Schulkultur soll musische Begabung fördern

Welche Idee steckt hinter den schulkulturellen Angeboten an Saarbrücker Grundschulen?Birgit Kollet: Entstanden ist die Schulkultur im Juli 2004 vor dem Hintergrund der Diskussionen über die Pisa-Studie mit der Frage: Wie kann Bildung besser gelingen? Unser Ziel ist es, vielen Kindern ergänzend zum bestehenden Schulsystem eine musisch-kulturelle Förderung zukommen zu lassen

Welche Idee steckt hinter den schulkulturellen Angeboten an Saarbrücker Grundschulen?Birgit Kollet: Entstanden ist die Schulkultur im Juli 2004 vor dem Hintergrund der Diskussionen über die Pisa-Studie mit der Frage: Wie kann Bildung besser gelingen? Unser Ziel ist es, vielen Kindern ergänzend zum bestehenden Schulsystem eine musisch-kulturelle Förderung zukommen zu lassen.

Sind die schulkulturellen Angebote erforderlich, weil musische Fächer - Musik und Bildende Kunst - in den Lehrplänen der Schulen stiefmütterlich behandelt werden?

Kollet: In Grundschulen werden die musischen Fächer oft fachfremd unterrichtet, das heißt, dass die Deutschlehrerin beispielsweise auch Zeichnen unterrichtet, oder die Mathematiklehrerin auch Musik. Es ist immer noch die Ausnahme, dass musisch ausgebildete Fachkräfte an Grundschulen lehren. Hinzu kommt, dass die Fächer Musik und Bildende Kunst am ehesten ausfallen, wenn Stundenkontingente gekürzt werden.

Was lernen die Kinder in den schulkulturellen Projekten, und wie sieht es mit der Nachhaltigkeit der Angebote aus?

Kollet: Wir setzen vor allem auf langfristig angelegte Projekte, bei denen die Kinder in der Regel vom zweiten bis vierten Schuljahr mit verschiedenen Kunsttechniken in Berührung kommen. Aktuell haben wir solch dauerhafte Projekte an 14 der 27 Saarbrücker Grundschulen.

Laufen Schulkultur und Fachunterricht nebeneinander her oder gibt es da eine Verzahnung?

Kollet: Ideal ist es, wenn die schulkulturellen Projekte den Lehrplan ergänzen. Im dritten Schuljahr wird zum Beispiel der Schritt von der Zwei- in die Dreidimensionalität gemacht, und dieses Thema lässt sich sehr gut durch eine künstlerische Arbeit begleiten.

Was unterscheidet den Unterricht in den Projekten vom regulären Fachunterricht?

Kollet: Im Schulfach muss ein Curriculum erfüllt werden, woraus sich allein schon wegen der Notengebung ein gewisser Druck ergibt. Die musische Projektarbeit geht freier vonstatten: Es gibt keine Noten, und die Entfaltung muss nicht in eine bestimmte Richtung gehen. Bei dieser freiheitlichen Herangehensweise steht das freie, schöpferische Tätigsein im Vordergrund. Es geht weniger um das Ergebnis, sondern vor allem um den Weg. Geleitet werden die Projekte von Künstlerinnen und Künstlern, die eng mit der Lehrerin oder dem Lehrer zusammenarbeiten. Die musische Arbeit findet einmal pro Woche mindestens 90 Minuten statt, und zwar während der regulären Schulzeit. Es gibt aber auch Angebote in nachschulischen Arbeitsgemeinschaften und am Nachmittag.

Mit wem kooperieren Sie bei den schulkulturellen Projekten?

Kollet: Wir haben die Arbeit innerhalb des Amtes so aufgeteilt, dass der musikalische Bereich weitgehend über die städtische Musikschule läuft und die Bereiche Bildende Kunst, Tanztheater und Erzählkunst über die Schulkultur. In der Schulkultur arbeiten wir mit Künstlerinnen und Künstlern der freien Szene in Saarbrücken sowie einigen Künstlern aus der Region und dem Trierer Raum zusammen.

Nach welchen Kriterien wählen Sie die Künstlerinnen und Künstler aus?

Kollet: Wichtig ist, dass sie eine große Authentizität mitbringen und den Kindern Kunst als ein wirkliches Anliegen vermitteln können. Die Künstler, die in der Schulkultur arbeiten, müssen eine große Professionalität in ihrem Gebiet mitbringen, aber auch soziale Kompetenz, pädagogisches Geschick und eine große Offenheit, auch gegenüber der Schule und Verwaltung, denn sie müssen sich ja in dem System Schule bewegen. Wir haben einen Stamm von zehn bis zwölf Kunstschaffenden, mit denen wir regelmäßig zusammenarbeiten, und ebenso viele, auf die wir für kleinere Projekte oder Ferienworkshops zurückgreifen können.

Wie viel Geld steht Ihnen pro Jahr zur Verfügung?

Kollet: 2012 beläuft sich der Etat auf 50 000 Euro. Davon sind bisher allerdings nur 20 Prozent freigegeben. Wir planen die Gelder aber immer so ein, dass die Projekte für das laufende Schuljahr durch Mittel aus dem Vorjahr gesichert sind. Zusätzlich stehen für die Ferienprogramme 6500 Euro und für die Ausstellungen im Kulturfoyer jährlich 1000 Euro zur Verfügung.