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Schul-Chef wird jetzt Unternehmer

Bernhard Lehnert. Foto: Nina Trenz
Bernhard Lehnert. Foto: Nina Trenz
Saarbrücken. Bernhard Lehnert startete seine Lehrerkarriere in den Siebzigern. Studenten demonstrierten für den Frieden und gegen den Krieg in Vietnam. Firmen wie Microsoft und Apple wurden gegründet und erfanden, was den Berufsalltag revolutionieren sollte Von SZ-Mitarbeiterin Nina Trenz

Saarbrücken. Bernhard Lehnert startete seine Lehrerkarriere in den Siebzigern. Studenten demonstrierten für den Frieden und gegen den Krieg in Vietnam. Firmen wie Microsoft und Apple wurden gegründet und erfanden, was den Berufsalltag revolutionieren sollte. Damals beendete Lehnert, zuletzt Leiter des Technisch-Gewerblichen Berufsbildungszentrums 1 (TGBBZ 1) Saarbrücken, gerade sein Studium der Metalltechnik und Wirtschaftskunde an der Uni.Jetzt geht er nach rund 41 Jahren in den Ruhestand. Natürlich haben sich sowohl Technik als auch Bildungswesen seitdem erheblich verändert. "Unterricht ist heute ganz anders als früher", sagt Lehnert. "Während die Auszubildenden in der Bautechnik früher noch mit Bleistiften auf Papier zeichneten, erstellen sie heute am Computer dreidimensionale Modelle."


Als Mitglied des Meisterprüfungsausschusses musste Lehnert immer auf dem Laufenden sein. Er besuchte eine Vielzahl von Lehrgängen und Seminaren, wovon letztlich seine Berufsschüler profitierten. Lehnert hat das Schulwesen von fast allen Seiten gesehen.

Er schloss 1974 sein Referendariat ab, arbeitete als Berufsschullehrer, wurde 1987 Abteilungsleiter, 1989 Schulleiter, war an drei Berufsbildungszentren und arbeitete drei Jahre lang als Referatsleiter im Kultusministerium. Der studierte Metalltechniker weiß genau, was ihm an der Berufsschule so gefällt. "Ich habe nach einem Weg gesucht, meine Technikorientierung mit meinem Interesse für Pädagogik und Wissensvermittlung zu verbinden." Außerdem reize ihn die Unterschiedlichkeit der Schüler: Das TGBBZ 1 hat 5000 Schüler zwischen 15 und 28 Jahren, von denen manche nicht einmal einen Hauptschulabschluss, andere dagegen das Abi mitbringen. Im Jahre 2001 begleitete Bernhard Lehnert den Aufbau von Berufsbildungszentren in Thai Nguyen, einer Stadt im Norden von Vietnam. "In der Stadt von der Größe Saarbrückens gab es damals nur drei Pkws", erinnert sich Lehnert. Da er den Vietnamkrieg als prägendes Ereignis für seine Generation erlebte, habe der Besuch des Landes für ihn eine besondere Bedeutung gehabt. "Ich habe in dieser Zeit erst begriffen: Vietnam ist kein Krieg, es ist ein Land", erklärt der Schulleiter.



Mit 64 Jahren gibt der vierfache Großvater jetzt zwar sein Amt als Schulleiter ab, doch an Ruhestand denkt er nicht. Im März kehrt er zu seinen Wurzeln zurück und leitet den auf Werkzeug und Vorrichtungsbau spezialisierten Betrieb Brabant & Lehnert, den er im Januar 2011 mit einem ehemaligen Schüler gegründet hat.

Angst vor der neuen Herausforderung? "Naja, einen mittelständischen Betrieb zu führen, kann nicht schwieriger sein, als eine Schule zu leiten."