Schnitzeljäger von heute auf Fährtensuche

Saarbrücken. Immer tiefer geht es in den Saarbrücker Urwald, über umgefallene Bäume, quer durch Hecken und Sträucher: "Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich mir eine lange Hose angezogen", stöhnt der 13-jährige Florian. Vorsichtiger werden seine Schritte deshalb nicht. Im Gegenteil

Saarbrücken. Immer tiefer geht es in den Saarbrücker Urwald, über umgefallene Bäume, quer durch Hecken und Sträucher: "Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich mir eine lange Hose angezogen", stöhnt der 13-jährige Florian. Vorsichtiger werden seine Schritte deshalb nicht. Im Gegenteil. Der GPS-Empfänger in seiner Hand sagt ihm, dass es nur noch wenige Meter bis zum ersten Zwischenziel sein können. Dornen werden zur Nebensache.Florian, Lucas (15), Joshua (14) und Philip (13) suchen einen kleinen Behälter, einen sogenannten Cache. Im Internet hat derjenige, der das Objekt der Begierde versteckt hat, Längen- und Breitengrad des Verstecks veröffentlicht. Die Koordinaten haben die Jungs in ihr kleines Navigationsgerät eingegeben und suchen jetzt den Waldboden nach dem Cache ab. Nach ein paar Minuten reckt Florian stolz die Faust nach oben. In seiner Hand: ein Salbentiegel. Im Inneren: ein Rätsel.

Diese moderne Form der Schnitzeljagd nennt sich Geocaching und findet weltweit immer mehr Anhänger. Im Saarland gibt es mittlerweile fast 2500 im Internet registrierte Rätselrouten. Die Jungs sind mit Juz-United, dem Zusammenschluss der saarländischen Jugendzentren, unterwegs. Ausgewählt wurde ein Education-Cache. Also eine GPS-Schnitzeljagd mit Bildungsanspruch, die der Landesjugendring ausgetüftelt hat.

Die Jungs müssen die Bäume, die sie sehen, Kategorien zuordnen. Aus den Kombinationen ergeben sich Zahlenwerte, die wiederum die Koordinaten für das nächste Versteck verraten. Der Salbentiegel wird wieder an der gleichen Stelle versteckt, so dass andere Geocacher auch rätseln können.

Insgesamt sechs Stationen durchlaufen die Jungs, die von der Pädagogin Alexandra Groß und von Maren Seyler, die ihr freiwilliges soziales Jahr bei Juz-United macht, begleitet werden. "Eigentlich bin ich nicht so oft in der Natur, aber das gefällt mir wirklich gut", bekennt Philip.

Tatsächlich lassen sich die Jungs immer wieder von ihrer Route abbringen. Ob Frösche, Ameisenhaufen oder Spechtlöcher: alles wird inspiziert. In Tiegel Nummer fünf wartet eine Überraschung. Der letzte Geocacher hat das Döschen nicht richtig verschlossen. Nun hat eine Nacktschnecke den Cache zur Behausung umfunktioniert. "Das ist ja krass eklig" findet Florian. Aber für Befindlichkeiten ist keine Zeit. Das Ziel oder "das Final", wie die Cacher sagen, ist nicht mehr weit entfernt. Ein letztes Mal folgen die Schatzsucher den Richtungspfeilen auf ihren Navis. Plötzlich zeigen die Geräte in verschiedene Richtungen.

Doch Lucas, ein routinierter Schnitzeljäger, entdeckt eine "Cacherautobahn". Abseits des Waldweges ist das Unterholz plattgetreten. Ein eindeutiges Indiz für die richtige Route. Nach insgesamt vier Stunden und über fünf Kilometern, hungrig, müde, aber überglücklich entdecken die Jungs die kleine Schatzkiste. In ihr finden sie einen Anstecker, einen Kugelschreiber, einen Bleistift und ein Logbuch. Die Jungs tragen sich ein, nehmen den Anstecker heraus und legen Blasenpflaster rein. "Es geht ums Finden, nicht um den Preis", erklärt Lucas. Das sehen die anderen auch so. Sie haben alle Riesenspaß gehabt, und es wird nicht ihr letzter Geocache gewesen sein. Nur für Maren Seyler steht fest: "Erlebnispädagogik wird im Studium gleich gestrichen."

geocaching.de

geocaching.com

grad-gefunden.de

juz-united.de

"Das ist ja krass eklig"

Florian über eine Nacktschnecke

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