Schwimmer beeindrucken Stadtrat

Saarbrücken. Für Sportdezernent Harald Schindel (Linke) war die Stadtratssitzung gestern eine Klatsche. So würden Sportler das bezeichnen. Und Sportler waren viele da. Rund 400 Schwimmer kamen, um ihrem Ärger Luft zu machen

Saarbrücken. Für Sportdezernent Harald Schindel (Linke) war die Stadtratssitzung gestern eine Klatsche. So würden Sportler das bezeichnen. Und Sportler waren viele da. Rund 400 Schwimmer kamen, um ihrem Ärger Luft zu machen. Der begann im Mai mit einer klaren Ansage von Schindel: Ab Januar 2013, so erklärte der Dezernent Vereinsvertretern damals, dürfen die Vereine nicht mehr im Calypso trainieren, weil das für die Stadt zu teuer sei.Die Vereine protestierten. Es wurde nachverhandelt. Die Hälfte der Trainingszeiten im Calypso bleibe erhalten. Den Rest versuche man in den städtischen Bädern zur Verfügung zu stellen.

Den Vereinen, denen Schindel das bereits vor etwa zwei Wochen mitgeteilt hatte, war das zu wenig. Sie machten mobil. Und der Rat zeigte sich beeindruckt. Die rot-rot-grüne Mehrheit wollte zwar nicht wie etwa von CDU und FDP gefordert, verbindliche Zusagen machen, dass die Trainingszeiten bestehen bleiben. Aber SPD, Linke und Grüne vertagten eine Entscheidung bis nach der Sommerpause. "Es wäre gelacht, wenn wir in einer Stadt, die Schwimmbäder ohne Ende hat, bis dahin keine Lösung finden", sagte Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (SPD).

Zuvor hatten die Vereine nochmals deutlich gemacht, dass ihre Existenz, die Arbeit mit Kindern aus sozial schwachen Familien in Malstatt und Burbach und die Ausbildung von Rettungsschwimmern, wie sie zum Beispiel bei Festen an der Saar gebraucht werden, an den Trainingszeiten hängt.

SPD, Linke und Grüne verwiesen zwar auf den Spardruck, den das Land auf die Stadt ausübt. Aber auch wenn es am Ende vielleicht eine nicht ganz perfekte Lösung gebe, so zeigte Rot-Rot-Grün sich doch zuversichtlich, dass man "gemeinsam etwas Sinnvolles erarbeiten" kann, wie es die Grünen-Fraktionsvorsitzende Karin Burkart formulierte. Die Schwimmer "haben schon halb gewonnen", sagte Linken-Fraktionsvorsitzender Rolf Linsler.

Bernd Richter (Freie Wähler) kritisierte allerdings, dass bei den ständigen Verweisen aufs Spargutachten "mit zweierlei Maß gemessen" werde. Die Einsparung von zwei Dezernentenstellen stehe ebenso im Gutachten wie die Schließung des Filmhauses. Da werde nichts getan. Die FDP kritisierte, dass Geld für Marketing, Gutachten und einen Fahrradbeauftragten da sei, aber nicht für wichtige Vereine.

Und dann gab es noch Ermahnungen für Schindel aus der eigenen Koalition. Peter Bauer (SPD) machte ihn für die "festgefahrenen Situation" verantwortlich, die aus Sicht von Karin Burkert (Grüne) an Schindels "bescheidener Kommunikation" liegt.