt Bollinger so: Er gehörte zum Kreis der Avantgardisten des Atelierhauses Bateau Lavoir. Otto Freundlich, der deutsche Maler und Bildhauer lebte und arbeitete in Paris. 1937 benutzten die Nationalsozialisten eine seiner frühen Kopfskulpturen für das Titelblatt des Katalogs zur Propagandaausstellung "entartete Kunst". Im Alter von 65 Jahren wird er deportiert. Der Zug soll nach Polen in das Vernichtungslager Majdanek gefahren sein. Nach dem Zweiten Weltkrieg war Otto Freundlich in Deutschland vergessen. Die Spur ist verloren.

Die Idee hat überlebt. Ende der 1970er Jahre begann der Bildhauer Leo Kornbrust mit seinen Studenten der Münchner Kunstakademie an einer Skulpturenstraße im Saarland zu arbeiten und entdeckt Otto Freundlichs Pläne aus dem Jahre 1936. Spontan widmet er dem verehrten Kollegen seine Skulpturenstraße bei St. Wendel. Aus Freundlichs Idee der Solidarität und Brüderlichkeit wird bei Kornbrust die "Straße des Friedens - Hommage á Otto Freundlich". Während drei Jahrzehnten sind in ganz Deutschland Teilabschnitte entstanden, zur Jahrtausendwende war das Europaprojekt ausgereift. Kornbrust geht seit 2005 mit Bildhauern über die Grenzen. Seine Utopie: 3500 Kilometer - Skulpturen wie eine Perlenkette in der Landschaft - von Paris bis Moskau.

Im Film ist Kornbrust auf Spurensuche, trifft Menschen, die Freundlich vor den Nazis versteckten, erfährt, wie er verraten wurde, wo sein Leben zu Ende ging. Eine verlorene Spur wird wieder entdeckt, Skulpturen entstehen auf der "Straße des Friedens". Eine nach der anderen. Ganz langsam wächst eine Idee.

Karten für die Erstaufführung am 19. Januar gibt es im Kino 81/2, Telefon (06 81) 3 90 88 80, E-Mail: kraus@kinoachteinhalb.de. So genannte "Saarland-Premiere" ist dann am 1. März, 20 Uhr im Kino 8 1/2. Am 2. März läuft der Film nochmals um 20 Uhr.

Zur Person

 Gabi Heleen Bollinger
Gabi Heleen Bollinger

Gabi Heleen Bollinger wurde 1953 in Zweibrücken geboren. 1968 zog sie mit ihren Eltern an die Elfenbeinküste. Ab 1973 studierte sie Musikwissenschaft, Germanistik und Erziehungswissenschaften an der Universität Saarbrücken und gab nebenbei Konzerte. Mit drei Musikern gründete sie 1975 die Gruppe "espe", bis 1993 waren sie in Israel und ganz Europa mit jiddischen und deutschen Liedern unterwegs, spielten 19 Platten ein und traten vor die Kamera. Mit dem Schriftsteller Ludwig Harig schrieb sie 1988 das WDR-Hörspiel und die espe-Revue "Jankele". Seit 1993 ist sie ausschließlich als Autorin für Funk und Fernsehen tätig, in den Bereichen Kultur, politisches Feature, investigative Reportage. him