Schwierige Zeiten für Stadtwerke

Zum ersten Mal sind die Stadtwerke einer Mittelstadt zahlungsunfähig. Unternehmensberater sehen darin den Anfang einer Pleitewelle. Saarländische Betreiber sehen hier aber keine kritische Lage.

Vor zwei Monaten haben die Stadtwerke in Gera Insolvenz angemeldet. War das ein Einzelfall oder könnte es zu einem Flächenbrand werden? Studien namenhafter Beratungsgesellschaften sehen bundesweit Stadtwerke gefährdet. Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) spricht dagegen von einem Einzelfall. Fakt ist: In Gera ist vieles falsch gelaufen. Obwohl die Einwohnerzahl seit Jahren rückläufig ist, wurde weiter in die Infrastruktur investiert. Die Quersubventionierung defizitärer Bereiche wie zum Beispiel des Nahverkehrs ließ sich immer weniger durch den Energiesektor ausgleichen.

Der Unternehmensberatung Roland Berger zufolge ist Gera längst kein Einzelfall mehr. Vor kurzem veröffentlichte sie eine Studie, wonach 20 Prozent von 500 untersuchten Stadtwerken vor der Pleite stünden. Für Werner Spaniol, VKU-Vorstand im Saarland, jedoch kein Grund zur Panik: "Es gibt absolut keine Anzeichen dafür, dass Stadtwerke im Saarland von der Insolvenz bedroht sind." Dass kommunale Versorger schwierige Zeiten erleben, sei nicht von der Hand zu weisen.

"Auch im Saarland macht es die demografische Entwicklung den Stadtwerken schwer, deshalb müssen die Versorgungsunternehmen gegensteuern, in dem sie sich weitere Tätigkeitsfelder erschließen", sagt Spaniol. Neue Geschäftsfelder bergen aber auch Risiken. Die Versorgungsund Verkehrsgesellschaft Saarbrücken (VVS), die zu 80 Prozent an den Stadtwerken beteiligt ist, entschied sich 2009 für eine eigene Stromerzeugung. Doch parallel zur Energiewende sank der Strompreis an den Börsen kontinuierlich.

Außerdem kamen die die modernen Kraftwerke der VVS durch den Einspeisevorrang für Erneuerbare Energien zu wenig zum Einsatz. Die Ergebnisse aus der Eigenerzeugung blieben unter den Erwartungen, 2012 meldete der Konzern einen Fehlbetrag von rund 10,5 Millionen Euro. "Die energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben sich in den letzten Jahren verschlechtert. Darauf haben wir 2013 mit einer Umstrukturierung reagiert und nach neuen Modellen gesucht", sagt VVS-Geschäftsführer Peter Edinger. Eines davon wurde die Verpachtung des Gaskraftwerks Süd an ZF. "Für beide Parteien eine Win-WinSituation", sagt Edlinger. ZF könne eigenen Strom produzieren und spare dadurch die EEG-Umlage; die VVS bekomme einen stabilen Pachtertrag. Damit hat sich die VVS Luft verschafft und weist für 2013 einen Jahresüberschuss von knapp einer Million Euro aus.

Die Aktivitäten von Stadtwerken im Energie-Bereich waren schon immer profitabel. Doch in diesem Umbruch-Sektor werden wohl in Zukunft viele Investitionen notwendig sein, die das finanzielle Polster schrumpfen lassen. Mit der Verbreitung der Fotovoltaik werden bisherige Stromkunden plötzlich selbst Erzeuger und speisen in die Netze ein. Diese müssen entsprechend von den betreibenden Stadtwerken ausgebaut werden. In der Berger-Studie schneiden Stadtwerke , die nicht einer Kommune sondern privaten Energiekonzernen gehören, am besten ab. Für Berger-Partner Torsten Henzelmann "liegt es in erster Linie an den flexibleren und schlankeren Unternehmensstrukturen ." Für Edlinger und Spaniol basiert die Untersuchung aber auf falschen Grundlagen. "Man muss vergleichen, was vergleichbar ist. Nicht Privatfirmen, die nur auf Gewinne abzielen mit kommunalen Stadtwerken, die den Bürgern auch andere Leistungen anbieten", sagt Edlinger. Als Beleg nennt Spaniol die kommunal betriebenen KEW in Neunkirchen: Diese müssten keine Versorgungsaufgaben übernehmen und seien deshalb so gut wie private Stadtwerke .