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Science Fiction in Saarbrücken

Saarbrücken. Science Fiction – das kennt man aus Kino, Fernsehen und Romanen. 2017 soll Saarbrücken zum Science-Fiction-Schauplatz werden. Saarländische und Berliner Künstler wollen hier „die Zukunft des Krieges“ in Szene setzen. Martin Rolshausen

Der Krieg ist kein Fremder in Saarbrücken . Am späten Abend des 5. Oktober 1944 zeigte er der Stadt eines seiner grausamsten Gesichter. Britische Bomber warfen ihre tödliche Fracht über der Stadt ab, die selbst durch ihre Industrie dem Krieg diente. 361 Menschen starben, über 45 000 wurden obdachlos. Vor allem Alt-Saarbrücken, St. Johann, Burbach und Malstatt lagen in Trümmern.


Krieg, das ist für Saarbrücken Vergangenenheit. Doch an vielen anderen Orten inn der Welt gibt es Kriege in der Gegenwart. Und wie würde es aussehen, wenn der Krieg auch eine Zukunft hätte?

Darüber haben Künstler des Saarländischen Staatstheaters und der Berliner Tanz- und Performancegruppe MS Schrittmacher in den vergangenen Monaten "laut nachgedacht", wie sie sie es formulieren. "Quo vadis, bellum? - Wohin gehst du, Krieg?", haben sie ihr Projekt genannt. Mit Unterstützung von Experten aus sozialen Bewegungen, Journalisten und Wissenschaftleren diskutieren und analysieren die Künstler in den öffentlichen Foren "das aktuelle kriegerische Weltgeschehen, dessen Ursachen und Perspektiven".

In der dreiteiligen "Laut denken"-Reihe ging es im April, Mai und Juni in der Alten Feuerwache in Saarbrücken um die Zukunft des Krieges, um Menschenrechte im Krieg und um den digitalen Krieg. Aus den Diskussionen, die es bei diesen Veranstaltungen gab, und aufgrund eigener Recherchen haben die Künstler das Grundgerüst, ein Storyboard, für eine Science-Fiction-Performance entwickelt. Sie wollen damit eine Geschichte erzählen, die "das zukünftige Gesicht eines Krieges in 100 Jahren zeichnet". Der schlimmstmögliche Fall soll gezeigt werden - "mit einer gehörigen Portion Trash", heißt es in einem Schreiben von MS Schrittmacher. Das Stück soll auch "die verpassten Chancen und die Absurdität und Nutzlosigkeit von Krieg präsentieren".

Wie bereits beim "lauten Denken" setzen die Berliner und die Leute vom Saarbrücker Theater auf "gesellschaftlichen Austausch und Ideenreichtum". Anders formuliert: Sie wollen die Saarbrücker einbeziehen in die nächste Phase von "Quo vadis, bellum?" Sie suchen für die Performance, die im Juni 2017 aufgeführt werden soll, einen passenden Ort. Die Künstler selbst sind bei ihrer Arbeit in Saarbrücken auf einige Orte gestoßen, die sich eignen könnten: die Alte Hauptpost, das ehemalige Kultusministerium, das ehemalige Rot-Kreuz-Krankenhaus in St. Arnual, den Osttunnel des Hauptbahnhofs, den Saarstollen-Bunker, den Lützelbachtunnel.



Nun stellt sich für die Künstler die Frage: "Ist unser spannender, aufregender, ungewöhnlicher, geheimnisvoller Ort schon dabei, oder gibt es weitere Ideen für die Suche nach dem perfekten Platz für unsere Produktion?" Martin Stiefermann, künstlerischer Leiter von MS Schrittmacher, würde sich gerne zu spannenden Orten in Saarbrücken führen lassen.

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Kulisse für eine Zukunfts-Performance in Saarbrücken, von links: die ehemalige Rot-Kreuz-Klinik, der Lützelbachtunnel, der Bunker im Saarstollen und das ehemalige Kultusministerium. Fotos: Zug, Bauer/Decker, Rolshausen, Bilderwerk/Stadtarchiv
Kulisse für eine Zukunfts-Performance in Saarbrücken, von links: die ehemalige Rot-Kreuz-Klinik, der Lützelbachtunnel, der Bunker im Saarstollen und das ehemalige Kultusministerium. Fotos: Zug, Bauer/Decker, Rolshausen, Bilderwerk/Stadtarchiv