Schwerer Brocken für die Bühnentechniker

Saarbrücken. "Das war die Ankleiderin, die hat mir das Zeichen gegeben, dass ich der Prinzessin das Fluggeschirr rausbringen kann," erklärt Christian Fischer mit gedämpfter Stimme. Doch das habe noch etwas Zeit. Erst müsse er noch das Zeichen geben, dass die Kollegen den "Eisernen Vorhang" runterlassen können

Saarbrücken. "Das war die Ankleiderin, die hat mir das Zeichen gegeben, dass ich der Prinzessin das Fluggeschirr rausbringen kann," erklärt Christian Fischer mit gedämpfter Stimme. Doch das habe noch etwas Zeit. Erst müsse er noch das Zeichen geben, dass die Kollegen den "Eisernen Vorhang" runterlassen können. Und dafür persönlich nachsehen, dass der Grinch, der böse Zauberer, nicht aus Versehen darunter steht, erläutert der Bühnenmeister. Denn mit der sogenannten Notauslösung senkt sich das tonnenschwere Teil gleich in nur 30 Sekunden. Nee, noch nie sei mit "dem Eisernen" etwas schief gegangen, beruhigt Fischer.

Dennoch gibt es für die Techniker bei jeder Aufführung auf der großen Staatstheater-Bühne mit ihrer altersschwachen Bühnentechnik vielerlei Gründe zum Zittern. Gerade bei einer Produktion wie "Aladin und die Wunderlampe", die heute Abend noch ein letztes Mal läuft. Sobald das Flugwerk zum Einsatz kommt, riskiert man Hänger, weiß Fischer, das kann im Aladin gleich zwei Mal passieren. Auf elf Meter Höhe fahren die Techniker, die oben an einem Steuerpult sitzen, gleich die Prinzessin. Dann steuern zwei Weitere die Schöne, die mit ihrem Fluggeschirr an Seilen hängt, fürs Publikum unsichtbar mit Handkurbeln in die Bühnenmitte. Dort übernehmen die beiden Ersteren wieder per Joystick und lassen sie in zwei Minuten "herabschweben". Im zweiten Teil wird später der Nikolaus in einer Kutsche hoch über die Bühne schweben, dazu noch ein Engel mit Wolke. Sollten sie stecken bleiben, muss Fischer sie mit dem Hubwagen herunterholen.

"Bei Aladin sind wir zu neun Leuten, nur allein für die Bühnentechnik", sagt der Bühnenmeister. Das sei viel mehr als üblich, denn bei dieser Oper gebe es ständig Umbauten und dann noch viele verschiedene zur gleichen Zeit. "Jetzt, kurz vor der Pause, ist es besonders heftig," erklärt Fischer und wirkt erstaunlich ruhig. Mit der Hand muss jetzt der "Eiserne Vorhang" an der rechten Seite heruntergekurbelt werden. Aus Schutz vor Funkenflug, denn aus der Weihnachtsmannkutsche wird es gleich krachen. Während einige Techniker hier den Weihnachtsmann in sein Flugschiff setzen, müssen die Kollegen auf der entgegengesetzten Seite die Dönerbude in Seile hängen und die Ständer, die ihr auf dem Boden sicheren Stand verschafften, wieder hochkurbeln. Jetzt muss der alte Schnürboden beweisen, dass er trotz Verschleiß noch einmal funktioniert. "Wenn die Stahlseile ungleichmäßig hochziehen, kommt die Bude in Schräglage und dann blockiert die Computersteuerung", erklärt der technische Direktor Ralf Heid. Doch an diesem Abend geht es noch einmal gut. Die Bude entschwebt in den Bühnenhimmel.

Andere Techniker warten dieweil hinter der letzten Häuserreihe auf ihren Einsatz. Sobald sie über Funk das Zeichen bekommen, müssen sie die St. Johanner-Markt-Kulisse, die auf zwei Wagen steht, blitzschnell auseinanderschieben. An diesem Abend unzählige Male. "Das kostet dann schon Kraft", meint Fischer. Gleich haben die Zuschauer Pause. Wie viele im Raum sitzen, das bekommt man hinter der Bühne gar nicht mit. Einige Techniker nutzen die Zeit für eine kurze Zigarette, Fischer nutzt sie für einen Rundgang durch die Kulissen, um noch mal alles zu kontrollieren. Denn sicher ist sicher, auch im zweiten Teil kann noch viel passieren. Rund fünfzig Minuten später notiert der Abendspielleiter in sein Rapportbuch: "Keine besonderen Vorkommnisse, Technik: perfekt, Bemerkungen: klasse Mannschaft."