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Schwimmer ärgern sich über Finanz-Gutachter

Saarbrücken. Bezogen auf die Einwohnerzahl hat das Saarland deutlich mehr Bäder als das Ruhrgebiet oder Berlin. Doch der Vergleich hinke, moniert die DLRG. Und macht einen eigenen Vorschlag, wie die Schwimmausbildung gerettet werden kann. Daniel Kirch

Wie schwierig die Sache mit den Schwimmbädern im Saarland ist, merkt man schon beim Zählen. Ein Mitarbeiter des Kaiserslauterer Professors Martin Junkernheinrich, der für die Landesregierung ein Gutachten zur Finanzsituation der Kommunen erstellt hat, kam auf 66 Bäder. Die Landesregierung weiß aber nur von 61. Was Junkernheinrich und die Landesregierung aber verbindet, ist die Einschätzung, dass es in Zukunft weniger Bäder geben wird. Junkernheinrich hat ausgerechnet, dass den Städten und Gemeinden im Jahr 160 Millionen Euro in den Kassen fehlen. Fünf bis 15 Millionen Euro sollen Einsparungen bei der Infrastruktur bringen, zu denen Junkernheinrich auch die "finanziell gewichtigen" Bäder zählt.

Obwohl in den vergangenen Jahren schon mehrere Bäder geschlossen wurden, gebe es im Saarland einen "sehr hohen Versorgungsgrad", sagte Junkernheinrich. So sei die Ausstattung deutlich besser als etwa im Ruhrgebiet oder in Berlin . "Angesichts der hohen Defizite von häufig über einer halben Million Euro pro Bad und Jahr ist hier eine regional abgestimmte In-frastrukturplanung (…) notwendig", heißt es in seinem Gutachten. Dazu zählt Junkernheinrich Bäderschließungen, aber auch höhere Eintrittspreise, den gemeinsamen Betrieb von Bädern durch mehrere Kommunen und die qualitative Aufwertung verbleibender Bäder.

Der Vergleich mit dem Ruhrgebiet und Berlin wie auch die Empfehlung, Bäder zu schließen, ärgern die Deutsche Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG). "Wenn von Orten wie Gersheim oder Nunkirchen aus das nächste Hallenbad 15 Kilometer weit entfernt liegt, dann ist das gerade so machbar, aber beileibe nicht luxuriös", erklärte DLRG-Präsident Gerd Bauer. Vor allem dann, wenn man die Strecke mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegen müsse. Vergleiche mit dem Ruhrgebiet oder mit Berlin , die über ein weitaus besser ausgebautes Netz an öffentlichen Verkehrsmitteln verfügen, seien daher nicht realistisch. Dass die Schließung eines Hallenbades ein hohes Einsparpotenzial darstellt, sei nicht neu. Eine rein betriebswirtschaftliche Betrachtung halte er aber für zu kurz gedacht. Schwimmen sei gesund und ein Schwimmkurs "die günstigste Lebensversicherung".

Die Landesregierung und der Städte- und Gemeindetag befürworten ein landesweites Bäderkonzept. Die DLRG bietet schon einmal ihre Mitarbeit an. "Allerdings haben wir dabei nicht an eine reine Auswahlkommission gedacht, die nun darüber entscheidet, in welcher Reihenfolge die nächsten Bäder geschlossen werden", sagt Bauer. Es müsse vielmehr darum gehen, eine möglichst flächendeckende Bäderstruktur zu erhalten, die etwa jedem Kind mit einem erträglichen Aufwand den Zugang zu einem Schwimmkurs ermöglicht.

Er vermisse eine ergebnisoffene Herangehensweise an das Thema, sagte Bauer. Und machte gleich einen konkreten Vorschlag: Man könne doch zum Beispiel prüfen, ob nach der Schließung eines sanierungsbedürftigen Hallenbades dafür ein kleineres energieeffizientes Lehrschwimmbecken neu gebaut werden könne. So könne man die Schwimmausbildung vor Ort aufrechterhalten - und durch geringere Betriebskosten Geld sparen.

Helfen könnte ein vom Bund aufgelegtes Fünf-Milliarden-Programm für kommunale Investitionen, aus dem bis zu 80 Millionen Euro ins Saarland fließen werden. Junkernheinrich empfiehlt, das Geld für Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz kommunaler Einrichtungen auszugeben. Oder aber für "Rückbaumaßnahmen mit mittel- und langfristigen Einsparpotenzialen".